Fluggesellschaften werden zu Reisebüros – auch die Swiss will das Umsteigen zum Geschäft machen

Stopover heisst, man legt beim Flug einen Zwischenstopp von mindestens 24 Stunden ein. Einige Fluggesellschaften bieten entsprechende Ferienpakete an. Auch in der Schweiz soll der Stopover-Tourismus jetzt angekurbelt werden.

Andreas Lorenz-Meyer
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Blick vom Riesenrad Singapore Flyer auf die Stadt Singapur. (Bild: Getty)

Blick vom Riesenrad Singapore Flyer auf die Stadt Singapur. (Bild: Getty)

Die 14 498 Kilometer lange Flugstrecke bewältigte die Boeing 787-9 Dreamliner in 17 Stunden. Vom westaustralischen Perth ging es im Frühjahr 2018 ohne Zwischenhalt nach London Heathrow. Es war der erste Direktflug Australien-Europa der Fluggesellschaft Qantas Airways.

Man liess die Maschine für den langen Flug extra umbauen: Es gab weniger Sitze, dafür mehr Platz pro Passagier. Zudem sorgten technische Massnahmen für bessere Luft und weniger Kabinengeräusche. Und es gab bekömmlichere Mahlzeiten. Das alles soll den zu erwartenden Jetlag bei Ankunft in Grossbritannien besänftigt haben.

Übernachtung und Attraktionen im Preis inbegriffen

Trotzdem: Solche Ultralangstreckenflüge sind in der Regel eine ziemliche Strapaze. Schonender ist es natürlich, bei ganz langen Strecken einen Zwischenstopp einzulegen, dann kann sich der Körper schrittweise umstellen. Zudem lässt sich der Aufenthalt touristisch nutzen. Dieser Trend nennt sich Stopover-Tourismus. Einige Airlines bieten günstige Stopover-Pakete an, in Kooperation mit den Tourismusbehörden des jeweiligen Landes. Wer zum Beispiel auf dem Weg von Zürich nach Australien in Singapur zwischenlandet, der kann «Singapore Stopover Holiday» von Singapore Airlines ab 39 Franken pro Nacht dazubuchen. Der Preis deckt neben der Hotelübernachtung auch den Eintritt bei Dutzenden Attraktionen ab. Darunter das Riesenrad Singapore Flyer und Bootsfahrten auf dem Singapore River. Hinzu kommen kostenlose Fahrten mit den Hop-on-Bussen. Die Preise steigen je nach Unterkunft auf bis zu 350 Franken pro Nacht.

Auch Emirates hat spezielle Angebote für Transitreisende in Dubai. Genau wie Qatar Airways, das noch bis Ende Dezember eine kostenlose Stopover-Übernachtung in Doha offeriert. Und Iceland Air bietet Passendes für Transitler auf dem Weg in die USA oder nach Kanada. Sie können bis zu sieben Nächte Island ergänzen, ohne Flugaufpreis.

Schweiz Tourismus sieht Potenzial von 100 000 Hotellogiernächten

Nun will auch Swiss den Passagieren, die einen Zwischenstopp in der Schweiz einlegen, die Vorzüge des Landes näherbringen. Ende November startete man zusammen mit Schweiz Tourismus (ST) das Programm «Stopover Switzerland». Es richtet sich an internationale Reisende, die mit Swiss über Zürich fliegen. Bei dieser Gelegenheit sollen sie mehr von der Schweiz sehen als nur das Flughafengebäude und eventuell ein bisschen Zürich. Wer zum Beispiel die Strecke Singapur–Zürich–Paris nimmt, kann einen Stopover-Urlaub dazubuchen. Vorerst sind acht Pakete für eine bis vier Nächte geschnürt: Zürich, Luzern, Zermatt, Interlaken, Montreux, Glacier-Express, Bernina-Express, Best of Switzerland. Übernachtet wird in 3- oder 4-Sterne-Häusern, die Bahnfahrten zur Destination und zurück nach Zürich sind inklusive. Das Zermatt-Paket (zwei Nächte, 520 Franken) enthält eine Exkursion zum Gornergrat und ermässigte Preise bei den Bergbahnen.

Das «Best of»-Angebot beinhaltet Luzern mit Titlis sowie Interlaken mit Jungfrau. Es erstreckt sich über vier Nächte und kostet 775 Franken. Schon im Spätsommer wurde das Programm in drei Märkten getestet: USA (New York, Los Angeles, Miami), Indien (Mumbai, Delhi) und Singapur. Seit Ende November gilt es nun in allen 24 Interkontinentalmärkten. Zu denen gehören auch Israel mit Tel Aviv, China mit Shanghai und Peking sowie Hongkong.

Wie viele internationale Umsteigepassagiere man hat, dazu möchte Swiss sich nicht näher äussern, die Zahl sei aber gross, heisst es. «Die Gewohnheiten unserer Passagiere ändern sich», erklärt Mediensprecher Thomas Baumann. «Viele möchten auf Reisen eine Vielzahl von Zielen und Aktivitäten erleben.» Ziel sei es, bestehende und potenzielle Transitpassagiere für Kurzferien in der Schweiz zu gewinnen. Bei Schweiz Tourismus geht man von einem jährlichen Potenzial von 100 000 Hotellogiernächten durch das Stopover-Programm aus. Das entspricht einem «beachtlichen zweistelligen Millionenbetrag an touristischer Wertschöpfung», wie Schweiz-Tourismus-Mediensprecher André Aschwanden ausführt. Die Schweiz biete «ideale Rahmenbedingungen» für Stopover-Angebote. Vor allem wegen der enorm hohen Dichte an Sehenswürdigkeiten und der exzellenten touristischen Infrastruktur durch den öffentlichen Verkehr. Im Unterschied zu anderen Stopover-Angeboten liesse sich mit «Stopover Switzerland» ein ganzes Land erkunden, nicht bloss eine Metropole. André Aschwanden glaubt, dass die Nachfrage kontinuierlich zunehmen wird. Eine Ergänzung der aktuell bestehenden acht Pakete um weitere Angebote sei in Planung. Wie die einzelnen Pakete angelaufen sind, darüber gibt Schweiz Tourismus allerdings keine Auskunft.