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Post-Chef Ulrich Hurni spricht über Amazon und die Nachfolge von Susanne Ruoff

Seit Juni führt Ulrich Hurni, Chef der Sparte Briefpost, den gelben Riesen interimistisch. Er wurde immer wieder als möglicher Nachfolger von Susanne Ruoff gehandelt. Doch nun sorgt Hurni für einen Vorentscheid. Und er spricht erstmals über die Kooperation mit Amazon.
Benjamin Weinmann
Post-Interims-Chef Ulrich Hurni (links) mit der ehemaligen Post-Chefin Susanne Ruoff. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone, Bern, 25. Oktober 2013)

Post-Interims-Chef Ulrich Hurni (links) mit der ehemaligen Post-Chefin Susanne Ruoff. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone, Bern, 25. Oktober 2013)

Die Aufregung war gross, als im Herbst erstmals Gerüchte ­bekannt wurden, dass die Schweizerische Post mit dem US-Onlinewarenhaus Amazon anbandeln würde. Im Frühling dann die Nachricht: Die Post hat mit den Amerikanern einen Vertrag unterschrieben, der die Verzollung und Lieferung der Amazon-Pakete vereinfachen soll.

Für den zuletzt arg gebeutelten Schweizer Detailhandel war dies eine Bombe. Zwar wurde der Marktangriff des Konzerns mit einem Börsenwert von rund einer Billion Dollar schon seit längerem erwartet. Doch dass nun die Post Amazon den roten Teppich ausrollen sollte, sorgte bei manchen Händlern hinter vorgehaltener Hand auch für Wut. Der Vorwurf: Der Staatsbetrieb hilft dem ausländischen Giganten, den Schweizer Detailhandel noch stärker unter Druck zu setzen.

Millionen dank China-Päckli

Nun spricht Ulrich Hurni, Leiter der Sparte Post Mail und seit Juni Interimschef des gelben Riesen, erstmals über die Kooperation mit dem US-Konzern. «Amazon ist schon seit Jahren ein Kunde von uns», sagt Hurni. Doch bisher seien die Pakete über verschiedene Wege und Verzollungsmethoden in die Schweiz gelangt, da Amazon in Europa kein zentrales Lager habe. Für Amazon-Kunden hatte dies zur Folge, dass nicht das ganze Sortiment verfügbar und die Sendungsabwicklung kompliziert war. Den Amerikanern habe man eine neue Gesamtlösung anbieten können für den Transport, die Verzollung und die Lieferung auf der letzten Meile. «Bisher funktioniert der Test sehr gut», sagt Hurni. Gleichzeitig gibt der Temporär-Nachfolger von Susanne Ruoff aber vorläufige Entwarnung an die Adresse der nervösen Detailhändler. «Die Mengen, die über die neue Lösung bearbeitet werden, sind bisher noch nicht riesig.» Und überhaupt rechnet Hurni nicht mit einer baldigen Marktoffensive von Amazon. «Ich gehe davon aus, dass sie in der kommenden Zeit in erster Linie wohl ihre Präsenz in grösseren Märkten wie Deutschland und England weiter ausbauen.»

Auch so legt das Paket­geschäft dank des boomenden Onlinehandels weiter zu. «Das Geschäft wächst um rund 7 Prozent», sagt Hurni. Der deutsche Online-Modekonzern Zalando sei mit Abstand der grösste Kunde. «Die Paketzentren sind voll, für uns ist dieses Geschäft lukrativ», sagt Hurni. Deshalb investiere man auch in neue Infrastrukturen. So baut die Post für 150 Millionen Franken drei neue regionale Paketzentren: im Raum Landquart GR, in Vétroz VS und in Cadenazzo TI. Diese sollen ­bestehende Zentren, wie jenes in Frauenfeld TG, entlasten.

Etwas entspannt hat sich laut dem Post-Chef die Zoll-Situation mit den chinesischen Billigpäckli von Händlern wie Alibaba oder JD, die durchschnittlich weniger als 300 Gramm wiegen und zunehmend die Schweiz überschwemmen. Die chinesischen Händler, die ihre UBS-Kabel, Handyhüllen und Modeaccessoires online zu Spottpreisen verkaufen, profitieren zusätzlich von vergünstigten Posttarifen, die vom Weltpostverband festgelegt wurden. Die China-Sendungen sind dadurch für schweizerische und internationale Post-Unternehmen nicht kostendeckend. Nun hat der Weltpostverband ­reagiert. In den nächsten Jahren werden die Posttarife Schritt für Schritt erhöht. «Unsere Vergütung für den Vertrieb der Billig­päckli aus China wird somit grösser. Dieses Jahr ist es ein siebenstelliger Betrag», sagt Hurni. Die Vollkosten seien damit noch nicht gedeckt, doch die Richtung stimme.

Hurni nimmt sich aus dem Rennen

Was die Nachfolge von Susanne Ruoff betrifft, die im Juni unter massivem Druck im Zuge der Postauto-Affäre den Hut als Post-Chefin nehmen musste, sagt Hurni: «Ich war nie und werde nie Kandidat.» Auch als Ruoff zur Konzernchefin ernannt wurde, habe er sich nicht beworben. «Ich wollte nie Post-Chef werden.» Als Stellvertreter Ruoffs sei es aber naheliegend gewesen, dass er die CEO-Rolle ad interim übernehmen werde. Ziel sei nach wie vor, bis Ende Jahr den Mann oder die Frau auserkoren zu haben.

Am Hauptsitz gilt der 60-jährige Hurni als geschätzt. Doch es bestehen Zweifel, wie weiss seine Weste in der Postauto-Affäre ist, wie kürzlich SRF mit Bezug auf den Untersuchungsbericht schrieb. Demnach standen in einer Aktennotiz vom 17. April 2013 vier Varianten zur Debatte, um Gewinne bei der Postauto-Tochter vor dem Bundesamt für Verkehr zu verstecken. Diese ­Aktennotiz sei an die Konzernleitung gegangen – und damit auch an Hurni. «Ich habe diese Aktennotiz nie erhalten. Diese Information ist falsch», entgegnet er. Fühlt er sich also nicht verantwortlich? «Als Chef der Sparte Post Mail war es nicht meine ­Aufgabe, die Betriebsbuchhaltung eines Nachbarbereichs zu kontrollieren.» Hurni spricht von einem «Fehler im System».

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