Das Schloss bleibt im Dorf

Es war keine Schnapsidee, eher eine Weinidee. Eine zum Weinen eben. Vielleicht hatte sich ein amerikanischer Winzer ein Glas zu viel genehmigt.

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Es war keine Schnapsidee, eher eine Weinidee. Eine zum Weinen eben. Vielleicht hatte sich ein amerikanischer Winzer ein Glas zu viel genehmigt. Und sich dabei bereits als Schlossherr gewähnt – wie diesseits des Atlantiks, in den französischen Rebbergen, die so illustre Namen tragen wie Château Margaux oder Château Lafite.

Exakte Regeln im Weinbau

Die USA sind leider zu jung für eigene Schlösser, das heisst Châteaux. Aber das lässt sich ändern. Nicht das Alter, aber das Château. Seit Jahren drängten die US-Winzer darauf, «Château», die Bezeichnung der Bordeaux- und weniger anderer Weingüter in Europa, übernehmen zu können. Die EU wäre an sich dazu bereit gewesen, wenn sie dafür eigene Tischweine billig in die USA exportieren könnte. Nicht so aber Frankreich, wo die allermeisten Châteaux-Weine herkommen. Allein deren 7400 liegen im Bordeaux-Gebiet. Um eigentliche Schlösser, die über die umliegenden Rebberge wachen, handelt es sich mitnichten: «Château» heisst im Bordelais heute kaum mehr als Weingebiet. Doch mit genauen Regeln. Die wichtigste sagt, dass nur Trauben vom Standort selber verwendet werden dürfen.

Das sollte sich eigentlich von selbst verstehen. In den USA werden die Trauben aber meist aus mehreren Weingebieten zusammengetragen, obwohl dann auf der betreffenden Flasche ein einziger Domain-Name steht.

«Betrug an Konsumenten»

Genau diesen Umstand nutzten nun die französischen Winzer: Sie klärten die US-Winzer auf, ein Schloss lasse sich nicht auf mehrere Parzellen verteilen – hier ein Turm, dort der Burggraben, im dritten Weingebiet die Zugbrücke.

Der Verband der grossen Bordeaux-Weine (FGVB), der Wert auf den Zusatz «gross» legt, präsentierte zudem ein Memorandum, das beweist, warum ein Château kein Luftschloss ist, das sich einfach per Frachtflugzeug von Bordeaux ins Nappa Valley verpflanzen liesse und dass ein «Château» à l'américaine nichts weniger wäre als «Betrug an den Konsumenten».

Still und leise begraben

Das beeindruckte auch die Freihandels-Unterhändler: Diese Woche beschloss das leitende Komitee für die gemeinsame Organisation der Agrarmärkte in Brüssel in aller Diskretion, das Traktandum Château-Umzug über den Atlantik nicht zu traktandieren. Das Schloss bleibt im Dorf, die französischen Winzer können weiter darauf anstossen. Die Amerikaner können ihre Weingebiet ja «Castle» nennen. Stefan Brändle/Paris