Plastik-Recycling: Das Design ist der Schlüssel

Kunststoffverpackungen im ganzen Land hochwertig recyceln: Dieses Ziel hat sich eine neu gegründete Allianz von Verpackern und Händlern gesetzt. Entscheidend dabei ist das selektive Sammeln.

Andreas Lorenz-Meyer
Drucken
Teilen
Der Recycling-Sack im Einsatz. (Bild: Verein IG Recycling-Sack)

Der Recycling-Sack im Einsatz. (Bild: Verein IG Recycling-Sack)

Bis zu 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll gelangen laut WWF jedes Jahr in die Meere. Vor allem in Südostasien. Doch das Problem zeigt sich längst auch hier. Vor ein paar Jahren fanden Forscher der ETH Lausanne Mikroplastikpartikel in sechs Schweizer Gewässern.

Was dagegen tun? Die EU will Einwegplastik, darunter Besteck und Trinkhalme, verbieten. Die Schweiz zieht aber wohl nicht nach. Es liege keine explizite Umweltgefährdung vor, so der Bundesrat im letzten Jahr. Statt auf Verbote setzt man auf freiwillige Massnahmen der Industrie. Was wiederum Greenpeace Schweiz kritisiert hat. Die Schweiz tue nichts gegen Plastikmüll, so die Umweltschutzorganisation.

Aldi und Migros mit neuer Allianz

Freiwillige Massnahmen zur Reduzierung des Plastikmülls – hier könnte der «Recycling-Sack» künftig eine Rolle spielen. Er fasst 35 Liter und ist für 1.60 Franken zu haben, allerdings flächendeckend nur in und um Bern. Nicht alles Plastik darf in den Sack: Erlaubt sind nur Kunststoffflaschen und Getränkekartons. Folien, Becher und Schalen dagegen nicht. Denn es soll ausschliesslich gesammelt werden, was sich hochwertig recyceln lässt – und das sind bis jetzt eben nur Flaschen und Kartons.

«Das selektive Sammeln ist der entscheidende Unterschied zu allen anderen gemischten Kunststoffsammlungen, bei denen rund 50 Prozent wieder in die Verbrennung gehen», erklärt Raymond Schelker, Geschäftsführer der Umweltberatungsfirma Redilo in Basel und einer der Gründer der IG Verein Recycling-Sack. Schelker plant, das Konzept seines regionalen Systems auf die ganze Schweiz auszuweiten. Dafür hat er die «Allianz Design for Recycling Plastics» gegründet. Mit dabei sind Verpackungshersteller wie Biplast und Semadeni sowie Vertreter des Handels, unter anderem Aldi Suisse und Migros.

Schelkers Ziel: eine echte Kreislaufschliessung der Verpackungen. «Dafür müssen alle entlang der Wertschöpfungskette ihr Wissen einbringen und sich abstimmen. Sie müssen eine gemeinsame Sprache finden, damit alle das Gleiche verstehen, wenn es um Begriffe wie Rezyklierbarkeit oder hochwertiges Recycling geht.» Leider, findet Schelker, steht die Schweiz in Sachen Kunststoff-Recycling am Anfang.

Es fehle ein klares Prozedere für umfassende und nachvollziehbare Rezyklierbarkeit, die ja kein theoretischer Begriff sei, sondern ein echter Wert. Im Idealfall ersetzt der recycelte Kunststoff den Neukunststoff eins zu eins: Aus der Sprayflasche etwa wird wieder eine identische Sprayflasche. Doch Recycling ist manchmal schwierig, und das liegt an den Barrieren, die die Verbundverpackungen haben.

Solche Verpackungen werden bei Fleisch oder Käse eingesetzt. Die Barrieren verhindern, dass Sauerstoff oder Feuchtigkeit an die Lebensmittel kommen. Meist bestehen sie nicht aus dem gleichen Kunststoff wie die anderen Verpackungsteile, was schlecht für die Wiederverwertung ist, denn die unterschiedlichen Kunststoffe lassen sich höchstens mit hohem Aufwand wieder voneinander trennen. Nichtrezyklierbares rezyklierbar zu machen, ist ein komplexer Prozess. Schelker: «Wenn immer möglich sollte Monomaterial eingesetzt werden. Eine Verpackung also, die aus nur einer Kunststoffart und nicht als Verbundmaterial hergestellt ist. Das muss bei allen Bestandteilen einer Verpackung berücksichtigt werden: Verschluss, Körper, Etikette. Zusätzlich dürfen eingesetzte Leime, Druckfarben und Additive den Recyclingprozess nicht stören und auch die Umwelt nicht oder so wenig wie möglich belasten.»

Die Allianz will Kunststoff-Recycling einfacher, transparenter, hochwertiger und marktfähiger machen. «Design for Recy­cling» ist da der Schlüsselfaktor, so Schelker. Der Begriff steht für Verpackungen, die von Anfang an so hergestellt werden, dass sie problemlos rezyklierbar sind.

Verpackungen werden neu designt

Um da hinzukommen, erarbeitet die Allianz zuerst Richtlinien. Für die stoffliche Verwertung von Plastikflaschen gibt es sie schon. Ein Farbensystem zeigt an, bei welchen Bestandteilen welche Stoffe ohne Einschränkung erlaubt (Grün), welche fraglich (Orange) und welche zu vermeiden sind (Rot). Beim Flaschenmaterial bekommen Kunststoffe wie PE (Polyethylen) oder PET (Polyethylenterephthalat) grünes Licht, der Biokunststoff Polymilchsäure (Polyactid, PLA) hat dagegen Rot. Bei den Deckeln wiederum wird der Kunststoff Polypropylen (PP) als gut befunden, Aluminium oder Polystyrol (PS) als schlecht.

In diesem Jahr geht es in die Praxis: Die Verpackungen werden gemäss Richtlinien neu designt. Bei Wasch- oder Reinigungsmitteln ist es demnächst so weit, kündigt Schelker an. Dann gibt es Flaschen, die voll rezyklierbar sind und/oder aus 100 Prozent Rezyklat bestehen. Schwieriger sind rezyklierbare Verbundverpackungen oder Verpackungen für Lebensmittel aus 100 Prozent Rezyklat. Dafür benötigt die Allianz noch etwas mehr Zeit.