Das Phantom hinter Lidl

Er zeigt sich nicht gerne in der Öffentlichkeit. Bis vor einem Jahr gab es gerade einmal ein Foto von Lidl-Patron Dieter Schwarz. Es war bereits gegen 30 Jahre alt. Letztes Jahr tauchte dann zwar ein zweites, neueres Bild auf, das jedoch nicht frei verfügbar ist.

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Gibt keine Interviews und lässt sich nicht fotografieren: Lidl-Gründer und Milliardär Dieter Schwarz. (Bild : ky/Montage: wvb)

Gibt keine Interviews und lässt sich nicht fotografieren: Lidl-Gründer und Milliardär Dieter Schwarz. (Bild : ky/Montage: wvb)

Er zeigt sich nicht gerne in der Öffentlichkeit. Bis vor einem Jahr gab es gerade einmal ein Foto von Lidl-Patron Dieter Schwarz. Es war bereits gegen 30 Jahre alt. Letztes Jahr tauchte dann zwar ein zweites, neueres Bild auf, das jedoch nicht frei verfügbar ist. Die Frisur hat sich nicht geändert, nur sind die Haare heute grau. Die Informationen über den Lidl-Patron sind spärlich: Jahrgang 1939, geboren in Heilbronn, verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Schwarz' Vater handelte mit Südfrüchten und entwickelte die Firma Lidl & Schwarz zu einem Lebensmittel-Grosshändler weiter. 1973 eröffnete Dieter Schwarz die erste Lidl-Filiale in Ludwigshafen und legte den Grundstein für eine Discount-Erfolgsgeschichte. Heute setzt seine Firmengruppe europaweit 68 Milliarden Franken um. Schwarz ist laut «Manager-Magazin» der viertreichste Deutsche. Sein Vermögen wird auf elf Milliarden Euro geschätzt.

«Die ganze Stadt hält dicht»

Über die Gründe der Öffentlichkeitsscheu des Lidl-Patrons wurde in den Medien seit jeher munter gerätselt. Die einen sagen, der steinreiche Deutsche wolle seine Familie schützen. Aus diesem Grund sei er übrigens auch nicht persönlich erschienen, als er 2007 zum Ehrenbürger von Heilbronn ernannt wurde. In seiner Geburtsstadt zeigt sich Schwarz als Mäzen. So unterstützt die Dieter-Schwarz-Stiftung Schulen und die Kultur, saniert beispielsweise einsturzgefährdete Türme. Die Stiftung finanziert sich «aus Ausschüttungen der Unternehmen Lidl-Stiftung und Kaufland-Stiftung». Man hört auch, dass der Chef der Schwarz-Gruppe halt einfach ein zurückhaltender Mensch sei. Eine Journalistin der «Süddeutschen Zeitung», die am Unternehmenshauptsitz in Neckarsulm und in Heilbronn auf Spurensuche war, stellte fest: «Die ganze Stadt hält dicht, legt sich mit sanfter schwäbischer Sturheit um ihren Helden herum, ein Kokon aus Regionalstolz.»

Seine Mission: Aldi überholen

Mit seiner Zurückhaltung verleitet Schwarz zu Spekulationen – und zu Kritik. Denn was für Schwarz gilt, gilt auch für Lidl. Bis im Jahr 2004 war die Öffentlichkeitsarbeit bei Lidl inexistent, seither beschränkt sie sich aufs Nötigste. Die Lidl-Niederlassungen seien aufgeteilt worden, um die Publizitätspflicht zu umgehen, heisst es. Lidl ist eingebettet in ein komplexes Geflecht aus Stiftungen und Einzelgesellschaften. Aufsichtsratsvorsitzender der Lidl- und der Kaufland- Stiftung ist Klaus Gehrig. Ihn hat man wenigstens schon einmal in einer deutschen Talkshow gesehen – zu Zeiten der Spionagevorwürfe, also dann, als es gar nicht mehr anders ging. Schwarz hat sich vor zehn Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, soll aber immer noch das uneingeschränkte Vetorecht haben. Was ihn seit all den Jahren antreibt? Spekulationen zufolge verfolgt Schwarz mit Besessenheit ein ganz grosses Ziel: Aldi zu überholen. (du)

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