Löhne und Abfindungen

Credit Suisse weist die Millionen ihrer Chefs aus – doch was ist mit Brady Dougan?

CS-Chef Tidjane Thiam hat im vergangenen Jahr 4,57 Millionen Franken Lohn erhalten. Etwas weniger als im Vorjahr hat CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner bezogen, nämlich 3,2 Millionen Franken. Doch da gibt es noch eine andere Zahl, die seit Monaten interessiert.

Drucken
Teilen
Der ehemalige CS-Chef Brady Dougan hat eine Abgangsentschädigung erhalten. Doch um die Höhe wird ein Geheimnis gemacht.

Der ehemalige CS-Chef Brady Dougan hat eine Abgangsentschädigung erhalten. Doch um die Höhe wird ein Geheimnis gemacht.

Keystone

CS-Chef Tidjane Thiam hat im vergangenen Jahr 4,57 Millionen Franken Lohn erhalten. Etwas weniger als im Vorjahr hat CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner bezogen, nämlich 3,2 Millionen Franken.

Die spannendste Frage beantwortet der Geschäftsbericht der Credit Suisse (CS) nicht: Die Bezüge des im vergangenen Juni ausgeschiedenen CEO’s Brady Dougan. Die CS legt nur den höchsten Lohn eines Mitglieds der Konzernleitung offen. Robert Shafir, der im Oktober aus der Konzernleitung ausgeschiedene Co-Chef des Vermögensverwaltungsgeschäfts, kam auf 7,9 Millionen Franken – für zehn Monate.

Dougan erhielt 2014 10 Millionen

Ob Dougan mehr verdient hat, kann nur gemutmasst werden. 2014 hatte er noch 9,7 Millionen Franken verdient. Sein Nachfolger, Tidjane Thiam, erhielt 4,57 Millionen Franken für die knapp sechs Monate, die er 2015 bei der CS verbracht hat. Allerdings verzichtete der Ivorer auf 40 Prozent seines Bonus, „wegen des schwächeren Finanzergebnisses“ der Grossbank, wie im Geschäftsbericht vermerkt wird. Der Bonus für Thiam wurde deshalb um rund 1,9 auf 2,86 Millionen Franken reduziert.

Insgesamt hat der neue CS-CEO mehr Geld ausbezahlt bekommen als offiziell als Vergütung ausgewiesen ist. Gemäss dem am Donnerstag veröffentlichten Vergütungsbericht erhielt er zusätzlich zum Lohn eine Kompensationszahlung von 14,3 Millionen Franken für verlorene Boni-Ansprüche beim vorherigen Arbeitgeber Prudential. Diese Ersatzzahlung mit eingerechnet, strich Thiam 18,9 Millionen Franken ein.

Die 17 Geschäftsleitungsmitglieder der CS erhielten zusammen 64,2 Millionen Franken. Die Ersatzzahlungen für entgangene Boni beim Ex-Arbeitgeber für Thiam und ein weiteres Mitglied eingerechnet sind es 80,4 Millionen Franken. Davon flossen Boni in der Höhe von 21 Millionen an fünf aus der Konzernleitung ausgeschiedene Personen, darunter auch Brady Dougan und Robert Shafir. Im Vorjahr hatte die damals 11 Personen umfassende Geschäftsleitung total 64,1 Millionen Franken erhalten.

3,2 Millionen für Urs Rohner

Die Vergütung von CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner belief sich im vergangenen Jahr auf 3,2 Millionen Franken– in bar. Er verzichtete laut Jean Lanier, dem Vorsitzenden des Vergütungsausschusses, „freiwillig auf sein Vorsitzhonorar von 1,5 Millionen Franken“. 2014 waren es noch 3,6 Millionen gewesen. Damals verzichtete Rohner auf die Hälfte seines Vorsitzhonorars wegen der für die Beilegung des US-Steuerstreits bezahlten Busse in Milliardenhöhe durch die Grossbank. Allerdings erhielt er damals Aktien im Gegenwert von einer Million.

Im Unterschied zum letzten Jahr verzichteten die anderen Verwaltungsratsmitglieder nicht ebenfalls auf einen Teil ihrer Entschädigung. Deshalb stieg die Gesamtvergütung aller Verwaltungsräte von 9,1 auf 9,9 Millionen Franken. Entgegen der Spekulationen über einen möglichen Rücktritt stellt sich Rohner zur Wiederwahl. Im kommenden Jahr soll der Verwaltungsrat personell verstärkt werden.

An der Generalversammlung Ende April sollen die Aktionäre nach dem Willen des Verwaltungsrats den fixen Teil der Vergütung und die langfristige leistungsbezogene Vergütung der Geschäftsleitung im Voraus genehmigen. Über die kurzfristigen variablen Boni soll dann im Nachhinein entschieden werden.

Geschäftsleitung soll 117 Millionen erhalten

Insgesamt beantragt der Verwaltungsrat eine maximale Vergütung von 12,0 Millionen Franken für sich selbst für die Periode bis zur ordentlichen Generalversammlung 2017. Die gesamte Geschäftsleitung soll maximal rund 117 Millionen Franken erhalten. Mit den Anträgen könnten also die Löhne erhöht werden.

Der Bonustopf für alle Mitarbeiter betrug 2015 total 2,9 Milliarden Franken. Das entspricht laut Lanier einer Reduktion von elf Prozent gegenüber 2014 sowie von 19 Prozent gegenüber 2013. Der Pool für die Investmentbanker ist um mehr als 30 Prozent kleiner als gegenüber dem Vorjahr. Damit werde, so Lanier, „die schwache Performance der Division“ im vergangenen Jahr berücksichtigt. Insgesamt sank die Gesamtvergütung aber nur um rund 90000 Franken auf 10,6 Milliarden Franken, weil der Anteil der fixen Vergütung gegengegenüber dem Vorjahr entsprechend höher ausfiel, wie im Geschäftsbericht angemerkt wird.

CS-Durchschnittslohn: 226'000 Franken

Im Schnitt verdiente ein CS-Mitarbeiter im vergangenen Jahr 226'000 Franken. Von den durchschnittlich 47000 Beschäftigten gab es allerdings eine Gruppe von 835 Personen, die im Schnitt gar 1,7 Millionen Franken kassierten. Das sind die sogenannten „Risk Takers“. Dazu zählen Kaderangehörige bis hin zu den Mitgliedern der Konzernleitung, aber auch beispielsweise Händler, die grosse Gewinne, aber auch grosse Verluste erzielen können. Zum Vergleich bei der UBS kamen die 669 „Risk Takers“ im Schnitt gar auf 2,3 Millionen Franken.

Der variable Anteil des Salärs dieser CS-Mitarbeiter beläuft sich auf mehr als 50 Prozent. Für diesen Teil erhalten sie Wertschriften, die während mehreren Jahren gesperrt sind. Ein Teil kann verfallen, wenn bestimmte Leistungsziele in den kommenden Jahren nicht erreicht werden. Dieser variable, in Form von gesperrten Wertschriften ausbezahlte Anteil der Löhne aller CS-Mitarbeiter wurde im letzten Jahr von 48 auf 43 Prozent gesenkt. Damit fällt auch das Risiko kleiner aus, dass Saläranteile verfallen können. (sei/sda)

Und das verdienen die CEOs der grössten Schweizer Firmen: