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Das Schwinden der Schweizer Milchkühe: Bestand erreicht historischen Tiefpunkt

Die eigene Produktivität wird den Schweizer Milchkühen zum Verhängnis. Deren Bestand erreicht einen neuen Tiefstand. Grund dafür sind Fortschritte in der Zucht und eine gesteigerte Effizienz.
Gabriela Jordan

Schweizer Milchbauern sind wegen des tiefen Milchpreises unter Druck. Einige von ihnen demonstrierten gestern in Emmen für einen transparenten Markt. Vor dem Hauptgebäude des grössten Schweizer Milchverarbeiters Emmi rollten sie einen grünen Teppich aus, der den seit September geltenden Preiszuschlag aus dem Nachhaltigkeitsprogramm «Swissmilk Green» symbolisierte.

Mit diesem erhalten Produzenten zwar 3 Rappen mehr pro Kilo Milch, wenn sie im Gegenzug verschiedene Anforderungen erfüllen. Faktisch werde der neue Richtpreis aber nicht eingehalten, kritisieren sie und fordern eine fairere Verteilung der Wertschöpfung.

Tatsache ist, dass die Anzahl Milchproduzenten seit Jahrzehnten rückläufig ist. In den 1980er-Jahren gab es in der Schweiz noch fast 60 000 Milchbauern, heute sind es noch 20 000. Ebenso sinkt der Bestand an Milchkühen. Vergangenen Juli erreichte er mit rund 533 500 Kühen einen historischen Tiefstand, wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst publik machte. Gleich geblieben ist die produzierte Milchmenge. In den letzten Jahren hat sie sich auf 3,4 Milliarden Kilo pro Jahr stabilisiert.

Fortschritte in der Zucht, besseres Stallmanagement

Weniger Bauern, weniger Kühe, mehr Milch. Wie ist das möglich? Die Antwort ist schlicht und einfach: Für die gleiche Milchmenge werden heute deutlich weniger Kühe benötigt. Während eine Kuh in den 90er-Jahren rund 5000 Liter Milch pro Jahr produzierte, sind es gegenwärtig fast 7000 Liter; das sind etwa 23 Liter Milch pro Tag. Die Hauptursachen sind Fortschritte in der Zucht, verbesserte Fütterung und die gesteigerte Effizienz pro Kuh. Dies bestätigt Reto Burkhardt, Sprecher der Schweizer Milchproduzenten. Laut Burkhardt spielt der hohe Wissensstand der Bauern eine wichtige Rolle: «Landwirte sind heute besser ausgebildet. Weil sie ihren Kühen eine ideale Fütterung und Versorgung bieten, können sie deren Potenzial besser ausschöpfen.»

Nebst dem optimalen Stallmanagement ist die Produktivität der Milchkühe auch von ihrer Genetik abhängig. In den vergangenen Jahren hat hier eine Trendwende stattgefunden: Während früher primär die Milchleistung einer Kuh zählte, wird heute vermehrt auch Wert auf deren Lebensdauer und Robustheit gelegt. «Vor zehn Jahren war die Kuh, die am meisten Milch gab, die Beste», sagt Martin Rust, Vizedirektor vom Zuchtverband Braunvieh Schweiz. «Heute ist man von diesem Prinzip weggekommen. Natürlich wollen Bauern weiterhin eine hohe Milchleistung, genauso wichtig sind aber gesunde, langlebige und fruchtbare Tiere. Diese Eigenschaften reduzieren letztlich die Aufzucht- und Tierarztkosten und sagen mehr über die Rentabilität einer Kuh aus.»

Die Relevanz dieser Eigenschaften habe weltweit an Bedeutung gewonnen, sagt Rust. Sie werden im sogenannten Fitnesswert zusammengefasst, der mit den Leistungsmerkmalen den Gesamtzuchtwert ausmacht. Ein hoher Fitnesswert wird im Übrigen auch im neuen Nachhaltigkeitsprogramm von Swissmilk honoriert. Ein Kriterium des eingeführten Standards ist eine langlebige Kuh. Auch Martin Rust weist dabei auf die Wichtigkeit von Futter und anderen Umwelteinflüssen für die Produktivität von Milchkühen hin.

Experten sagen weiterhin rückläufigen Bestand voraus

Die gesteigerte Effizienz der Milchkühe führt freilich dazu, dass der Schweizer Markt von Milch überschwemmt wird. Der tiefe Milchpreis sorgt seit langem dafür, dass kleine Bauernhöfe ihre Kosten nicht decken können und den Betrieb einstellen. Experten sind sich einig, dass die Zahl der Milchproduzenten und der Milchkühe weiterhin abnehmen wird. Auch Letzteres ist laut Rust hauptsächlich vom Strukturwandel und vom Milchpreis abhängig, und nicht etwa von der längeren Lebensdauer der Kühe: «Ältere Kühe haben irgendwann ihren Zenit erreicht. Da der Fleischmarkt im Gegensatz zum Milchmarkt immer noch sehr gut ist, ist es manchmal rentabler, eine ältere Kuh dann mal zu schlachten.»

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