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«Das würde den Bürger entmündigen»

UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler kritisiert Teile des neuen Finanzdienstleistungsgesetzes.
Thorsten Fischer/Thomas Griesser-Kym
«Der Finanzplatz muss attraktiv bleiben für ausländische Investoren»: Lukas Gähwiler, Chef der UBS Schweiz. (Bild: Urs Bucher)

«Der Finanzplatz muss attraktiv bleiben für ausländische Investoren»: Lukas Gähwiler, Chef der UBS Schweiz. (Bild: Urs Bucher)

Herr Gähwiler, vor einigen Jahren gab es Gedankenspiele, dass die Schweizer Grossbanken aus dem Schweizer Retailgeschäft mit Privat- und Firmenkunden aussteigen könnten. Heute ist das kein Thema mehr. Weshalb?

Lukas Gähwiler: Das Retailgeschäft ist extrem profitabel, vor allem, seit es mit neuen Informationstechnologien effizient betrieben werden kann. Für eine Universalbank wie die UBS ist das Retail ausserdem der Akquisitionsmotor für die Vermögensverwaltung, das Wealth Management. Viele Geschäftsbeziehungen im Retailbanking führen früher oder später auch zu Mandaten in diesem Bereich.

Die UBS ist global tätig, trotzdem hat das Schweizer Geschäft über die Jahre im Schnitt 40 Prozent zum operativen Gewinn der Gesamtbank beigetragen. Wieso ist es solch eine Cashcow?

Gähwiler: Die UBS erwirtschaftet in der Schweiz inzwischen sehr hohe Erträge durch bereichsübergreifende Geschäfte. Beispielsweise kann ein Firmenchef, der mit seinem Unternehmen im Segment Firmenkunden betreut wird, auch Bedürfnisse im Wealth Management haben. Diese können dann ebenfalls durch die UBS abgedeckt werden. Mehr als 20 Prozent der Gesamtleistung der UBS Schweiz werden durch solche intern vermittelte Geschäfte generiert. In Volumen ausgedrückt handelt es sich bei solchen Vermittlungen um einen zweistelligen Milliardenbetrag jährlich.

Haben auch die Vorfälle im Ausland wie das Debakel mit verbrieften US- Hypothekenpapieren oder der Steuerstreit mit Amerika dazu beigetragen, dass das Schweizer Geschäft enorm wichtig ist?

Gähwiler: Nach der Finanzkrise fand eine Rückbesinnung statt. Die UBS will nicht nur die global grösste Vermögensverwalterin sein, sondern auch die führende Universalbank der Schweiz. Ein Zusammenhang, den ich immer wieder betone: Eine Bank kann im Ausland nicht stark sein, wenn sie es im Heimmarkt nicht ist.

Die UBS arbeitet daran, sich eine Holdingstruktur mit eigenständigen Tochtergesellschaften zu geben. Wie verändert dies die UBS Schweiz?

Gähwiler: Es entsteht eine eigenständige Schweizer Tochtergesellschaft. Die neue Struktur ist eine Folge aus der Debatte um «Too big to fail». Die Schaffung einer eigenen UBS Switzerland AG ist ohne Zweifel ein Riesenprojekt. Es ist von der technischen Komplexität her sogar anspruchsvoller als die Fusion von Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS im Jahr 1998. Das liegt daran, dass es einfacher ist, Dinge zusammenzuführen, als sie wieder zu entflechten. Die neue Struktur im Hintergrund wird aber so gut wie keinen Einfluss auf die Art des Geschäfts, auf Mitarbeitende oder Kunden in der Schweiz haben. Von den hiesigen 2,7 Millionen Kunden wird es für 99 Prozent gleich weitergehen wie bisher. Einzig ganz grosse Kunden werden neu eine Geschäftsbeziehung zu mehreren Rechtseinheiten innerhalb der UBS-Gruppe haben.

Momentan ist das neue Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) in der Vernehmlassung, das im Kern mehr Schutz für die Anleger vorsieht. Auch die UBS kritisiert Teile des Fidleg. Was haben Sie gegen mehr Kundenschutz, nachdem zum Beispiel viele Anleger bei Investitionen in Papiere der Investmentbank Lehman Brothers falsch beraten worden waren?

Gähwiler: Grundsätzlich begrüssen wir es, wenn ein Gesetz den Anlegerschutz regelt. Aber das muss vernünftig und verhältnismässig geschehen. Das Fidleg hat gute Ansätze, so unterstützen wir beispielsweise das Abschlussprotokoll, die Aufklärung des Kunden über allfällige Risiken sowie den Einbezug aller Vermögensverwalter.

Kritischer eingestellt sind Sie gegenüber jenen Passagen des Fidleg, die sich um die Rechtsdurchsetzung drehen. Warum?

Gähwiler: Gegenüber diesem Teil sind wir sehr kritisch eingestellt. Zum Beispiel gegenüber der Beweislastumkehr, der Prozesskostenvorfinanzierung oder Verbandsklagen. Das sind Vorschläge, die das schweizerische Rechtsverständnis auf den Kopf stellen und ein bürokratisches Monstrum schaffen. Wir haben eine funktionierende Zivilprozessordnung, die das Vertragsrecht regelt. Zudem würden solche Vorschriften im Finanzsektor den Weg bereiten, dass diese auch in anderen Branchen Einzug halten. Das würde der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz schaden.

Was wären die Folgen, falls die von Ihnen kritisierten Regeln in Kraft träten?

Gähwiler: Wir sehen mögliche Folgen in Deutschland oder Grossbritannien. Dort hat die Überregulierung in Sachen Kundenschutz dazu geführt, dass Banken aus Kostengründen keine Anlageberatung mehr für Kunden mit wenig Vermögen anbieten wollen. Es gibt im Fidleg auch einen Passus, wonach Bankmitarbeiter schon bei fahrlässigen Verstössen strafrechtlich belangt werden könnten. Ich habe nichts dagegen, wenn das Fidleg unser Recht ans EU-Recht annähert. Das wäre auch in Fragen des EU-Marktzugangs von Vorteil. Aber gerade bei der Rechtsdurchsetzung läuft es auf einen Swiss Finish hinaus, der über das Ziel hinausschiesst.

Gilt das auch für das Verhältnis zwischen Kunden und Bank?

Gähwiler: Ja, dieses Verhältnis würde völlig neu geregelt. Heute gehen wir von einem Vertrauensprinzip und dem mündigen Bürger aus. Teile des Fidleg würden dieses Prinzip in ein Misstrauensprinzip verkehren und den Bürger entmündigen.

Inwieweit könnten Banken, statt Dienstleistungen als Folge des Fidleg aufzugeben, höhere Preise verlangen?

Gähwiler: Klar ist, dass eine schärfere Regulierung, erhöhte Dokumentationspflichten und mehr Administration die Kosten erhöhen. Diese muss die Bank irgendwo überwälzen können. Ist die Dienstleistung aber schlicht zu teuer, kann sie nicht mehr angeboten werden oder nur noch in grösseren Kundensegmenten. Das kann nicht im Sinne der Konsumenten sein.

Die Reputation des Finanzplatzes Schweiz hat Schaden genommen, Stichwörter Subprime-Hypothekendebakel oder Steuerstreit mit den USA. Wie sehen Sie die Zukunft?

Gähwiler: Der Finanzplatz ist im Umbruch. Gerade das Geschäftsmodell in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung muss auf eine völlig neue Basis gestellt werden. Wichtig ist, dass der Finanzplatz seinen Ruf wiederherstellt, in erster Linie durch Vergangenheitsbewältigung und Anpassung seiner Geschäftsmodelle. Zudem muss der Finanzplatz attraktiv bleiben für ausländische Investoren. Wir dürfen nicht vergessen: Die Qualität der Dienstleistungen und vor allem der Mitarbeitenden ist im internationalen Vergleich immer noch sehr hoch.

Als Folge der Finanzkrise wird die Regulierung laufend verschärft. Ihr Urteil?

Gähwiler: Wir müssen aufpassen, dass wir in der Regulierung das Fuder nicht überladen und wir uns nicht ein Stück weit isolieren. Es kommt immer häufiger vor, dass sich ausländische Investoren über die Stabilität und Rechtssicherheit der Schweiz erkundigen.

Trägt beispielsweise auch das Ja zur Zuwanderungs-Initiative zur Verunsicherung ausländischer Investoren bei?

Gähwiler: Das ist ein Mosaikstein, genau wie etwa die Minder-Initiative. Wir erhalten hierzu vermehrt besorgte Fragen von ausländischen Investoren, vielleicht auch, weil sie mit der direkten Demokratie der Schweiz weniger vertraut sind. Kommt hinzu: Früher galt die Schweiz als Hort der Sicherheit und Stabilität. Viele ausländische Firmen kamen in die Schweiz, um hier etwa ihre Europazentrale einzurichten. Die Anzahl solcher Ansiedelungen hat in den letzten beiden Jahren abgenommen – auch wegen der zunehmenden Verunsicherung aufgrund der Vielzahl an neuen Gesetzen und Initiativen.

Vor allem kleinere Privatbanken und Regionalbanken stehen stark unter Kosten- und Margendruck. Wie sehen Sie die Bankenlandschaft in Zukunft?

Gähwiler: Bei Banken, die vor allem mit Schweizer Kunden geschäften, haben wir schon eine relativ hohe Konzentration: Die beiden Grossbanken, Raiffeisen, die Kantonalbanken, Migrosbank und Bank Coop zusammen haben einen Marktanteil von über 90 Prozent. Unter den kleineren Regionalbanken kommt es sicher zu weiteren Zusammenschlüssen oder Übernahmen durch eine grössere Bank. Aber das sind Arrondierungen, die es früher schon gegeben hat. Dagegen stehen wir bei den Privatbanken erst am Anfang einer grossen Konsolidierungswelle, vor allem bei jenen, welche die grenzüberschreitende Vermögensverwaltung als Geschäftsmodell haben. Denn die Verwaltung unversteuerter Gelder ist kein Geschäftsmodell mehr.

Industrie und Handwerk beklagen einen Mangel an Fachkräften und geeigneten Kandidaten zur Besetzung von Lehrstellen. Wie ist die Lage in der Finanzbranche?

Gähwiler: Sehr ähnlich. Auch wir haben in gewissen Regionen und Bereichen Mühe, geeignete Lehrlinge und Nachwuchskräfte zu finden. Die ganze Schweiz läuft in einen akuten Mangel an Arbeitskräften hinein.

Was tut die UBS dagegen?

Gähwiler: Wir investieren sehr viel in die Aus- und Weiterbildung. Die UBS hat 1800 Ausbildungsplätze, und wir versuchen, die jungen Berufsleute dann wenn immer möglich zu übernehmen. Generell müssen wir das Potenzial inländischer Arbeitskräfte besser nutzen.

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