Das Produkt in der Tasse zählt

Seit 80 Jahren stellt die Aequator AG aus Arbon Heissgetränke-Automaten her. Die Oberthurgauer gehören zu den Pionieren der Branche. Auch gegenwärtig haben sie auf diesem umkämpften Markt eine starke Position inne.

Christof Lampart
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Eine Kaffeemaschine entsteht: Bei der Aequator AG erfolgen alle Arbeitsschritte im eigenen Betrieb. (Bild: Christof Lampart)

Eine Kaffeemaschine entsteht: Bei der Aequator AG erfolgen alle Arbeitsschritte im eigenen Betrieb. (Bild: Christof Lampart)

ARBON. Der CEO der Aequator AG, Marcel Lendenmann, ist ein absoluter Kaffeeliebhaber. Wer mit ihm über Kaffeebohnen spricht, merkt schnell, dass das Getränk für ihn nicht einfach eine Ware, sondern ein Kulturgut darstellt. Wer so spricht, der geht bei der Kaffeezubereitung keinerlei Kompromisse ein. «Ich möchte, dass wir unseren Kunden nicht nur einen guten Vollautomaten liefern und ihn entsprechend warten, sondern dass wir ihm auch zugleich genau sagen können, was einen guten Kaffee überhaupt ausmacht.»

Den Kaffeegenuss optimieren

Da nimmt es Marcel Lendenmann, welcher ansonsten ganz locker die 50köpfige Belegschaft duzt, ganz genau. «Der Wasserdruck muss neuneinhalb Bar betragen und die Wassertemperatur dem Getränk angepasst sein.» So darf ein Café Crème nur zwischen 82 und 87 Grad warm sein, ein Espresso muss zwischen 92 Grad und 95 Grad je nach Bohne aufweisen. Kommt Milch hinzu, so sollte der Kenner der mit dem Wärmeverlust verbundenen Genussminderung vorbeugen, indem er die Tasse zuvor aufwärmt. Das sind alles Dinge, welche die Aequator-Heissgetränke-Maschinen können müssen. Doch das ist für Lendenmann noch lange nicht das Ende der Fahnenstange in Sachen Dienstleistung. «Unsere guten Maschinen alleine genügen nicht. Vielmehr wollen wir unseren Kunden auch zeigen, was sie selbst dazu beitragen können, um den Kaffeegenuss zu optimieren. Denn die Maschine ist nur das eine. Was wirklich zählt, ist das Produkt in der Tasse», sagt Lendenmann.

Bis 5000 Maschinen pro Jahr

Bei so viel Enthusiasmus verwundert es nicht, dass der gelernte Elektriker und ehemalige Torhüter des FC St. Gallen mittlerweile auch die Ausbildung zum Barista absolviert hat. Denn er weiss, «dass wir so beim Kunden ein ganzes Stück glaubwürdiger sind, als wenn wir nur als Verkäufer auftreten.» Verkauft Aequator jährlich zwischen 4000 und 5000 Vollautomaten, so ist dies für das klassische KMU ein gutes Jahr. Auch mit dem Geschäftsjahr 2011, als ein Umsatz von rund 13 Millionen Franken erzielt wurde, war Lendenmann zufrieden.

Vier Grundtypen

Aus vier Grundtypen stellen die Arboner mehrere, ganz auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnittene Vollautomaten her. Dabei wird Flexibilität bei Aequator in sämtlichen Belangen grossgeschrieben. Liegt doch hier genau ein grosser Vorteil gegenüber der teilweise viel grösseren Konkurrenz. «Sie können schon ab 150 Maschinen mit uns über die Farbe oder eine andere Verkleidung, welche den Kundenwünschen exakt entspricht, reden», umschreibt Lendenmann einen wesentlichen Vorteil von Aequator. Ebenso wichtig sei aber die grundlegende Firmenphilosophie, dass alle Produktionsschritte und Dienstleistungen im Haus erstellt beziehungsweise erbracht werden. Von der ersten Ideenskizze bis hin zum Anbringen der letzten Schraube passiert also alles an der St. Gallerstrasse 229. Somit ist auch gewährleistet, dass man bei einer etwaigen Reklamation die Fertigung lückenlos zurückverfolgen kann.

Harte Zeit

Vor gut drei Jahren, so im Zeitraum 2009/2010, musste das innovative Unternehmen jedoch eine harte Zeit durchmachen. Aufgrund positiver Vertragsabschlüsse und Aussichten baute Aequator seine Kapazitäten durch einen Anbau massiv aus. Als die Bestellungen ausblieben, musste das Unternehmen auf einmal Kurzarbeit einführen. «Das war alles andere als schön, aber diese Zeit ist nun ausgestanden», sagt Marcel Lendenmann. Entlassungen mussten jedoch fast keine ausgesprochen werden.

Krise überbrückt

Denn im Wissen, dass es äusserst schwer werden dürfte, bei einem Aufschwung das passende Personal wieder rekrutieren zu können, überbrückte man die Krise erfolgreich, indem man das Personal noch in anderen Qualifikationen schulte. «Somit können wir jetzt flexibler reagieren, falls mal eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter wegen Krankheit oder Ferien nicht anwesend ist», so Lendenmann. Flexibilität scheint also ein gelebtes Motto im Firmenleben der Aequator AG zu sein. Nur beim Resultat in der Tasse und in der Produktqualität gibt es keine Kompromisse.