Kommentar

Noch sitzt CS-Chef Thiam fest im Sattel - aber die Aufseher könnten ihn stürzen

Die Nerven liegen blank bei Tidjane Thiam, dem Chef der Credit Suisse. Seit der Beschattungsaffäre um den abtrünnigen Star-Banker Iqbal Khan zeigt der sonst so souveräne Thiam ungewohnte Schwächen. Muss er um seinen Job fürchten? Ein Kommentar.

Patrik Müller
Drucken
Teilen

Am Montag reagierte Thiam gereizt auf einen Medienbericht, in dem es hiess, er habe von Khan verlangt, «schmutziges Material» gegen den früheren Europachef der CS zu sammeln. «Komplett falsch und verleumderisch» sei der Artikel in der «NZZ am Sonntag», gab Thiam auf Instagram zurück.

Muss Thiam um seinen Job zittern? Zurzeit nicht. Die Aufregung in der Schweiz ist gross, aber die mehrheitlich ausländischen Grossaktionäre der CS stehen hinter Thiam. Im Verwaltungsrat hat Thiam nicht nur Freunde. Doch das Aufsichtsgremium möchte vermeiden, dass Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner fast zeitgleich abtreten. Rohner verlässt die CS wegen der Amtszeitbeschränkung in rund einem Jahr. Also soll Thiam, so der Plan, deutlich darüber hinaus Chef bleiben, wie diese Zeitung aus verlässlichen Quellen weiss.

Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse, vergangene Woche am WEF in Davos.

Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse, vergangene Woche am WEF in Davos.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Ruhig schlafen kann Thiam trotzdem nicht. Denn bald hat die CS die Aufseher der Finanzmarktaufsicht (Finma) im Haus. Sie werden auch Thiam und seinen geschassten Ex-Vertrauten Pierre-Olivier Bouée befragen. Sollten die Aufseher herausfinden, dass Thiam eben doch etwas über die Beschattungsaktion gewusst hat, entgegen seinen Beteuerungen, wären seine Tage gezählt - noch bevor Rohner im Frühling 2021 abtritt.

Mehr zum Thema