Das Bestehende neu erfinden

Global tätige Manager sind weniger optimistisch für die Weltwirtschaft, aber zuversichtlicher, was das eigene Unternehmen betrifft: Das zeigt die Umfrage von PricewaterhouseCoopers.

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Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung sind schwierig. Hier ist der Irrtum Programm, und davor sind auch die Manager dieser Welt nicht gefeit. 1322 von ihnen hat das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) weltweit im Spätherbst befragt, um herauszufinden, wie sie die Lage einschätzen. Das nun im Rahmen des Weltwirtschaftsforums vorgelegte Ergebnis: leicht gesunkene Zuversicht für die Weltwirtschaft, leicht gestiegene Erwartungen fürs eigene Unternehmen. Das will nicht recht zusammenpassen.

Eine gewisse Ratlosigkeit

Allenfalls lässt sich aus dem Stimmungsbarometer eine gewisse kollektive Ratlosigkeit ableiten, die ja auch viele Entscheidungsträger in der Politik und in internationalen Gremien erfasst hat. Auffallend sind die grossen regionalen Unterschiede in der Einschätzung der Aussichten für die eigene Firma. Während in Indien, das von einer betont wirtschaftsfreundlichen Regierung geführt wird, fast zwei Drittel sehr zuversichtlich ins laufende Geschäftsjahr blicken, ist die Stimmung in Russland auf dem Nullpunkt. Nur noch 16 Prozent der Befragten sind sehr zuversichtlich. Im Vorjahr waren es noch 53 Prozent gewesen. Nur leicht besser sieht es in der Schweiz aus, wo nur noch jeder vierte der Befragten sich optimistisch gibt. Für 2014 waren es noch 42 Prozent.

Konstant durchwachsen ist die Stimmung in Europa, mit etwas grösserer Zuversicht im Norden als im Süden, während sich Nord- und Mittelamerika deutlich optimistischer zeigen und in China der Konjunkturhimmel sich leicht eingetrübt zeigt.

Die Grenzen zerfliessen

Unabhängig vom kurzfristigen Geschehen auf der Weltwirtschaftsbühne gibt es neue Herausforderungen, die das Zeug haben, die Unternehmenswelt zu verändern. Annika Falkengren erfährt, wie wahrscheinlich viele ihrer Kolleginnen und Kollegen in den Chefetagen, den raschen Technologiewandel am eigenen Leib. «Auf einmal sind wir, die wir das Internet nutzen, zu Dinosauriern geworden, wenn wir uns mit der nächsten Generation vergleichen. Sie nutzen Mobiltelefone im Alltag und sind täglich auf unserer mobilen Bank», sagt die Direktorin der schwedischen Skandinaviska Enskilda Banken. «Beim Internetbanking loggen sich die Teilnehmer vielleicht noch einmal wöchentlich ein. Und wie oft sehen wir unsere Kunden in Schweden noch am Schalter? Einmal jährlich.»

Für Vishal Sikka, der als Chef des indischen Softwaregiganten Infosys diesen Wandel selbst vorantreibt, hat die digitale Revolution erst begonnen: «Die Grenzen zwischen den Branchen und Industrien zerfliessen, weil die digitale Technologie uns alle so stark beeinflusst. Für die nächste Generation erfolgreicher Unternehmen heisst die grosse Herausforderung: das Bestehende neu erfinden.» Die Strategie vieler Firmen lautet: Kooperation mit jenen, die mehr vom digitalen Geschäft verstehen. Die Mehrheit sieht jedenfalls mehr Chancen als Risiken. (uf)