CORONATESTS
Bekämpfung der Pandemie: Thurgauer Start-up Misanto nimmt den Personalvermittler Adecco ins Boot

Schnelltests in Unternehmen, Spucktests für Mitarbeitende zu Hause: Um dieses Angebot auszubauen, spannt die Frauenfelder Firma Misanto mit Adecco zusammen.

Thomas Griesser Kym
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Misanto-Chef Thomas Krech im telemedizinischen Zentrum des Unternehmens.

Misanto-Chef Thomas Krech im telemedizinischen Zentrum des Unternehmens.

Bild: Donato Caspari (Frauenfeld, 15. Dezember 2020)

Die Misanto AG, gegründet 2016 in Frauenfeld als telemedizinisches Unternehmen, führt derzeit einen grösseren Teil der Coronatests im Thurgau durch. Doch die Firma mischt seit Auftauchen des Virus bei dessen Bekämpfung mit. So brachte Misanto Anfang 2020 eine App für medizinische Beratung auf den Markt. Diese kann nicht nur den Verdacht auf eine Coronainfektion feststellen, sie fragt auch nach unzähligen weiteren Symptomen und ermöglicht bei Bedarf den Chat mit einem Arzt.

Kurz darauf lancierte Misanto ein weiteres Angebot: Mit einem Bus testen Mitarbeitende des Start-ups die Belegschaften von Unternehmen sowie ganze Heime und Schulen. Und jüngst sorgte Thomas Krech, Arzt, medizinischer Leiter und Chef von Misanto, für Aufsehen mit seinem Vorschlag «In acht Tagen raus aus dem Lockdown». Seine Idee: Das ganze Land mit Antigen-Schnelltests, die an alle Haushalte und an die Grenzübergänge geschickt werden, in Windeseile zweimal durchtesten. Ist ein solcher Test positiv, soll ein PCR-Spucktest folgen. Zur Bewältigung der Logistik hat sich Misanto mit Post Logistics zusammengetan.

Coronatests, aber auch Impfungen

Über die Tests von Mitarbeitenden in Unternehmen sagt Thomas Krech:

«Bisher haben wir Verträge mit 60 Firmen.»

In diesen Verträgen geht es vor allem um Coronatests, aber teils auch um Impfungen wie beispielsweise gegen die Grippe. Thomas Krech sagt:

«Künftig könnten wir eventuell in Unternehmen auch Impfungen gegen das Coronavirus verabreichen.»

Dies passt zum jüngsten Vorschlag des Bundesamts für Gesundheit, wonach künftig auch Betriebsärzte die Mitarbeitenden impfen sollen. Thomas Krech jedenfalls sagt über Misanto:

«Wir sind bereit.»

Dies auch mit Blick darauf, dass Misanto bereits in Obwalden vom Kanton mit den Impfungen beauftragt ist.

Ausbau der logistischen und personellen Kapazität

Die Misanto-Coronatests für Unternehmen finden entweder mittels Antigen-Schnelltests durch geschultes medizinisches Personal am Ort statt oder mit PCR-Spucktests zu Hause. Thomas Krech sagt:

«Wir erhalten von Unternehmen ausschliesslich positive Rückmeldungen, denn Testen schafft Sicherheit und Vertrauen. Und genau das brauchen wir jetzt.»

Nun hat Misanto dafür den Personalvermittler Adecco an Bord geholt. Thomas Krech sagt:

«Wir haben einen starken Partner gesucht und gefunden.»

Der Grund: Mit dem Ausbau des Testens in den Unternehmen nimmt der logistische und der personelle Aufwand zu. Misanto als noch relativ kleines Unternehmen kann dies nicht mehr alleine stemmen, wie Krech sagt.

Bundesrat erhält Zustimmung von Adecco

In diesem Zusammenhang begrüsst Adecco auch den Entscheid des Bundesrats vom Freitag, eine proaktive Teststrategie finanziell zu unterstützen. Hierbei geht es neben fünf Gratis-Schnelltests pro Monat für die Bevölkerung aus der Apotheke auch um gepoolte PCR-Spucktests in Unternehmen. Dabei geben Mitarbeitende am Ort eine Speichelprobe ab.

Die Proben von jeweils vier, fünf oder zehn Mitarbeitenden werden durch einen geschulten Mitarbeiter gemischt (gepoolt) und von einem spezialisierten Labor analysiert. Ist eine Probe positiv, werden die mitgelieferten zehn Einzelproben des positiven Pools umgehend einzeln getestet, um den positiven Träger aufzuspüren.

Thomas Krech favorisiert seinen Plan A

Was hält Thomas Krech von diesem Vorgehen? Entscheidend sei, dass möglichst viele Personen möglichst schnell getestet würden. Insofern nennt er die Absicht des Bundesrats den Plan B. Lieber wäre ihm, wie er sagt, der Plan A würde umgesetzt, und das ist sein eigener Vorschlag «In acht Tagen raus aus dem Lockdown». Politisch ist diese Idee aber gegenwärtig nicht spruchreif.

«Wichtig ist jetzt aber eine Bündelung der Kräfte und eine hohe Teilnahme der Bevölkerung, damit dem Virus möglichst schnell der Boden entzogen werden kann», sagt Thomas Krech. «Dazu braucht es einen professionellen Krisenstab auf nationaler Ebene, der den Kantonen hilft, die Bundesstrategie schnell und effizient umzusetzen.»

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