Das Haus wird zum Kraftwerk

Das Nullenergiehaus bekommt im kommenden Jahr einen Minergiestandard. Das fordert Planer und Investoren heraus. Denn mit dem neuen Standard Minergie A will der Verein Minergie die Entwicklung des Bauens vorantreiben.

Nathalie Schoch
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Zug. Das Haus wird zum Kraftwerk. Häuser, die keine Energie von aussen benötigen, solche die sogar noch Überschuss produzieren sind heute kein Wunderwerk mehr. Doch darüber, wie sich dies erreichen lässt, gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Es geht dabei um die jeweilige Wirkung dichter Hüllen, hochdämmender Fenster, aber auch um Wärmepumpen und Komfortlüftung. Der Verein Minergie will hier Klarheit bringen.

Mit dem neuen Standard Minergie A, der an der Generalversammlung Mitte Monat erstmals vorgestellt wurde, steckt Minergie ein hohes Ziel. Hierbei sind vor allem Baufachleute und Investoren gefordert. Ruedi Kriesi, Vizepräsident des Vereins Minergie, sagt: «Minergie A wird nochmals einen Schritt weitergehen, indem es die Betriebsenergie, die beim bisher anspruchsvollsten Standard Minergie-P bei 30 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr angesetzt war, auf Null setzt.»

Sonne, Holz und Umweltwärme

Minergie A soll mit erneuerbaren Energien die gesamte Betriebsenergie decken. Dazu gibt es drei Modelle: Die erste Variante arbeitet mit Sonnenkollektoren und Holz, die zweite mit Sonnenkollektoren, Wärmepumpe und Photovoltaik und die dritte mit Wärmepumpe und Photovoltaik. Sowohl die Haushaltgeräte wie auch die Beleuchtung müssen der A-Klasse entsprechen.

Schon bei den herkömmlichen Standards scheuten manche Bauherren die höheren Investitionskosten und entschieden sich dann doch für einen konventionellen Bau. So scheint es fraglich, ob sich Minergie A umsetzen lässt. Doch niemand rechnet damit, dass bald schon die ganze Schweiz nach diesem Standard baut: «Es ist nicht so, dass Minergie A der neue generelle Hausbaustandard sein soll», sagt Kriesi. Vielmehr sei das Nullenergiehaus für Personen gedacht, die an der Spitze der Entwicklung mitarbeiten.

Es werde vor allem für den Planer anspruchsvoll werden.

Für Kriesi, einer der Gründungsväter von Minergie, steht die Evolution des Bauens im Mittelpunkt: «Minergie A löst Minergie-P ab, indem es einen Standard erfasst, der für die weitere Entwicklung massgeblich ist.» Momentan steckt Minergie A aber noch in der Planung. Im August oder September geht der neue Standard in die Vernehmlassung.

Dann werden die Zertifizierungsreglemente und Arbeitshilfen erarbeitet, bis er schliesslich an der Fachtagung in Luzern im März 2011 eingeführt werden soll.

Minergie als Exportlabel

Der Verein blickt bereits auf eine Schweizer Erfolgsgeschichte: Waren es 1998 noch 203 minergiezertifizierte Gebäude, sind es heute über 17 000. Nun versucht man auch immer stärker im Ausland, sich Akzeptanz zu verschaffen. Gelungen ist dies bereits in Frankreich, wo Minergie seit neustem als Förderkriterium anerkannt ist.

Die Schweizer Botschaft in Washington soll nach Minergiestandard modernisiert werden. Die Publikationen zu diesem Projekt brachten dem Verein interessierte Trägerschaften für die USA. Ein weiteres Zeichen setzt Minergie mit dem Swiss Village in der Ökostadt Masdar, die derzeit bei Abu Dhabi am Persischen Golf gebaut wird. Mit Minergie als Exportlabel will man ausländische Investoren für die Schweizer Bauindustrie interessieren.

Schliesslich wird in Kooperation mit dem Institut CCRS der Universität Zürich an einem Öko-Standard gearbeitet.

Energieeffizienz im Trend

Eine der grössten Herausforderungen für Minergie als Organisation ist für den Aargauer Baudirektor Peter C. Beyeler, der nun nach acht Jahren als Vereinspräsident zurückgetreten ist, die Bewältigung der Nachfrage. Dies gelte auch für die Anbieter der Technologien und Module.

Der Trend zu mehr Energieeffizienz im Gebäudebau habe einen Boom der Minergietechnologien im Baugewerbe zur Folge, weshalb sich die Marke Minergie auch stetig weiterentwickeln müsse: «<Immer eine Nasenlänge voraus> muss die Devise heissen», sagt Beyeler.

Es scheint, als stünden die Zeichen der Zeit gut für Minergie. Die Preise für fossile Brennstoffe sind volatil mit Tendenz nach oben. Zudem seien Gebäude prädestiniert für den Einsatz erneuerbarer Energien.

Ferner stehen Bund und Kantone mit Förderprogramme hinter den energieeffizienten Bauherren. Doch trotz aller rosiger Zukunftsaussichten hängt alles davon ab, inwieweit Minergie vom Markt aufgenommen wird.

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