Datendieb will Schweiz meiden

Die Schweiz fordert die Auslieferung des Genfer Informatikers und Datendiebes Hervé Falciani. Dieser wehrt sich und erhält Sukkurs von Spaniens Staatsanwältin.

Ralf Streck
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Hervé Falciani (Bild: ap/Juan Carlos Hidalgo)

Hervé Falciani (Bild: ap/Juan Carlos Hidalgo)

MADRID. Mit «skandalösem Vorgehen» bei der Bank HSBC hat Hervé Falciani vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid sein Vorgehen begründet. Am Gericht wurde gestern verhandelt, ob Falciani an die Schweiz ausgeliefert werden kann. Er war letzten Sommer bei der Einreise nach Spanien aufgrund eines internationalen Haftbefehls verhaftet worden und sass einige Monate in Untersuchungshaft. Die Schweiz beschuldigt den italienisch-französischen Informatiker, er habe bei der Genfer HSBC, seinem damaligen Arbeitgeber, 130 000 Datensätze von 24 000 Kunden gestohlen und sich damit der Wirtschaftsspionage, des Datendiebstahls sowie der Verletzung des Bank- und Geschäftsgeheimnisses schuldig gemacht. Mit Falcianis Daten konnten in diversen Ländern Steuerflüchtige ermittelt werden, weshalb er auch als «Robin Hood der Finanzwelt» bezeichnet wird.

Mit Bart, Perücke und Hornbrille getarnt wies Falciani die Anschuldigungen zurück, die Daten gestohlen zu haben. Vielmehr habe er sie von anderen Bankangestellten erhalten. Er habe auch nie versucht, sich über die Daten zu bereichern, denn ihm wird auch vorgeworfen, er habe die Daten verkaufen wollen. Ausser Ermittlungsbehörden habe er «absolut niemandem» Zugang zu den Daten gewährt, konterte Falciani. Auch der französische Staatsanwalt Eric de Montgolfier sagte als Zeuge aus, Falciani habe nie Geld als Gegenleistung für Informationen gefordert. Montgolfier sagte, Falciani habe bei der Entschlüsselung der Daten geholfen. Als Beweggrund habe er Besorgnis geäussert, dass Banken in der Schweiz Steuerbetrug förderten, die er, Falciani, als eine Ursache der Finanzkrise erachtet habe.

Gegen Falcianis Auslieferung stellt sich auch die Madrider Staatsanwältin Dolores Delgado. Denn die wesentliche Bedingung sei nicht erfüllt: Falcianis Vorgehen müsste in Spanien strafbar sein. Doch Gesetze gegen Geldwäscherei und Steuerhinterziehung schreiben hier sogar vor, dass sie angezeigt werden müssen. – Die Richter entscheiden in den kommenden Tagen.

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