«Das öffnet uns neue Märkte»

Peter Spuhler, Inhaber von Stadler Rail, zur Bedeutung des Neat-Auftrags für sein Unternehmen und über den Geschäftsgang nach den Einbussen durch die EU-Schuldenkrise.

Richard Clavadetscher
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SBB-Chef Andreas Meyer (links) und Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler bei der Vertragsunterzeichnung gestern in Zürich. (Bild: ky/Walter Bieri)

SBB-Chef Andreas Meyer (links) und Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler bei der Vertragsunterzeichnung gestern in Zürich. (Bild: ky/Walter Bieri)

Herr Spuhler, die SBB dürfen den Bau von 29 Neat-Zügen an Stadler Rail vergeben. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. In welchen Werken werden Sie die Züge denn bauen?

Peter Spuhler: Wir werden in Bussnang bauen, die Drehgestelle in Winterthur. Die Wertschöpfung in der Schweiz unter Einbezug aller Zulieferbetriebe wird zwischen 75 und 80 Prozent betragen.

Hatten Sie denn überhaupt Zweifel, dass der Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts so ausfällt, wie er jetzt ausgefallen ist?

Spuhler: Wir sind in diesem Verfahren ja nicht Partei, sondern sozusagen nur im Seitenwagen dabei. Der Rekurs richtet sich ja gegen die Vergabe der SBB. Wir haben aber Kenntnis von allen Unterlagen, und wir konnten unsere Argumente indirekt einspeisen. Nun hat die SBB dem Bundesverwaltungsgericht nicht weniger als 100 000 Seiten abgegeben.

Das ist nicht wenig Papier...

Spuhler: Ja, da habe ich mir natürlich schon überlegt, wie das gehen könnte: Da sitzt der Richter mit diesen 100 000 Seiten auf dem Pult – und muss über die aufschiebende Wirkung entscheiden… Das war das Restrisiko. Was die Argumente Talgos betrifft, so waren sie sowohl formell als auch materiell aus meiner Sicht eher dünn.

Durch das Gerichtsverfahren habe sich das Projekt um einige Monate verzögert, schreiben die SBB. Die möglichen Auswirkungen auf den ab 2019 geplanten Einsatz der Züge würden mit Stadler Rail nun abgeklärt. Ist der Rückstand aufzuholen?

Spuhler: Wir haben in unserer Meilensteinplanung alle Termine in Wochen – immer ab Vertragsunterzeichnung.

Was bedeutet der Auftrag denn für die Beschäftigung in Ihren Werken?

Spuhler: Das ist selbstverständlich ein ganz wichtiger Auftrag. Wir sind jetzt in einem neuen Marktsegment, nämlich im High-Speed-Bereich bis 250 Kilometer pro Stunde. Bisher waren wir im Bereich bis 200 Kilometer pro Stunde tätig. Der Auftrag ist also nicht nur gut für die Auslastung, er öffnet uns auch neue Märkte. Wir hoffen natürlich, mit unserem Hochgeschwindigkeitskonzept genauso erfolgreich zu sein wie mit dem Flirt, wo wir 1018 Triebzüge in 15 Ländern verkaufen konnten.

Wird der Auftrag auch Auswirkungen auf den Personalbestand des Unternehmens haben?

Spuhler: Da möchte ich nicht spekulieren. In erster Linie geht es nun darum, unsere 3000 Mitarbeiter in der Schweiz nachhaltig zu beschäftigen.

Wie läuft das Geschäft von Stadler Rail denn inzwischen ganz allgemein?

Spuhler: Sie erinnern sich, dass wir den Taucher hatten zurzeit der EU-Schuldenkrise in den Jahren 2011/2012, mit ihren Währungsverwerfungen. Da hatten wir einen Absturz bei den Auftragseingängen. Wir konnten das 2013/2014 kompensieren. Letztes Jahr waren wir bei einem Auftragseingang von rund 2,6 Milliarden Franken, dieses Jahr könnten wir die Drei-Milliarden-Grenze knacken. Wir sind also wieder im Steigflug. Aber die erwähnten zwei Jahre, wo wir auf rund 700 Millionen abstürzten, haben natürlich nach wie vor gewisse Auswirkungen.

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