Das Virus frisst Huber + Suhner Umsatz weg

Wegen der Corona-Krise erleidet der Technologiekonzern Huber + Suhner Verkaufseinbussen. Auch die Frankenstärke schmerzt das Herisauer Unternehmen.

Thomas Griesser Kym
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Mit Kabeln ist Huber + Suhner bei vielen Bahnherstellern dick im Geschäft.

Mit Kabeln ist Huber + Suhner bei vielen Bahnherstellern dick im Geschäft.

Bild: Reto Martin

Im laufenden ersten Quartal fehlen dem Technologiekonzern Huber + Suhner 30 Millionen Franken an Umsatz. Dies wegen der Folgen des Corona-Virus in China. Je die Hälfte des Umsatzverlusts entfallen auf Geschäfte in China selber und auf globale Minderverkäufe wegen der Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten. Diese geschätzten Zahlen nannte Konzernchef Urs Ryffel gestern an der Bilanzpressekonferenz. Die Risiken dauern unterdessen an. Wie Ryffel sagte, erschweren in China Einschränkungen des Personenverkehrs Frachtbewegungen zwischen Provinzen, Containerhäfen kämpfen mit Engpässen in der Logistik, und Luftfrachtsendungen leiden unter der Annullation von Flügen.

Die Wichtigkeit Chinas für Huber + Suhner dokumentiert Ryffel anhand folgender Eckwerte: In Nordasien erarbeitet das Unternehmen 15 Prozent des Konzernumsatzes oder die Hälfte des Umsatzes in ganz Asien. Huber + Suhner beschäftigt in China rund 1000 Mitarbeitende, die meisten in einer Fabrik in Changzhou, die übrigen dezentral in der Vertriebsorganisation. Laut Ryffel wird in Bürojobs in China im Home-Office gearbeitet, und seit dem Ende des behördlich um eine Woche bis 10. Februar verlängerten Chinesischen Neujahrs sind aktuell 92 Prozent der Mitarbeitenden im Einsatz. Bis Monatsende erwartet Ryffel 100 Prozent an der Arbeit, vorausgesetzt Huber + Suhner bleibt in China von Corona-Erkrankungen verschont.

Der starke Franken als Spielverderber

Nicht nur das Corona-Virus macht Huber + Suhner zu schaffen. Hinzu kommt die neue Frankenstärke. Finanzchef Ivo Wechsler hat eine Modellrechnung erstellt. Berechnet man die letztjährigen Resultate zu Wechselkursen von Anfang dieses Monats, hätte Huber + Suhner 2019 in Franken 53 Millionen oder 6,4 Prozent weniger Umsatz verbucht und 13 Millionen oder 16 Prozent weniger Betriebsergebnis. Die operative Marge hätte statt 9,7 Prozent lediglich 8,7 Prozent betragen.

Weniger Bestellungen als Wermutstropfen

in Mio. Franken 2018 2019 Veränderung in %
Auftragseingang 915 801 -12.5
Umsatz 885 831 -6.1
Betriebsergebnis 83 81 -2.4
Konzerngewinn 61 63 +2,3
Mitarbeiter 4576 4823 +5,4

Ferner ist Huber + Suhner mit Sitz in Herisau verhalten ins neue Jahr gestartet, weil 2019 der Auftragseingang um 12,5 Prozent schrumpfte. Das war hingegen erwartet worden, weil einerseits ein 4G-Mobilfunkprojekt in Indien in Kooperation mit Samsung allmählich ausläuft und weil andererseits Chinas Bahnmarkt schwächelt. Beides hat die Nachfrage nach Kabeln, Steckern, Antennen usw. von Huber + Suhner gedämpft.

Der Chef hat seinen Optimismus behalten

Ryffel zeigt sich dennoch zuversichtlich: Einerseits steht der Roll-out der nächsten Mobilfunkgeneration 5G an, wobei Huber + Suhner aus einer «sehr starken Position» starte, zweitens erwartet er, dass der chinesische Bahnmarkt bald wieder Fahrt aufnimmt, vor allem auch bei Hochgeschwindigkeitszügen. Drittens laufen Segmente wie Luft- und Raumfahrt, Wehrtechnik sowie Prüf- und Messtechnik rund. Voran kommt man auch mit Verkäufen von Hochvoltkabeln für Elektrofahrzeuge und Systemen für Schnellladestationen. Um mit Innovationen technologisch an der Spitze zu bleiben, hat der Konzern die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung vergangenes Jahr um 5 Millionen oder 15 Prozent auf gut 42 Millionen Franken erhöht.

Eine Umsatzprognose für 2020 gibt Ryffel noch nicht ab. Die operative Marge will man aber im mittelfristigen Zielband von 8 bis 10 Prozent halten. Den Aktionären wird eine Dividende von 1.60 Franken pro Aktie vorgeschlagen, 10 Rappen mehr als vor einem Jahr. In der Schweiz ist der Personalbestand mit 1256 (im Vorjahr 1261) Mitarbeitenden praktisch stabil geblieben.

Huber + Suhner schafft Durchbruch in Elektrofahrzeugen

Der Verbindungstechnikkonzern mit Sitz in Herisau und Pfäffikon ZH wird Lieferant von Geely. Dieser ist der führende chinesische Elektrofahrzeughersteller und einer der grössten privaten Autobauer Chinas.
Thomas Griesser Kym