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Chemie und Papier Holding AG tüftelt an einem Arzneigerät

In keiner andern Sparte wächst die Chemie und Papier Holding AG (CPH) so schnell wie im Verpackungsgeschäft. Nun überwindet sie eine Grenze in Richtung Medizinaltechnologie.
Rainer Rickenbach
Entwickler Wolfgang Grimm (links) und CEO Peter Schildknecht vor einem Palett mit Blisterverpackungen im Lager der Chemie und Papier Holding AG in Perlen. (Bild: Boris Bürgisser (14. September 2018))

Entwickler Wolfgang Grimm (links) und CEO Peter Schildknecht vor einem Palett mit Blisterverpackungen im Lager der Chemie und Papier Holding AG in Perlen. (Bild: Boris Bürgisser (14. September 2018))

Die Kunststoffverpackungen für Tabletten kennt jeder. Ein Druck vorne auf die Pille, und hinten kommt die Arznei durch die gebrochene Folie raus. Was weniger bekannt ist: Etwa jede vierte dieser sogenannten Blisterverpackungen weltweit stammt aus den Werken der Chemie und Papier Holding AG (CPH) mit Sitz in Perlen.

«Wir wachsen schneller als der Pharmamarkt. Unser Marktanteil in Europa beziffert sich heute auf über 25 Prozent», sagt Wolfgang Grimm, Geschäftsführer der CPH-Sparte Verpackungen. Alleine im ersten halben Jahr schnellte der Umsatz um gut 20 Prozent in die Höhe. Auch die Gewinnmarge zeigt seit Jahren nach oben. Vor allem in Asien und Südamerika geht die Post ab. Mehr als 400 Personen sind in Perlen, Müllheim (D), Suzhou (Volksrepublik China), Whip­pany (USA) und Anàpolis (Brasilien) im Verpackungsgeschäft der Unternehmensgruppe beschäftigt. Zu den Kunden zählen international tätige Pharmakonzerne wie Novartis, Roche oder Teva.

Gegen Asthma und Lungenerkrankungen

In der Gruppe entfallen 28 Prozent des Umsatzes auf den Verpackungsbereich. Gelingt es der Entwicklungsabteilung indes, ihr neustes Produkt zur Marktreife zu bringen, dürfte das Gewicht dieser Sparte innerhalb des Gesamtunternehmens noch schneller zunehmen, als es ohnehin schon der Fall ist. Beim Produktneuling handelt es sich um ein neuartiges Inhalationsgerät. Es soll in erster Linie Menschen mit Asthma, Lungen- und Atemwegserkrankungen das Leben erleichtern.

Das neue, patentierte Gerät trägt die Bezeichnung Perlamed-Blistair und erlaubt es, statt feste Tabletten künftig pulverförmige Medikamente einzupacken. Es setzt sich aus Pharmafolien zusammen und ist für den einmaligen Gebrauch entwickelt. Was zum Beispiel in Entwicklungsländern den Vorteil mit sich bringt, keine Krankheitserreger zu übertragen, wie es beim Gebrauch der herkömmlichen Geräte durch verschiedene Patienten vorkommen kann. Der Preis soll auch für Länder dieser Weltregionen erschwinglich sein. «Gemäss unseren Preismodellen kommt das neue Gerät bis zu 15 Inhalationen günstiger als die heutigen ‹Inhaler›», sagt Grimm.

Gerät könnte auch in die Schmerztherapie Eingang finden

Heute müssen Medikamente mit einem separaten In­halationsgerät aus Kunststoff eingenommen werden. Dies entfällt mit dem neuen Gerät. Denn die Verpackung ist gleichzeitig der Inhaler, über den die Patienten den medizinischen Wirkstoff ­einatmen. Die Anwendung ist einfach: Mit dem Zug an einer ­Lasche wird das pulverförmige Medikament in einer Kammer freigesetzt. Danach atmet der ­Patient die Dosis durch das Mundstück ein. Die Rückseite ist transparent, damit die Patienten erkennen, ob sie die ganze Dosis eingeatmet haben. Grimm geht davon aus, Perlamed-Blistair finde neben den Atemwegserkrankungen auch in der Schmerztherapie Verwendung. «Denn über Inhalation entfaltet sich die Wirkung des Medikamentes wesentlich schneller als über Tabletten.»

Noch sind die Tüftler in Perlen am Entwickeln. Die grösste Herausforderung ist aber bereits ­geschafft: Den Wirkstoff so zu verteilen, dass er im Zielort Lunge oder einem anderen Organ ankommt. Dafür sorgen spezielle Vertiefungen im Mundstück. Hergestellt wird Perlamed-Blist­air an einer Blistermaschine in einem einstufigen Prozess. Dort vollziehen sich Verformung, Pulverabfüllung und die Siegelung. Die Produktion passiert bei den Kunden, den Pharmafirmen vor Ort. Der Weg zu diesem Ziel nimmt freilich noch Zeit in Anspruch, denn die Medizinbranche ist von einem dichten Regel- und Testvorschriftenwerk umgeben. Grimm rechnet damit, dass es in drei oder vier Jahren so weit ist.

Ein enormes Marktpotenzial

Erste Pharmakonzerne haben bereits ihr Interesse an der Neuheit aus Perlen angemeldet. «Der Markt für Inhalationsgeräte ist riesig. Weltweit greifen Patienten jährlich mehrere Milliarden Mal zu Inhalationsgeräten», sagt Peter Schildknecht, CEO der CPH-Gruppe. Mit den Standorten auf den verschiedenen Kontinenten seien die Voraussetzungen für die Vermarktung gegeben. «Wir sind in Asien, Nord- und Südamerika und Europa jeweils nahe bei den Märkten und können die bereits bestehenden Beziehungen zu den dort aktiven Pharmaunternehmen nutzen. Zudem lassen sich so auch die Logistikkosten tief halten», so Schildknecht. Das neue Projekt hat das Unternehmen bereits eine grössere Summe an Entwicklungskosten gekostet.

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