«Das ist ein Zeichen der Zuversicht»

An der Umfrage der Thurgauer Kantonalbank (TKB) haben 444 Unternehmen teilgenommen. Firmenkundenchef Heinz Huber bewertet die Ergebnisse als erfreulich. Rund 60 Prozent der Befragten geben dem Geschäftsjahr 2013 die Note «gut». Die Prognosen für 2014 sind optimistisch.

Stefan Borkert
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Heinz Huber ist Leiter des Geschäftsbereichs Firmenkunden bei der TKB und kennt die Wirtschaftslage im Kanton Thurgau. (Bild: Donato Caspari)

Heinz Huber ist Leiter des Geschäftsbereichs Firmenkunden bei der TKB und kennt die Wirtschaftslage im Kanton Thurgau. (Bild: Donato Caspari)

Herr Huber, man spürt förmlich das Aufatmen in der Wirtschaft, auch in der Thurgauer Wirtschaft. Die TKB-Firmenkundenumfrage bestätigt das. Was haben Sie als erstes gedacht, als die Ergebnisse der TKB-Wirtschaftsumfrage 2013 vorgelegen haben?

Heinz Huber: Es hat mich sehr gefreut, dass Thurgauer Unternehmen insgesamt ein solides Geschäftsjahr verbuchen konnten. Auch die Prognosen fallen in allen Branchen wesentlich positiver aus als im Vorjahr. Das ist ein Zeichen der Zuversicht.

Haben Sie mit den doch optimistischen Tönen gerechnet? Neben den 60 Prozent, die dem Geschäftsjahr 2013 die Note «gut» geben, sind es immerhin noch einmal 30 Prozent, die den Geschäftsgang als befriedigend bezeichnen.

Huber: In täglichen Gesprächen haben wir in den letzten Monaten gespürt, dass die Unternehmen zuversichtlich sind und optimistisch in die Zukunft blicken. Grund dafür besteht ja durchaus: Thurgauer Unternehmen behaupten sich auf dem Markt nach wie vor sehr gut.

Kann man also von einem Ende der Krise reden, oder sind solche Aussagen verfrüht?

Huber: Mit Prognosen bin ich vorsichtig. Die letzten Wirtschaftsjahre im Euro-Raum mit Währungskrise und Rettungspaketen waren nicht einfach. Die Probleme, wie die zum Teil hohe Arbeitslosigkeit, sind noch immer ungelöst. Die Kernprobleme in der EU bestehen nach wie vor. Grundsätzlich denke ich aber, dass sich die Wirtschaft weiter erholt. Gerade der für die Thurgauer Unternehmen wichtige Handelspartner Deutschland erlebt ja auch einen Aufschwung. Davon profitieren wir sicher.

Ja, die Zeichen stehen wohl nicht schlecht. Beim Maschinen- und Apparatebau zum Beispiel scheint das Ende der Durststrecke erreicht. Sind Sie von diesen Ergebnissen überrascht worden?

Huber: Es ist sehr erfreulich, dass sich diese Branche seit der Wirtschaftskrise so stark erholen konnte. Mehr als die Hälfte der antwortenden Unternehmen erzielte letztes Jahr höhere Umsätze. Das ist eine beachtliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als erst ein Viertel der Betriebe mehr Umsatz ausgewiesen hat. Und vor allem sind auch die Erwartungen für das laufende Jahr positiv. Mit solchem Optimismus hätte ich in der Tat nicht gerechnet. Es gibt aber auch auch Unternehmen, die weniger optimistisch sind.

Könnte man die Wechselkursuntergrenze wieder aufheben?

Huber: Die Verteidigung der Wechselkursuntergrenze durch die Schweizerische Nationalbank hat sehr viel zur Stabilität und zur Planungssicherheit für exportorientierte Unternehmen beigetragen. Aus heutiger Sicht war der Entscheid sicher richtig. Jetzt ist es noch zu früh, die Untergrenze wieder aufzuheben. Die Entscheidung über eine mögliche Rücknahme liegt aber bei der Nationalbank.

Allem Optimismus zum Trotz, gibt es auch noch Sorgenkinder?

Huber: Der Gross- und Detailhandel leidet immer noch unter dem Einkaufstourismus und wird voraussichtlich auch dieses Jahr darunter leiden. Unsere Umfrage zeigt auch, dass knapp die Hälfte der Unternehmen der Meinung ist, auch 2014 keine höheren Umsätze erzielen zu können. Eine wesentliche Erholung zeichnet sich in dieser Branche also noch nicht ab.

Beim Bau trifft das sicher nicht zu. Trotzdem fällt auf, dass sich manche Bauunternehmer und im Bau tätige Unternehmen auch verhalten äussern. Nähert sich der Boom in dieser Branche langsam dem Ende?

Huber: Die Baubranche ist unabhängig von der Konjunktur immer sehr vorsichtig mit Prognosen. Vielleicht ist es wirklich so, dass die Branche nun eine Abflachung der hohen Zuwachsraten, die wir bisher hatten, erwartet.

Im Thurgau sieht man an vielen Orten kein Zeichen für ein Ende des Baubooms. Firmengebäude entstehen, und der Wohnungsbau schreitet voran.

Huber: Wenn Unternehmen Erweiterungen vornehmen, geht es um Effizienzsteigerung in den Arbeits- und Produktionsabläufen. Geschäftshäuser werden derzeit im Thurgau kaum errichtet. Der Wohnungsbau hingegen ist sehr aktiv. Eine Überhitzung im Thurgauer Markt haben wir allerdings nicht.

Spüren Sie die konjunkturellen Auswirkungen auch bei der Vergabe von Investitionskrediten für Bau und Maschinen?

Huber: Was wir sehen, ist, dass bei den Unternehmen die Zuversicht wieder da ist und dass sie vermehrt investieren. Sie greifen aber als erstes auf eigene flüssige Mittel zurück, um sich nicht gleich wieder zu verschulden.

Wie entwickelt sich eigentlich der Jungunternehmerdesk der TKB?

Huber: Der Beratungsdesk für Jungunternehmen hat zum Ziel, Unternehmer vor der Firmengründung, während der Start- und Wachstumsphase sowie bei einer Firmenübernahme betriebswirtschaftlich zu beraten. Nach der Lancierung Anfang 2013 ziehen wir eine positive Bilanz. Die rund 170 Erstberatungsgespräche letztes Jahr zeigen, dass das neue Angebot der TKB auf eine grosse Nachfrage trifft.