«Das heisst nicht, dass es aufwärtsgeht»

Der Ostschweizer Konjunkturindex zeigt wieder leicht ins Plus. Konjunkturexperte Peter Eisenhut sieht eine Stabilisierung allerdings auf tiefem Niveau.

Drucken
Teilen
Peter Eisenhut Geschäftsführer Ecopol AG, St. Gallen (Bild: pd)

Peter Eisenhut Geschäftsführer Ecopol AG, St. Gallen (Bild: pd)

Der Ostschweizer Konjunkturindex zeigt wieder leicht ins Plus. Konjunkturexperte Peter Eisenhut sieht eine Stabilisierung allerdings auf tiefem Niveau.

Die Industrie steht unter Druck, der wegen des starken Frankens auf ihr lastet. Jetzt steigt aber der Ostschweizer Konjunkturindex an. Wer leidet und wer profitiert?

Vorsicht, Statistik! Der Anstieg des Konjunkturindexes in den neutralen Bereich heisst nicht, dass es nun aufwärtsgeht, sondern dass sich eine Stabilisierung auf tiefen Niveau abzeichnet. Branchenmässig leiden vor allem die Exportfirmen, der Detailhandel und der Tourismus. Bisher profitieren einige Unternehmen, die entweder ihren Umsatz in Euro ausweisen, ihre Waren aus dem Ausland beziehen oder nur im Binnenmarkt und nicht als Zulieferer für Exportfirmen aktiv sind. Und natürlich die Konsumenten, denn tiefere Preise im In- und Ausland erhöhen ihre realen Einkommen. Zudem haben die Finanzdienstleister und die Bauwirtschaft den starken Franken gut weggesteckt.

Der Detailhandel leidet, hatte sich aber zunächst erholt. Wer wird die sinkenden Preise und mageren Margen überleben?

Einen besonders hohen Umsatzrückgang mussten Geschäfte hinnehmen, die Freizeitartikel, Kleider und Schuhe, Do-it-yourself-Waren, Garten und Autozubehör anbieten. Vergleichsweise glimpflich kam der Lebensmittelhandel mit einem Minus von 1,3 Prozent davon. Die insgesamt aussergewöhnlich starken Umsatzeinbussen werden neben der Schliessung von einigen Geschäften auch zu einem Stellenabbau in der Branche führen.

Ist der Hauptschuldige der Einkaufstourismus oder wird wegen der Krisenstimmung einfach weniger ausgegeben und mehr gespart?

Ansteigender Einkaufstourismus, physisch oder Online-Einkauf, und sinkende Preisen in Kombination mit einer schlechten Konsumentenstimmung wegen der Angst vor Arbeitsplatzverlusten sind für die Detailhandelsbranche eine gefährlicher Mixtur.

Der Euro steigt. Sieht man nun Licht am Ende des Tunnels oder ist der Hoffnungsschimmer zu schwach?

Der Grund für den Anstieg des Euro in den letzten Tagen ist für Optimisten eine Eurostärke, also ein starker Euro wegen aufgehellten Prognosen in der Eurozone. Pessimisten reden eher von einer Frankenschwäche, infolge von Rezessionsängsten in der Schweiz. Beiden haben wahrscheinlich ein wenig recht. So oder so: Der Anstieg des Euro lässt zwar hoffen, aber für eine Entwarnung ist es sicherlich noch zu früh. (bor)