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CS-Präsident Urs Rohner: Er ist nicht wegzukriegen

Urs Rohner hält sich trotz Skandalen und Kehrtwenden seit acht Jahren an der Spitze der Credit Suisse. Vieles deutet darauf hin, dass er auch den jüngsten Sturm überstehen wird.
Andreas Möckli
Vieles deutet darauf hin, dass Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner auch den jüngsten Sturm überstehen wird. Bild: Getty Images

Vieles deutet darauf hin, dass Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner auch den jüngsten Sturm überstehen wird. Bild: Getty Images

Die Schlagzeilen sind kritisch bis verheerend. «Tschau Urs», lautet etwa ein Titel aus dem vergangenen Jahr. «Im Sturm» oder «Urs Rohner hat sich arg verschluckt» sind andere Beispiele. Wenn es eine Konstante gibt, dann ist es die Kritik an seinem Wirken als Präsident der Credit Suisse. Seit 2011 hält sich der 59-jährige Zürcher an der Spitze der Grossbank.

Bislang hat der einstige Schweizer Meister im Hürdenlauf sämtliche Hindernisse überwunden. Daran ändern Bussen von über neun Milliarden Franken ebenso wenig, wie der Aktienkurs, der in seiner Zeit als Präsident um rund 70 Prozent gefallen ist.

Ist nun die Beschattungsaffäre rund um Ex-CS-Topmanager Iqbal Kahn der eine Skandal zu viel? «CS-Geheimplan: Rohner weg, Thiam forever», titelt das Finanzportal «Inside Paradeplatz» am Freitag. Die Grossaktionäre der Bank wollten unbedingt Konzernchef Tidjane Thiam halten, Rohner dagegen müsse bluten.

Übersteht Rohner einmal einen Sturm?

Die von Rohner und dem Verwaltungsrat gewählte Strategie ist nicht ohne Risiko. Die Beschattung Khans sei ein Sololauf des operativen Chefs Pierre-Olivier Bouée gewesen, lautet die Deutung des CS-Präsidenten Anfang dieser Woche an einer Medienkonferenz. Als Beleg dient ihm eine Untersuchung der Anwaltskanzlei Homburger, welche die Bank in Auftrag gab, als der Skandal aufflog. Rohner sagte:

«Tidjane Thiam hat mir bestätigt, dass er nichts von dem Auftrag wusste. Es gibt für den Verwaltungsrat keinen Grund, daran zu zweifeln.»

Sollten nun Hinweise bekannt werden, wonach Thiam trotz dieser Darstellung über die Überwachung im Bild war, dann wird auch Rohner stark unter Druck kommen. Doch vieles deutet darauf hin, dass er auch den jüngsten Sturm überstehen wird. Einmal mehr.

Gründe, um ihn abzusetzen, hätte es zur Genüge gegeben. An Skandalen, Fehltritten und Milliardenbussen mangelt es auf jeden Fall nicht. Legendär sind auch seine Kehrtwenden. Das beginnt bereits gut ein Jahr nach seiner Inthronisierung. Im Sommer 2012 übt die Nationalbank scharfe Kritik am mangelnden Kapitalpolster der CS. Die Bank müsse ihr Eigenkapital dringend weiter erhöhen, um im Falle einer Krise besser gewappnet zu sein.

Strategie-Umkehr innerhalb eines Monats

Die CS trifft die Schelte völlig unvorbereitet. Der damalige Konzernchef Brady Dougan zeigt sich enttäuscht und überrascht von den Forderungen der Nationalbank. Eine Kapitalerhöhung? Unnötig. Unter grossem Druck meldet sich sogar der Verwaltungsrat öffentlich zu Wort und stützt dabei Dougan. Weniger als ein Monat später folgt die Umkehr: Nun will die Bank ihr Eigenkapital bis Ende Jahr um 15,3 Milliarden Franken aufstocken. Drei Jahre später wiederholt sich die Geschichte.

Eine Kehrtwende unternimmt Rohner auch mit der Sparte Investmentbanking. Als die Rivalin UBS ankündigt, dieses Geschäft massiv zu verkleinern, hält der CS-Präsident daran fest:

«Wir haben in diesem Bereich eine andere Marktposition und deshalb auch eine andere Sicht.»

Doch unter dem neuen Konzernchef Tidjane Thiam wird auch diese Erkenntnis rasch geopfert. Die Ernennung des heute 57-jährigen Ivorers gilt als Rohners bedeutendster Entscheid. Böse Zeugen sagen, es sei sein einziger wirklich wichtiger Beschluss gewesen. Ohnehin wird ihm vorgeworfen, er habe zu lange an Dougan festgehalten. Dies gesteht er mittlerweile auch ein: «Aus heutiger Sicht hätte ich allerdings den Führungswechsel schneller durchziehen sollen», sagt er in einem Interview Ende letzten Jahres.

Mit Thiam, der vom britischen Versicherer Prudential zur CS wechselt, wird die Frage erneut virulent, ob Rohner überhaupt ein echter Banker sei. Als Bank ohne Banker werde die CS verspottet, schreibt die «Bilanz». Rohner, der vor dem Jahr 2000 bei der renommierten Anwaltskanzlei Lenz & Staehelin arbeitete, gelte als TopJurist. Echte Fronterfahrung in der Finanzindustrie gehe ihm jedoch ab. Wie lange man denn bitte bei einer Bank sein müsse, um als Banker zu gelten, fragt Rohner zurück.

Rohner hat in acht Jahren rund 30 Millionen verdient

Weggefährten des 59-Jährigen sagen dagegen, er habe selbst bei kompliziertesten Bankgeschäften den Durchblick. Sie beschreiben Rohner als hoch intelligent, er sei ein guter Stratege. Unglaublich fleissig, häufige Büropräsenz und intensives Aktenstudium sind weitere Attribute. «Es gab unendlich viele Versuche Thiam zu bremsen, vor allem wenn es darum ging, die Kosten zu senken», sagt ein Kenner. Rohner habe Thiam stets den Rücken freigehalten und damit die Bremser in der Bank ins Leere laufen lassen.

Ins Leere laufen auch die Kritiker ausserhalb der Bank. Die Managerlöhne der CS sorgen wiederholt für scharfe Kritik. Rohner alleine erhält in den acht Jahren als Präsident rund 30 Millionen Franken, der Grossteil in bar. Kleinaktionäre und Grossinvestoren äussern sich mehrfach kritisch. Wiederholt erhält Rohner eine veritable Ohrfeige, als die Zustimmung zum Vergütungsbericht an den Aktionärstreffen sehr tief ausfällt. Doch um seine Wiederwahl muss sich Rohner nicht fürchten. Sein Zustimmungswert als Präsident fällt nie unter 89 Prozent.

Die Aktionäre erfolgreich bei der Stange gehalten

Was ist also Rohners Geheimnis? Er hat es geschafft, die wichtigsten Investoren für sich zu gewinnen. Im Gegensatz zu anderen Firmen sind die Aktien der CS nicht so breit gestreut. So halten die sieben grössten Aktionäre der Bank gut 30 Prozent aller Anteile. Kommt hinzu: Die beiden gewichtigen Aktionäre, sie saudische Olayan Group und der katarische Staatsfonds erhalten dank sogenannter Pflichtwandelanleihen über Jahre eine attraktive Rendite. «Die beiden Investoren waren im Verwaltungsrat vertreten und wahrscheinlich eher unkritisch», sagt Vincent Kaufmann, Direktor der Genfer Anlagestiftung Ethos.

Sie gehört zu den schärfsten Kritikerinnen Rohners und hat an den drei letzten Generalversammlungen gegen seine Wiederwahl gestimmt. Laut Berechnungen von Ethos erhalten die beiden Aktionäre dank der attraktiven Zinsen der Anleihen in sechs Jahren rund 2,6 Milliarden Franken.

Und so sieht vieles danach aus, dass Rohner bis zum Ende seiner offiziellen Amtszeit im Jahr 2021 bleiben wird. Einst sagt er in einem Interview: «In jedem Hürdenrennen gilt es, zehn Hürden zu überspringen. Ob jede Hürde ein Jahr darstellt – das will ich so nicht quantifizieren.» Gut möglich jedoch, dass er das genauso sieht.

Trotz Kritik und Skandalen kann sich Rohner halten

Nach vier Jahren als Chef des Medienhauses ProSiebenSat.1 wechselt Urs Rohner 2004 zur Credit Suisse. Dort beginnt er als Chefjurist in der Konzernleitung, zwei Jahre später wird er zusätzlich operativer Chef. 2009 folgt seine Wahl in den Verwaltungsrat.

2011 Im April übernimmt Urs Rohner das Präsidium der Credit Suisse.

2012 Die Nationalbank übt im Sommer scharfe Kritik am Kapitalpolster der CS. Zuerst weist die Bank dies vehement zurück, nur um kurze Zeit später das Eigenkapital deutlich aufzustocken. Rohner wird an der Generalversammlung mit 90,6 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

2013 Es ist das letzte Jahr, in dem die Verwaltungsräte nur alle drei Jahre gewählt werden. Rohner muss sich deshalb nicht zur Wahl stellen.

2014 Die Credit Suisse bekennt sich in den USA der Beihilfe zur Steuerflucht amerikanischer Bürger schuldig. Sie willigt dafür in einen 2,8 Milliarden Dollar schweren Vergleich ein. Von einer Schuld will Rohner nichts wissen: «Persönlich haben wir eine weisse Weste». Der Satz sorgt weitherum für Empörung. Rohner wird mit 92,7 Prozent wiedergewählt.

2015 Urs Rohner ernennt Tidjane Thiam zum neuen CS-Chef, der Brady Dougan ablöst. Rohner erzielt bei seiner Wahl mit 96,3 Prozent sein bestes Resultat.

2016 Wegen ihrer Rolle in der US-Hypothekenkrise wird die Credit Suisse in den USA zu einer Rekordbusse von 5,3 Milliarden Dollar verdonnert. Damit entgeht die Bank einer Anklage. Der Aktienkurs fällt im Juli kurz unter 10 Franken. Rohner erhält 92,2 Prozent aller Stimmen.

2017 Erstmals ist Rohner mit einer Rücktrittsforderung konfrontiert. Die Genfer Anlagestiftung Ethos sagt, die CS brauche einen Neustart, Urs Rohner sei dafür der falsche Mann. Dennoch wird er mit 90,6 Prozent aller Stimmen wiedergewählt.

2018 Die Bank legt im Februar die Ergebnisse vor. Es ist der dritte Jahresverlust in Folge. Rohner wird dennoch mit 89,5 Prozent der Stimmen gewählt.

2019 Die Zahlen der Bank verbessern sich. Rohner erhält bei seiner Wahl 93,2 Prozent aller Stimmen. Im September wird der Beschattungsskandal um Ex-Topmanager Iqbal Kahn bekannt. (mka)

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