Countdown hat begonnen

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Wenigstens wissen sie bei Opel jetzt, woran sie sind. Der Chef des neuen Eigentümers PSA Peugeot Citroën, Carlos Tavares, will rasch Resultate sehen. 2020 soll der deutsche Autobauer wieder Gewinn schreiben, just in jenem Jahr also, in dem die Abkommen mit den Gewerkschaften ablaufen. Der Fahrplan ist klar: Verfehlt Opel die Vorgabe, dürften Stellen abgebaut und vielleicht Werke geschlossen werden.

Vier Jahre sind keine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass Opel unter der Führung von General Motors (GM) seit 17 Jahren defizitär ist. Zwar haben die Deutschen die Qualitätsprobleme vergangener Dekaden überwunden, die Autos sind besser geworden, die Absatzzahlen zeigen sachte aufwärts. Aber auf einen grünen Zweig ist Opel nicht gekommen. Daran sind die Amerikaner mit schuld, etwa weil sie Opel von Märkten wie Nordamerika oder China fern gehalten haben, um ihren eigenen Marken hausinterne Konkurrenz vom Leib zu halten.

Gleichwohl darf Opel auf eine bessere Zukunft als Teil des französischen Autobauers hoffen. Und das nicht nur, weil GM bei anderen Tochtergesellschaften nicht viel Federlesens gemacht hat. So wurde die schwedische Saab an den dubiosen niederländischen Sportwagenbauer Spyker Cars verkauft, wurde nach einer Insolvenz chinesisch und hat keinerlei Autos mehr gebaut. Die australische GM-Tochter Holden wiederum muss noch diesen Spätherbst alle Fabriken im Stammland wegen zu hoher Kosten im Vergleich zur asiatischen Konkurrenz schliessen.

PSA Peugeot Citroën dagegen gilt als gut gemanagt, hat jüngst einen Milliardengewinn verbucht und beweist, dass es verschiedene Marken unter einem Dach zu führen versteht. Als Massenhersteller gut gebauter Kleinwagen liegt der Versuch nahe, Marktanteile über noch grössere Volumen zu gewinnen.

Schiere Grösse kann freilich nicht die alleinige Antwort sein. PSA und Opel, deren Autos vornehmlich in Europa fahren, müssen ihr Geschäft darüber hinaus internationalisieren. In ihren Massenmärkten sehen sie sich zudem von starker Konkurrenz wie Renault, Fiat, Ford, Hyundai sowie den Japanern herausgefordert. Zu den Gewinnern zählen wird, wer clevere Lösungen entwickelt punkto schärfere Umweltauflagen, Elektromobilität oder autonomes Fahren. Denn, wie es Carlos Tavares treffend formuliert: «Das Einzige, was uns schützt, ist Leistung.»