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Credit Suisse muss nachsitzen

Zwei Aufsichtsverfahren im Bereich Geldwäschereibekämpfung enden für die Schweizer Grossbank glimpflich. Im Fokus stand unter anderem ein fehlbarer Kundenberater, der trotz Veruntreuung honoriert wurde.
Daniel Zulauf
«Unzulänglichkeiten im geschäftlichen Umgang», so das Verdikt der Finma gegenüber der CS. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 14. Februar 2018))

«Unzulänglichkeiten im geschäftlichen Umgang», so das Verdikt der Finma gegenüber der CS. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 14. Februar 2018))

Externe Aufpasser geben sich bei der Credit Suisse die Türklinke in die Hand. Ebenerst hat Neil Barofsky sein Pult geräumt, von dem aus der amerikanische Anwalt das Wohlverhalten der Grossbank überwachte, zu dem sich das Institut 2014 nach Zahlung einer Milliardenstrafe im Steuerstreit verpflichten musste.

Der nächste Aufpasser kommt aus der Schweiz und soll im Auftrag der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) dar­über wachen, dass die Bank die soeben von der Behörde angeordneten Massnahmen zur Behebung verschiedener Mängel im Kampf gegen die Geldwäsche in angemessener und wirksamer Weise umsetzt.

CS habe Risiken zu spät erkannt

Die Bank habe im Zusammenhang mit mutmasslichen Korruptionsfällen im internationalen Fussballverband (Fifa) sowie in den staatlichen Erdölkonzernen Petrobras (Brasilien) und PDVSA (Venezuela) gegen aufsichtsrechtliche Pflichten zur Bekämpfung der Geldwäsche verstossen, gab die Finma gestern nach Abschluss eines sogenannten Enforcementverfahrens bekannt. Mängel seien insbesondere bei der Identifikation von Kunden und Vertragsparteien wie auch bei der Erkennung erhöhter Risiken im Umgang mit solchen Adressen und in der Dokumentation festgestellt worden. Der untersuchte Zeitraum betraf die Jahre 2006 bis 2016. Überdurchschnittlich viele Fehler seien bei der früheren Tochtergesellschaft Clariden Leu festgestellt worden, die erst 2012 definitiv in die Credit-Suisse-Gruppe integriert worden war.

In einem zweiten Enforcementverfahren konstatierte die Finma verschiedene Unzulänglichkeiten im geschäftlichen Umgang mit einer politisch exponierten Person, für die besondere Sorgfaltspflichten gelten. Bei der Person handelt es sich gemäss zuverlässigen Quellen um den früheren georgischen Premierminister Bidzina Ivanishvili. Dieser war in den Jahren 2007 bis 2011 Opfer eines ausser Kontrolle geratenen Kundenberaters geworden, der Gelder aus Ivanishvilis Vermögen abgezweigt hatte, um einerseits Löcher in den Portefeuilles seiner anderen vermögenden Kunden russischer Herkunft zu stopfen und anderseits um sich selber zu bereichern. Der Kundenberater wurde im Februar von einem Genfer Gericht wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung und ungetreuer Geschäftsführung zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Die Credit Suisse habe die erhöhten Risiken der Geschäftsbeziehung zu Ivanishvili zu spät ­erkannt und die nötigen Abklärungen nur mangelhaft vorgenommen, kritisiert die Finma. Zudem sei der fehlbare Kundenberater für seine vermeintlich erfolgreiche Arbeit mit hohen Entschädigungen honoriert und mit positiven Mitarbeiterbeurteilungen ausgezeichnet worden, obschon er «über mehrere Jahre hinweg wiederholt und aktenkundig» Vorschriften der Bank verletzt habe. «Der Sonderstatus des Kundenberaters führte dazu, dass dieser ungenügend kontrolliert wurde», schreibt die Finanmarktaufsicht weiter.

Im Unterschied zu Steuerstreit sieht die Bank diesmal aber nur die gelbe Karte. Die Behörde attestiert ihr «teilweise substanzielle Verbesserungen», die diese seit Ende 2015 unter Führung von Lara Warner im Bereich der Compliance und insbesondere im Bereich der Geldwäschereibekämpfung durchgesetzt habe. Die beiden Fälle ziehen weder finanzielle Strafen noch Beschränkungen der Geschäftstätigkeit nach sich. Gegenüber dem Aufpasser muss die Credit Suisse nun aber beweisen können, dass sie die Risiken ihrer Geschäftsbeziehungen tatsächlich erkennen und wirksam überwachen kann.

Bis Ende 2019 muss die Bank in der Lage sein, jede Kundenbeziehung per Knopfdruck umfassend darzustellen. Die CS verweist auf ihre Anstrengungen in den letzten drei Jahren. Man habe 800 zusätzliche Compliance-Spezialisten angestellt und für diese ein System für die Gesamtkundensicht ermittelt, das bereits 99 Prozent der Kundenaktivität abdecke. Der Aufwand ist allerdings auch zwingend, um der von Konzernchef Tidjane Thiam proklamierten Strategie des regelkonformen Wachstums («Compliant Growth») gerecht werden zu können. Seit der Aufhebung des steuerlichen Bankgeheimnisses haben alle international tätigen Schweizer Banken das Wachstum in den politisch besonders riskanten Schwellenländern stark angekurbelt.

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