Das Schlimmste kommt noch

Die Aktie von Facebook rutscht weiter ab. Seit dem Börsengang vor einem Vierteljahr hat sich der Wert des sozialen Netzwerks halbiert. Ohne rasche Lösungen drohen bald fatale Folgen.

John Dyer
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Immer mehr Konsumenten nutzen Facebook auf mobilen Geräten wie Smartphones. (Bild: Urs Jaudas)

Immer mehr Konsumenten nutzen Facebook auf mobilen Geräten wie Smartphones. (Bild: Urs Jaudas)

BOSTON. Der Abwärtstrend der Facebook-Aktie gewinnt an Fahrt. Vorausgegangen war am Donnerstag das Ablaufen einer Sperrfrist. Seither dürfen einige der ersten Investoren des Unternehmens ihre Aktien verkaufen. Mit dem erneuten Kursrutsch ist die Euphorie um den Börsengang im Mai endgültig verflogen. Seinerzeit wurde Facebook mit 104 Mrd. $ bewertet. Heute ist es noch etwa die Hälfte. Die Skeptiker, die bereits vor dem Rummel um den Börsengang warnten, fühlen sich bestätigt. Bisher ist es Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nicht gelungen, ein plausibles Wachstumskonzept vorzulegen. Auch für den Einsatz auf mobilen Geräten fehlt es an Lösungen (siehe Kasten). «Bevor die Werbeeinnahmen nicht steigen, wird die Aktie bestimmt nicht zulegen», sagt Steve Birenberg, Präsident von Northlake Capital Management. «Und vor diesem Zeitpunkt würde ich auch keine Papiere kaufen.»

Nächste Verkaufswelle in Sicht?

Ob und wie viele Anleger der ersten Stunde ihre Aktien verkaufen wollen, ist noch unklar. Ihnen steht eine Frist von drei Tagen zur Verfügung, in der sie sich erklären müssen. Es wird damit gerechnet, dass die Börsenaufsicht die eventuellen Verkäufe kommende Woche bekanntgibt. Aber selbst falls Facebook noch einmal mit einem blauen Auge davonkommt, könnte bald die nächste Verkaufswelle bevorstehen: Im November endet eine weitere Sperrfrist. Dadurch könnten 1,22 Mrd. Aktien auf den Markt gespült werden, 2013 folgen Millionen weitere. Bereits im November sollen 280mal so viele Facebook-Papiere auf dem Markt sein wie noch im Mai. «Das ist ein Problem», sagt Scott Sweet von der Beratungsfirma IPO Boutique. «Wären es nur wenige Aktien, müsste sich niemand gross darum kümmern, aber so sieht die Sache anders aus. Facebook muss sich etwas einfallen lassen, um negative Folgen zu vermeiden.»

Anleger warten ab

Ein Verkauf von Aktien durch die ersten Anleger könnte zudem ein negatives Signal aussenden. Viele von ihnen haben für relativ wenig Geld in das Unternehmen investiert. Trotz der jüngsten Verluste würden sie bei einem Verkauf immer noch enorme Gewinne erzielen. Einigen könnte der Zeitpunkt richtig erscheinen. So zum Beispiel dem in Frankfurt geborenen Geschäftsleitungsmitglied Peter Thiel. Der Mitgründer des Bezahldienstes PayPal investierte kurz nach Facebooks Gründung 2004 eine halbe Million Dollar in das soziale Netzwerk. Am Tag des Börsengangs verkaufte er 16,8 Mio. Aktien für 640 Mio. $. In Thiels Besitz befinden sich immer noch 28 Mio. Aktien im Wert von 560 Mio. $. Das Finanzunternehmen Accel Partners investierte ein Jahr nach Thiel 12,7 Mio. $. Accels 144 Mio. Aktien sind aktuell 2,9 Mrd. $ wert. «Viele Leute haben einfach auf den richtigen Zeitpunkt gewartet», sagt Börsenexperte Sam Hamadeh. «Schliesslich wurde der Börsengang schon seit Jahren erwartet.»

Ebenfalls für einen Verkauf einer Reihe von Investoren spricht das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Facebook von derzeit 41. Google liegt bei 20, Microsoft bei 15 und Apple bei 14. Facebook-Anleger müssten sich also auf eine relativ lange Wartezeit einrichten, bis sich ihre Investition lohnen wird.