Das Schlimmste abgewendet

Arbeitsplätze Die St. Galler Niederlassung des Weltkonzerns Eaton ist auf Herz und Nieren überprüft worden. Das Verfahren hat ergeben, dass der Standort nicht geschlossen wird, sondern wachsen soll.

Ruth Frischknecht
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Der Schock war gross bei den Angestellten der Firma Eaton Automation GmbH in St. Gallen, als sie darüber informiert wurden, dass ihr Standort vom Konzern mit Hauptsitz in Dublin genaustens überprüft wird. Würden sie alle ihren Arbeitsplatz verlieren und der Standort St. Gallen des weltweit tätigen Konzerns geschlossen? Nun ist klar: Alle Mitarbeiter am Standort sowie die 25 direkt betroffenen Mitarbeiter aus der Entwicklung werden ihren Job behalten. Der Eaton-Konzern hat die Überprüfung abgeschlossen, ohne Entlassungen, ohne Schliessung. Im Gegenteil: Eaton verkündete, das St. Galler Technologiezentrum künftig stärken und ausbauen zu wollen.

«Ja, wir wollen hier wachsen und haben bereits mit dem Ausbau zum Innovation- und Solution-Center begonnen», bestätigt der für die St. Galler Niederlassung zuständige Geschäftsführer Christian Zingg. Er selbst sei davon überzeugt gewesen, dass der Standort nicht in Gefahr sei. «Wir entwickeln hier innovative Produkte, die in Automatisierungslösungen mit Produkten der in Bonn ansässigen Eaton Industrial Control & Protection Division bei Maschinenbauern weltweit eingesetzt werden.»

In einem weltweit tätigen Grosskonzern seien regelmässige Überprüfungen der Struktur normal und wichtig. «Ausserdem rüttelt ein solches Verfahren auf und es löst eine Aufbruchstimmung aus. Wir sagen uns: jetzt erst recht!», gewinnt Zingg dem Verfahren etwas Positives ab. Bei den Angestellten sei der Vorgang auf Unverständnis gestossen. «Sie wissen, dass sie wichtige, erfolgreiche Produkte entwickeln und einen guten Job machen. Deshalb kam die Nachricht für sie ziemlich unerwartet.» Für den positiven Entscheid ausschlaggebend war, nebst des grossen Fachwissens und der Kundenbeziehungen, die grosse Innovationskraft des Technologiezentrums.

150 Maschinenbauer werden von St. Gallen aus betreut

So sind beispielsweise über 400 000 Touch-Displays der St. Galler Ingenieure weltweit im Einsatz. «Die Touch-Displays sind für viele unserer Kunden die Visitenkarte ihrer Maschine und helfen komplexe Prozesse und Abläufe einfach bedienbar zu machen», sagt Zingg. Ausserdem betreut die St. Galler Eaton-Niederlassung rund 150 Maschinenbauer und damit rund 100 000 Kunden aus Segmenten wie Verpackung, Holz, Lebensmittel und Automobil. Etwa drei Viertel der Kunden sind in den Nachbarländern der Schweiz tätig. Entwickelt werden hauptsächlich Steuerungen, Touch-Displays und Softwarelösungen für die industrielle Automation. Entstanden ist das Technologiezentrum im Osten der Stadt St. Gallen vor 30 Jahren. 1984 bis 1987 hat es Grossenbacher Elektronik aufgebaut. Ab 1996 haben verschiedene Holdings ins Zentrum investiert. Seit 2009 ist es Bestandteil des Eaton-Konzerns, der mit 97 000 Mitarbeitern und Kunden in mehr als 175 Ländern einen Umsatz von 20 Mrd. $ erzielt. Die eigene Produktion hat das St. Galler Technologiezentrum 2005 aufgegeben und an die Grossenbacher Systeme AG ausgelagert. Heute werden die St. Galler Produkte bei mehreren Elektronik-Produzenten im EU-Raum hergestellt. Zingg ist überzeugt, dass die Synergien im Eaton-Konzern den künftigen Ausbau des Technologiezentrums prägen werden: «Wir können unsere Produkte und Lösungen in der Automatisierung so in der ganzen Welt vertreiben und die Vorgaben in den globalen Märkten, was beispielsweise Vertrieb, Kundensupport, Zertifizierung oder Zulassung angeht, erfüllen.» In St. Gallen könnten sich die Fachleute auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. «Ich glaube, die Zukunft für Eaton im Technologiezentrum St. Gallen, und generell für die Schweizer Industrie, liegt in der Innovationskraft, der hohen Automatisierung in der Industrie, der Flexibilität und Individualität, den Schweizer Bildungssystemen und Arbeitseffektivität sowie der intensiven Kundennähe zu Maschinenbauern auf Entwicklungs und Applikationsebene. Hier zeigt die Schweizer Industrie ihre wahre Stärke», sagt Zingg.