Das Kind wird zur Tochter

Die Familie Leuthold verkauft Spar Schweiz. Das St. Galler Handelsunternehmen wird dadurch eine Tochterfirma der südafrikanischen Spar Group. Geschäftlich soll alles beim alten bleiben.

Thomas Griesser Kym
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Supermarkt von Spar Schweiz. Spar International mit Sitz in Amsterdam hat die Spar-Lizenz in 40 Ländern auf vier Kontinenten vergeben. (Bilder: photopress/Ennio Leanza)

Supermarkt von Spar Schweiz. Spar International mit Sitz in Amsterdam hat die Spar-Lizenz in 40 Ländern auf vier Kontinenten vergeben. (Bilder: photopress/Ennio Leanza)

GOSSAU. Seit 1989 gibt es Spar Schweiz. Damals unterzeichnete Juan M. Leuthold mit Spar International den Franchisevertrag, der es ihm erlaubte, Lebensmittelläden unter der Marke Spar in der Schweiz zu eröffnen. Mittlerweile ist Sohn Stefan Leuthold der Chef, doch nun geht die Geschichte dieser Familie als Besitzerin der Spar-Schweiz-Gruppe zu Ende. Wie das Handelsunternehmen mit Sitz in Gossau gestern abend mitteilte, verkauft die Familie eine Mehrheit der Aktien an Spar Südafrika. Diese sei «eine der erfolgreichsten Spar-Organisationen weltweit» und seit über 25 Jahren mit Spar Schweiz befreundet.

Deren Sprecher Ronald Haug sagte gegenüber der Agentur SDA, Verwaltungsratspräsident, Firmenchef und Hauptaktionär Stefan Leuthold regle mit dem Verkauf einer Mehrheit seiner Aktien seine Nachfolge bei Spar Schweiz. In Leutholds Familie habe sich in der jungen Generation niemand dafür gefunden.

Leuthold bleibt Geschäftsleiter

Im täglichen Geschäft soll sich aber nichts ändern. Stefan Leuthold werde die Spar-Schweiz-Gruppe weiterhin als Firmenchef und zusammen mit dem bestehenden Managementteam leiten. Spar Südafrika werde zusammen mit den bisherigen Aktionären – Stefan Leutholds Firma Leuthold & Co. AG und der Austria Spar International AG – die Spar-Schweiz-Gruppe weiter ausbauen. «Spar bleibt Spar», wird Leuthold in der Mitteilung zitiert. Man werde die Expansion der vergangenen Jahre weiter vorantreiben. Dadurch sichere man nicht nur die Stellen der aktuell gut 2800 Mitarbeitenden, sondern schaffe dank eines weiteren kontinuierlichen Ausbaus künftig auch neue Stellen.

Die Spar-Schweiz-Gruppe hat vergangenes Jahr 1,027 Mrd. Fr. umgesetzt, 3,8% weniger als 2014. Trotz des Rückgangs hatte sich Leuthold mit der Entwicklung «insgesamt zufrieden» gezeigt. Die 185 Spar-Supermärkte und -Express-Läden setzten 596 Mio. Fr. um (-1,6%). Einige Läden führt Spar selbständig, die Mehrheit wird von Franchisenehmern geleitet. Weitere 431 Mio. Fr. (-6,7%) nahm die Gruppe mit ihren elf TopCC-Abholmärkten sowie mit der Belieferung von Drittkunden (Dorfläden) ein. Die Zahl dieser Drittkunden wurde um gut ein Fünftel reduziert, was «beträchtliche Einsparungen an Logistikkosten» bewirkt und die Profitabilität der Spar-Schweiz-Gruppe gestärkt habe. Im Sommer 2013 lag Spar wochenlang mit der Gewerkschaft Unia im Clinch wegen der Arbeitsbedingungen eines Tankstellenshops.

Auch in Irland und England tätig

Der neue Hauptaktionär der Spar-Schweiz-Gruppe, die börsennotierte südafrikanische Spar Group Ltd., setzte 2015 umgerechnet 5,9 Mrd. Fr. um und erarbeitete 185 Mio. Fr. Betriebsgewinn. Seit August 2014 gehören Spar Südafrika 80% der BWG Group, welche die Spar-Lizenz für Irland und Südwestengland hält. Beliefert werden 1935 Läden in Südafrika, 1332 in Irland/England sowie Franchisenehmer in diversen Ländern Afrikas.

Die Wurzeln von Spar Schweiz reichen zurück bis 1761. Damals gründeten die Vorgänger der Firma ein Handelsunternehmen. Hinter dem St. Laurenzen-Turm führten sie ein Spezereigeschäft und boten Kaffee, Tee, Schoggi, Gewürze, Importwaren usw. an.