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UBS-Jahresabschluss: Reaktion der Börse ist ein Fanal

UBS-Chef Sergio Ermotti glaubt, der Markt verkenne die Arbeit der UBS in den letzten Jahren. Doch das Problem liegt tiefer.
Daniel Zulauf
Der UBS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz. Bild: Melanie Duchene/Keystone (Zürich, 7. Januar 2019)

Der UBS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz.
Bild: Melanie Duchene/Keystone (Zürich, 7. Januar 2019)

UBS-Chef Sergio Ermotti hadert schon seit längerem mit der Börse. Die Vorlage der Jahreszahlen am vergangenen Dienstag gab ihm erneut Grund dazu. Das diversifizierte Geschäftsmodell habe sich 2018 «einmal mehr» bewährt und der Bank insbesondere im turbulenten Schlussquartal die Erzielung einer «soliden Performance» erlaubt, befand der CEO. Dennoch schickten die Investoren die Aktien umgehend auf Talfahrt. Der Markt verkenne die Arbeit, die mit der strategischen Neuausrichtung der Bank seit sechs Jahren geleistet werde, moniert Ermotti immer wieder bei seinen öffentlichen Auftritten.

Seine Frustration ist nachvollziehbar. Die grösste Schweizer Bank hat sich seit seiner Ankunft an der Spitze im November 2011 stark verändert. Im Zentrum steht das ertragsstabile Vermögensverwaltungsgeschäft mit seiner betuchten Klientel aus aller Welt. Auch das heimische Privat- und Firmenkundengeschäft hat eine deutliche Aufwertung erfahren. Ermotti betont den Erfolg dieser Strategie: Seit 2014 habe die UBS kumulierte Gewinne von 19 Milliarden Franken eingefahren und dabei enorme ausserordentliche Kosten absorbiert. Im Rahmen des Prozesses zur Bereinigung von Altlasten habe man Rückstellungen für Rechtsrisiken im Wert von 5,4 Milliarden Franken gebildet und für die Erfüllung erhöhter regulatorischer Anforderungen 3,5 Milliarden Franken ausgelegt. Trotzdem kostet eine UBS-Aktie an der Börse immer noch weniger als das zugrunde liegende Eigenkapital. Dies bedeutet nichts anderes, als dass sich die Investoren vom Kauf einer UBS-Aktie keinen Mehrwert versprechen. Ermotti sagt dazu: «Unsere Ziele werden im Markt entweder nicht verstanden, oder wir haben sie nicht gut genug erklärt.»

Missverständnisse entstehen zwar per Definition aus Kommunikationsfehlern. Aber der Grund für eine Wahrnehmungsdifferenz muss kein Missverständnis sein. Gerade der Fall UBS zeigt, dass das Problem tatsächlich tiefer liegt. Im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft reklamiert das Institut immer noch die Weltmarktführerschaft für sich. Und abgesehen von den jüngsten Rückzügen im Dezember fliessen dem Institut Jahr für Jahr enorme Summen an neuen Kundengeldern zu. 2018 waren es fast 25 Milliarden Franken im Jahr davor 45 Milliarden und so weiter.

Doch irgendwo auf dem Weg zum Aktionär gehen diese Grössenvorteile verloren. Das zeigt die Statistik für den ganzen Schweizer Bankenplatz auf eindrückliche Weise. 2007 verwalteten die Banken in der Schweiz Vermögen von einheimischen und ausländischen Kunden im Gesamtwert von knapp 7100 Milliarden Franken. Daraus zogen sie Kommissionseinnahmen von insgesamt 37 Milliarden Franken. 2017 belief sich das verwaltete Vermögen auf insgesamt 7300 Milliarden Franken, aber die Erträge daraus sind auf 22 Milliarden Franken zurückgegangen.

Diese Verschärfung des Wettbewerbs hat vielschichtige Gründe. Offensichtlich sind sie von dauerhafter oder struktureller Natur. In den 1990er-Jahren operierten die Banken zumal in der Schweiz noch in einem weitgehend geschützten Umfeld. Das Bankgeheimnis war hilfreich, aber wichtiger war, dass der Wettbewerb ausschliesslich unter seinesgleichen geführt wurde. Keine Bank machte Anstalten, an jenem Ast zu sägen, auf dem sich alle gut eingerichtet hatten. Mit der Verbreitung des Internets haben sich Anbieter von Bankgeschäften überall auf dem Baum breit gemacht. Die neuen Bewohner folgen ihren eigenen Regeln und respektieren keine reservierten Äste. Grosse und kleine Technologiefirmen buhlen mit preislich überaus attraktiven und benutzerfreundlichen Angeboten um die Gunst der Bankkunden und profitieren dabei von einer Markttransparenz, wie sie in den 1990er-Jahren noch unvorstellbar war.

Noch punkten diese Neulinge vor allem bei den jüngeren Generationen, doch die altersmässige Akzeptanzschwelle bewegt sich allmählich nach oben. Noch geniessen die Banken aufgrund ihrer langen Erfahrung mit Geldgeschäften bei vielen Kunden einen Vertrauensvorschuss. Aber dieser schwindet zusehends dahin. Vor zehn Jahren figurierten UBS und Credit Suisse noch unter den 100 bekanntesten Markennamen der Welt. Vor einigen Jahren haben sie sich still und leise aus dieser Rangliste verabschiedet. Dort stehen nun Firmen wie Google oder Apple zuvorderst. Leistungsversprechen werden über starke Marken transportiert. Die Banken müssten wissen, dass sie hier noch mächtig nachbessern müssen, um in diesem neuen Wettbewerb langfristig bestehen zu können.

Allerdings scheinen in den Finanzmärkten Zweifel darüber zu bestehen, dass diese Erkenntnis wirklich durchgedrungen ist. Die Aktionäre ahnen jedenfalls, dass die Zukunftssicherung der Banken bei unsicheren Erfolgsaussichten noch einen Haufen Geld kosten wird. Deshalb ist Ermottis Rechnung unvollständig und die Reaktion der Börse kein Missverständnis, sondern ein Fanal.

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