Das iPhone-Land läuft zu Android über

Erstmals hat Googles Betriebssystem in der Schweiz Apple überholt. Nun hängt viel am iPhone 8.

Federico Gagliano
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Seit dem Verkaufsstart des iPhones in der Schweiz vor zehn Jahren schien nichts an dessen Beliebtheit zu rütteln. «Die Schweiz ist ein iPhone-Land», hiess es häufig. Jedes zweite verkaufte Smartphone war ein iPhone von Apple. Jetzt ist damit Schluss. Laut dem Vergleichsdienst Comparis haben Geräte mit Googles Betriebssystem Android zum ersten Mal überholt. Lag der Marktanteil des iPhones in der Schweiz letztes Jahr noch bei 54 Prozent, so ist er inzwischen auf 41 Prozent gesunken. Android sprang dagegen von 42 Prozent auf 55 Prozent. Genaue Angaben, welche Android-Geräte die Nase vorn haben, hat Comparis nicht veröffentlicht. Es ist aber naheliegend, dass Samsung-Geräte die Nase vorn haben.

Laut der Marktforschungs­firma Gartner lässt sich der Trend nicht nur in der Schweiz feststellen. Googles Android-Betriebssystem habe die Verkäufe weltweit im ersten Quartal 2017 mit einem Markanteil von 86,1 Prozent dominiert. Apple kam nur auf einen Anteil von 13,7 Prozent. Teilt man die Android-Geräte aber nach Anbietern auf, ist der Abstand viel kleiner. Nur Samsung bleibt mit 20,7 Prozent vor Apple, ist aber im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozentpunkte zurückgefallen. Dafür wächst Huawei fleissig weiter und rückt mit 9 Prozent Marktanteil auf den dritten Platz. Der chinesische Anbieter hat sich hohe Ziele gesteckt: Er will Apple überholen und zur weltweiten Nummer eins aufrücken.

Apple muss punkto Innovation aufholen

Doch weshalb sind viele Apple-Jünger des iPhones überdrüssig geworden? Für Jean-Claude Frick, Digitalexperte von Com­paris und selbst bekennender Apple-Fan, ist vor allem Apples Innovationslethargie schuld: «Ich gehe davon aus, dass der Stillstand beim Gerätedesign nicht unwesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen hat. Während im Android-Spektrum randlose Displays sehr populär wurden, hat sich am Design des iPhones über Jahre kaum etwas verändert. Apple-Nutzer warten nach wie vor auf eine echte Designinnovation.» In der Tat hinkt Apple in Sachen Innovation seinem Rivalen Samsung nach. Besonders das «Infinity Display», der randlose Bildschirm des südkoreanischen Anbieters, wird von iPhone-Nutzern neidisch beäugt.

Apple könnte aber bald nachziehen: Erste Bilder des neuen iPhone 8 zeigen, dass das neue Modell erstmals einen randlosen Bildschirm mit OLED (organischen Leuchtdioden) unterstützt. Dieser verspricht schärfere und kontrastreichere Bilder. Das neue iPhone soll Gerüchten zufolge an einer Keynote am 12. September von Apple-Chef Tim Cook in Cupertino vorgestellt werden. Noch ist das Datum nicht bestätigt.

Wie Comparis weiter ermittelt hat, besitzen 93 Prozent aller Schweizer ein Smartphone. In einem Bericht des Marktforschungsinstituts Newzoo vom April lag die Zahl zwar tiefer (71,7 Prozent), die Schweiz liegt damit aber trotzdem noch auf Platz drei hinter den USA (80,6 Prozent) und Schweden (72,2 Prozent). Die Schweizer wechseln auch häufig ihr Gerät: Fast die Hälfte der Nutzer tun dies alle zwei Jahre. Dieser Rhythmus werde von den Telekomanbietern gesteuert, sagt Frick: «Weil die meisten Verträge 24 Monate laufen, hat sich daraus ein Zweijahresrhythmus für die Beschaffung eines neuen Smartphones etabliert.»

Federico Gagliano