DATEN DER SCHWEIZER WIRTSCHAFT: Unternehmen müssen «mehr bieten als Arbeit»

Die Arbeitswelt verändert sich rasant, der Mensch muss sich gegen die Maschine behaupten. Zudem hat die junge Generation andere Ansprüche als die Alten.

Thomas Griesser Kym
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Dank einem Roboter kann ein krankes Schulkind vom Spitalbett aus am Unterricht teilnehmen. (Bild: Getty)

Dank einem Roboter kann ein krankes Schulkind vom Spitalbett aus am Unterricht teilnehmen. (Bild: Getty)

Thomas Griesser Kym

«Arbeiten, um zu leben» – diese Devise gilt bei vielen Menschen, die in der Mitte oder am Ende ihrer Berufstätigkeit stehen. Die Generation Y, die Jungen von heute, wollen freilich etwas Anderes: «Beim Arbeiten leben», sagt Ludwig Hasler. Der Philosoph, Publizist und frühere stellvertretende Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts» sieht darin eine Chance für kleine und mittlere Unternehmen. Diese müssten «mehr bieten als Arbeit» sowie ­deren «Sinn sichtbar machen und verkörpern». Dazu gehört auch, wie Hasler am Montagabend am Forum «Horizonte» der St. Galler Kantonalbank in Wil sagte, eine neue Führung. Traditionell wird über Kommando oder über Wissensvorsprung geführt. Doch das werde auslaufen, da immer mehr Angestellte immer besser ausgebildet und spezialisiert seien. Eine zentrale Rolle spiele die Firmenkultur; die Angestellten müssten sich als Unternehmer fühlen, und Führung bedeute, die Belegschaft derart zu motivieren, dass «jeder das Letzte aus sich herausholt».

Keine fixen Ar­beitsplätze, keine fixen Arbeitszeiten – und kein fixer Lohn mehr. So skizzierte Hasler in seinem Referat «die Zukunft der Arbeit». Demnach verkaufen künftig Arbeitskräfte ihr Produkt oder ihre Dienstleistung, ihr Arbeitsplatz ist der Laptop. Das öffne neue Chancen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – werde aber auch viele Arbeitnehmende überfordern und «Unsicherheit für Untalentierte» bedeuten, sagte Hasler. «Die Arbeitsverhältnisse werden sich flexibilisieren, das ist für die einen wunderbar, für die anderen hässlich.» Deshalb brauche es auch weiterhin Unternehmen für Begegnungen. Und solche wiederum seien nötig für Innovationen.

«Rohe Kraft und Geradeausdenken»

Die Digitalisierung bedroht laut Hasler vor allem «männliche Tätigkeiten», wo «rohe Kraft und Geradeausdenken» gefragt sei. Er rät zu einer kreativen Reaktion und hat drei Ideen parat: Erstens «muss der Mensch der Maschine überlegen sein». Das sei etwa in einer Schreinerei dann der Fall, wenn der Schreiner, der heute vor allem die Maschinen programmiert, nicht eindimensional als Programmierer ausgebildet worden sei, sondern klassisch als Handwerker. Zweitens vernichte die Digitalisierung Jobs, lege aber auch die Basis für neue. Als Beispiel nannte Hasler den Flugverkehr von Drohnen, welcher der Überwachung durch Sicherheitspersonal bedürfe. Drittens plädiert Hasler für eine Symbiose zwischen Mensch und Maschine. Die Digitalisierung erlaube es, «spezifisch menschliche Tätigkeiten auszudehnen». So könne etwa die Ärztin dank Diagnose- und Operationsrobotern der Patientin mehr Zeit im persönlichen Kontakt widmen. Dank der Digitalisierung habe auch der Pfleger mehr Zeit für seine eigentliche Aufgabe, die Pflege. Und der Bankberater könne auf die Sorgen des Kunden um dessen Alterskapital eingehen. «Vertrauen braucht Menschen», sagt Hasler.