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Das Kohlegeschäft ist Australiens schmutziger Goldesel

Als einer der grössten Kohleexporteure zeigt Australien wenig Interesse, seinen Beitrag zu wirksamem Klimaschutz zu leisten.
Urs Wälterin aus Canberra
Eine der Tagbauminen von Glencore in Australien. (Bild: Brendon Thorne/Bloomberg (Singelton, 3. Oktober 2015))

Eine der Tagbauminen von Glencore in Australien. (Bild: Brendon Thorne/Bloomberg (Singelton, 3. Oktober 2015))

Eine «Klimawandelabstimmung» sei sie, so die Prognose fast aller Analysten im Vorfeld der australischen Parlamentswahlen vom 18. Mai. Mit einer Ausnahme hatten alle Meinungsforscher einen überwältigenden Sieg der oppositionellen Laborpartei vorausgesagt sowie eine Schlappe der konservativen Regierungskoalition unter Premierminister Scott Morrison. Das Gegenteil traf ein: Statt der progressiveren Umwelt- und Klimapolitik der Sozialdemokraten entschied sich Australien für die anhaltende Politik des Abwartens, wenn es darum geht, die grösste Herausforderung anzugehen, der sich das Land gegenüber sieht – den Kampf gegen die vom Menschen verursachte Veränderung des Klimas. Die grössten Stimmengewinne verzeichneten konservative Parlamentarier, die Massnahmen gegen den Klimawandel sowie die Unterstützung erneuerbarer Energieformen vehement ablehnen. Dafür wollen sie die Kohleindustrie ausbauen.

Klimawissenschafter sagen, der Abbau weiterer Kohlereserven müsse weltweit enden, wenn es gelingen soll, den Anstieg der globalen Temperaturen auf ein akzeptables Mass zu begrenzen. Doch der Klimakiller Kohle ist ein Goldesel für Australien. 2018 verkaufte das Land rund 200 Millionen Tonnen, im Gesamtwert von 60 Milliarden australischen Dollar (40 Milliarden Franken), vor allem in die Wachstumsländer China und Indien. Und in Australien selbst ist Kohle der wichtigste Brennstoff für die Stromerzeugung: 61 Prozent der landesweit produzierten Elektrizität stammten 2017 aus Kohlekraftwerken, gefolgt von Gas mit 21 Prozent. Nicht zuletzt wegen der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen gehört das Land pro Kopf zu den höchsten CO2-Emittenten der westlichen Welt.

Indischer Rohstoffgigant plant riesige Kohlemine

Es dauerte nur wenige Tage, bis die Regierung behauptete, der Wahlsieg sei ein Mandat für den Ausbau der Kohleindustrie. Schockiert vom Ergebnis ging die sozialdemokratische Regierung des Bundesstaates Queensland in die Knie und gab im Schnellverfahren ein letztes grünes Licht für den Bau einer der grössten Kohleminen der Welt. Pläne des indischen Rohstoffgiganten Adani für sechs Tagebaugruben auf einer Fläche von 447 Quadratkilometern waren von Umweltschützern jahrelang vor Gericht aufgehalten worden. In Vollproduktion werde Kohle aus dieser Mine verantwortlich für den Ausstoss von so viel klimaschädigendem CO2 sein wie die ganze Nation Chile, so Kritiker. Adani hat die Pläne in den letzten Jahren allerdings sukzessive reduziert, parallel zur Zahl der versprochenen Arbeitsplätze: Statt der einst 10 000 werden es nun nur noch ein paar hundert sein in einer Mine, die praktisch komplett von Robotern betrieben werden soll. Trotzdem jubeln die Befürworter; allen voran Rohstoffminister Matt Canavan, dessen Familie selbst in der Kohleindustrie engagiert ist. Denn mit Adani öffnen sich Möglichkeiten für die Realisierung weiterer Minen im Galilee-Becken, einem der reichsten Kohlevorkommen weltweit.

Das Wahlergebnis dürfte die Haltung der Regierung stärken, wenn es um den Beitrag Australiens am internationalen Klimaschutz geht. Seit die Koalition 2014 auf Druck der konservativen Kräfte ein Emissionsreduktionsprogramm von der sozialdemokratischen Vorgängerregierung rückgängig gemacht hatte, steigen die Klimagase wieder. Canberra will diese bis 2030 im Vergleich zu 2005 nur um 26 Prozent reduzieren. Dieser Plan sei ungenügend, um die Pariser Klimaziele einhalten zu können, warnen Wissenschafter.

Steigende Investitionen in erneuerbare Energien

Auch bei den Klimazwischenverhandlungen in Bonn letzte Woche musste sich Canberra Kritik anhören, es unternehme zu wenig, um seine Emissionen zusätzlich zu reduzieren. Die Regierung dagegen meint, Australien sei «schliesslich nur für 1,6 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich», so Energieminister Angus Taylor gegenüber dieser Zeitung. Der frühere Unternehmensberater ist ein Gegner der Subvention erneuerbarer Energien. Gleichzeitig verteidigt er staatliche Hilfe für die Rohstoffbranche.

Derartige «klimazerstörende Handreichungen der Regierung an die Kohleindustrie trotzen jeder Logik», sagt hingegen Jamie Hanson von Greenpeace Australia. Denn jahrelanger Polemik und der daraus resultierenden Investitionsunsicherheit zum Trotz werden alternative Stromquellen in Australien immer beliebter. Im letzten Jahr pumpten Anleger 11 Milliarden australische Dollar (7,2 Milliarden Franken) in den Bau neuer Anlagen.

Der Kohleabbau ist für Glencore eine Goldgrube

Glencore ist eine Grossmacht im weltweiten Kohlegeschäft. Mit einer Jahresproduktion von 129 Millionen Tonnen (2018) ist der in Baar ansässige Handels- und Bergbaukonzern der grösste privatwirtschaftliche Förderer des Rohstoffes. Grösser sind nur noch die staatlich kontrollierten Minenbetreiber in China und Indien. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres hat Glencore aus dem Verkauf selbst abgebauter Kohle einen Umsatz von 5,3 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Das entspricht rund einem Viertel des Umsatzes aus allen Bergbauaktivitäten, die auch den weltweiten Abbau von Erzen und Mineralien umschliessen.

Ein massiver Preiseinbruch auf den von Glencore vornehmlich im Kongo geförderten Kobaltvorkommen hat dem Konzern in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Rückgang des operativen Betriebsgewinns um 32 Prozent auf 5,6 Milliarden Franken eingetragen. Doch das Kohlegeschäft erwies sich einmal mehr als zuverlässige Stütze. Es spülte Glencore einen Betriebsgewinn von 2 Milliarden Dollar in die Kasse. Das entspricht 46 Prozent des entsprechenden Ergebnisses aller Bergbauaktivitäten und einem Anteil von 36 Prozent der gesamten Konzernleistung, inklusive Handel.

Mehr als zwei Drittel der von Glencore abgebauten Kohle stammt aus Australien. Mehr als 80 Prozent davon wird nach Asien verschifft, wo die Nachfrage nach dem Brennstoff trotz seines Rufes als schlimmste CO2-Schleuder im zweistelligen Prozentbereich wächst. Glencore betreibt in Australien 13 Kohlebergewerke mit 17 Minen und ist für rund 20 Prozent des gesamten Kohleabbaus im Land verantwortlich. Im Februar hat der Konzern angekündigt, die weltweite Kohleproduktion bei rund 145 Millionen Jahrestonnen zu beschränken. Dies soll helfen, Glencore widerstandsfähiger gegen die Risiken des Klimawandels zu machen, lautete die Begründung. In der australischen Politik machte sich Glencore damit keine neuen Freunde. Der australische Bergbauminister Matt Canavan kommentierte die Massnahme entsprechend kritisch: «Nennen sie mich einen Zyniker, aber es scheint mir, dass diese Massnahme viel mehr mit Eigeninteressen zu tun hat als mit dem Bemühen Glencores, das Klima zu retten.» Der Preis für australische Kohle ist seit Juli 2018 um rund 40 Prozent gefallen. Canavan vermutet offensichtlich, dass Glencore mit der Produktionsbeschränkung einen höheren Preis erreichen will. (dz)

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