«Das Kühlregal ist Kampfzone»

TÄGERWILEN. Unter dem Dach der Thurella haben die Töchter Biotta und Gesa sowie die Marke Traktor ihre Positionen am Markt weiter ausgebaut. Der Umsatz ist um 9% gestiegen. Das Geschäftsjahr 2014 konnte mit Gewinn abgeschlossen werden.

Stefan Borkert
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Geschäftsführer Clemens Rüttimann hat die finanzielle Sanierung der Thurella AG abschliessen können. Biotta war und ist der Schlüssel zum Erfolg. (Bild: Reto Martin)

Geschäftsführer Clemens Rüttimann hat die finanzielle Sanierung der Thurella AG abschliessen können. Biotta war und ist der Schlüssel zum Erfolg. (Bild: Reto Martin)

Das Jahr 2014 war für die Thurella AG ein ungewöhnliches Jahr. Das Mostereigeschäft in Egnach inklusive Lagerbeständen ist an die Firma Möhl gegangen. Die Liegenschaft wird möglicherweise Teil des geplanten neuen Dorfzentrums. Noch befindet man sich aber in der Projektphase. Der politische Prozess hat erst begonnen. Da gilt es noch einige Hürden zu nehmen.

Gesunde Finanzen

Die finanzielle Sanierung der Thurella AG ist hingegen abgeschlossen. Der Turnaround geschafft. «Nach vier Jahren konnte mit der Rückzahlung von rund 17 Mio. Fr. Restschulden für die Wandelanleihe im Sommer 2014 die Sanierung zügig abgeschlossen werden», sagt Geschäftsführer Clemens Rüttimann. «Um der aktuellen Grösse Rechnung zu tragen und Komplexität zu reduzieren, ist auch der Wechsel der Thurella AG von der Berner Börse zur Plattform der Berner Kantonalbank per Ende Juli 2014 vollzogen worden.» Zur Zukunftssicherung des Biotta-Standortes in Tägerwilen sei das bisher gepachtete Grundstück Ende letzten Jahres gekauft worden. Somit habe man gute Voraussetzungen, um das Geschäft weiter auszubauen. Denn auch wenn Thurella selbst nicht mehr operativ tätig ist, so bringen deren Töchter Biotta, die Marke Traktor und die deutsche Gemüsesaftspezialistin Gesa das Unternehmen voran.

Thurella habe sich zum Naturgetränke-Spezialisten entwickelt, sagt Rüttimann. 2014 wurde mit den Biotta-Säften, den Traktor-Smoothies und Gesa-Gemüsesaft-Halbfabrikaten ein Wachstum von 9% generiert. Der Umsatz stieg von 28 Mio. Fr. auf 30,5 Mio. Fr. an. Somit erzielte Thurella unter dem Strich einen Gewinn von 2,8 Mio. Franken. «Die im letzten Jahr wieder aufgenommene Zahlung einer Dividende wird fortgesetzt», sagt Rüttimann.

Der geschäftliche Erfolg hat auch den Wert der Thurella-Aktien steigen lassen. Von Anfang 2014 noch 69 Fr. stieg der Kurs am Ende des Jahres auf 90 Fr. an. Zwar halten 11 Aktionäre den Grossteil der Aktien. Es verbleiben aber 821 Aktionäre, die zum Teil nur wenige Titel halten. Man habe Interesse an einem Aufkauf, sagt Finanzchef Markus Gschwandtner. Etwa 100 Aktionäre seien dazu schon bereit gewesen. Das Thurella-Aktionariat besteht zum grossen Teil aus Obstbauern. Deren Genossenschaftsscheine sind 2002 bei der Transformation in eine AG in Aktien umgewandelt worden. In der Branche werden der Geschäftserfolg und die Sanierung der Thurella aufmerksam verfolgt. Geschäftsführer Rüttimann unterdessen blickt nach vorne und stellt den Geschäftserfolg in den Vordergrund. Er sieht die Töchter Biotta und Gesa sowie die Marke Traktor gut positioniert. Die Neuausrichtung ist eine Erfolgsgeschichte. Wobei Rüttimann betont, dass das klassische Biotta-Geschäft immer noch ein starker Pfeiler ist und trotz Einführung von PET: «Biotta ist immer noch Glasflasche.» Aber man hat neue Käuferschichten und auch neue Marktplätze im Visier. Durch die Einführung der neuen Biotta-Veggies habe Biotta in der Schweiz in den Markt der frischen Frucht- und Gemüse-Smoothies vorstossen und sich als innovativer Anbieter neu etablieren können, sagt er. Und Rüttimann weiss auch, dass Frische Trumpf ist und sich Mitbewerber ein hartes Gefecht liefern. «Das Kühlregal ist Kampfzone», sagt er.

Gefragte Bio-Gemüsesäfte

Biotta und Gesa als Nischenproduzentinnen seien gut gerüstet. Neben einem soliden Wachstum im Inland habe auch das Exportgeschäft zum starken Umsatzergebnis beisteuern können. Dabei habe sich die Fokussierung auf die Märkte Asien, Nordamerika und Nordeuropa bewährt. Die deutsche Gesa Gemüsesaft GmbH habe mit ihren Bio-Gemüsesäften ein überdurchschnittliches Wachstum verzeichnet.