Wirtschaftszahlen
Trotz Corona: Firmenkonkurse in der Ostschweiz gehen weiter zurück

Wie neueste Zahlen zeigen, bleibt die befürchtete Konkurswelle aus –zumindest in der Ostschweiz. In der West- und Südschweiz steigen die Zahlen. Doch im Mai zeigen die Zahlen auch aus der Ostschweiz nach oben.

Kaspar Enz
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Beizen mussten während Wochen schliessen. Die befürchtete Konkurswelle bleibt aber noch aus.

Beizen mussten während Wochen schliessen. Die befürchtete Konkurswelle bleibt aber noch aus.

Bild: Tobias Garcia, Wil, Januar 2021

Die Lockdowns und Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus erschwerten vielen Branchen den Betrieb, zum Teil mussten sie über Wochen schliessen. Stark betroffen waren insbesondere Wirtschaftszweige, die von kleinen Unternehmen geprägt sind, die oft über wenig Reserven verfügen: Gastronomen oder Coiffeure beispielsweise.

Hilfsmassnahmen wirkten

Gerade in diesen Branchen wurde deshalb wiederholt vor Pleitewellen gewarnt. Passiert ist aber bisher wenig, im Gegenteil. 2020 gingen so wenig Firmen Konkurs wie seit Jahren nicht mehr. Grund für das Ausbleiben der Konkurswelle sind Hilfsmassnahmen wie die Corona-Notkredite oder die ausgeweitete Kurzarbeit.

Diese zeigen weiter ihre Wirkung. Das zeigen neue Zahlen des Wirtschaftsinformationsdienstes Dun & Bradstreet. Danach sind die Firmenkonkurse in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um lediglich vier Prozent gestiegen. Dies ist auch deshalb ein moderater Anstieg, weil im Frühling letzten Jahres über mehrere Wochen ein Rechtsstillstand herrschte. Das heisst: Betreibungen und Konkurse waren von Mitte März bis Mitte April nicht möglich. Manche Kantone verlängerten die Frist gar bis im Juni. So schreibt Dun & Bradstreet:

«Es scheint, als ob die staatlichen Finanzspritzen nach wie vor ihre Wirkung entfalten und die Liquidität vieler Unternehmen sicherstellen.»

Die zu erwartende Konkurswelle verschiebe sich so noch weiter in die Zukunft.

Firmenkonkurse gehen in der Ostschweiz weiter zurück

Insolvenzen von Firmen von Januar bis Mai
Kanton/Region Jan-Mai 2020 Jan-Mai 2021 Veränderung
St.Gallen 93 88 -5%
Thurgau 63 56 -11%
Appenzell Ausserrhoden 11 9 -5%
Appenzell Innerrhoden 6 2 -67%
Ostschweiz inkl SH, GL, GR 219 196 -11%
Espace Mittelland 239 251 5%
Nordwestschweiz 198 217 +10%
Zentralschweiz 191 201 +5%
Zürich 277 250 -10%
Südwestschweiz 337 407 +21%
Tessin 103 112 +9
Schweiz 1564 1634 +4%

In der Ostschweiz ist keine Konkurswelle in Sicht

Allerdings zeigen sich in den Zahlen des Wirtschaftsinformationsdienstes beträchtliche Regionale Unterschiede. In den Kantonen im Südwesten, Genf, die Waadt und das Wallis, sind die Konkurse bereits deutlich angestiegen. In allen drei Kantonen stiegen die Insolvenzen von Firmen um rund ein Fünftel. Auch die Nordwestschweiz und das Tessin verzeichnen deutlich mehr Konkurse. Im Kanton Zürich und in der Ost- und Südostschweiz gehen die Firmeninsolvenzen aber weiterhin zurück.

Ob dieser Trend so anhält ist aber nicht sicher. Gesamtschweizerisch scheinen die Konkurse aber doch zu steigen, wie die Zahlen von Dun & Bradstreet zeigen. Im Mai 2021 meldeten schweizweit 425 Firmen Insolvenz an, das sind 72 mehr als im Mai 2020. Auch in der Ostschweiz stiegen die Zahlen. Im Kanton St.Gallen meldeten im Mai 34 Firmen Konkurs an, das sind 16 mehr als im Mai 2020, wie eine Auswertung von Dun & Bradstreet für diese Zeitung zeigt.

Acht der betroffenen Unternehmen kommen aus dem Gastgewerbe, das sind fünf mehr als 2020. In der Branche Unternehmensdienstleistungen meldeten sechs Firmen Konkurs an, im Handwerk vier. Seit Anfang Jahr nahmen die Konkurse im Gastgewerbe von 17 auf 29 zu, bei den Unternehmensdienstleistungen von 14 auf 18. Im Handwerk gingen sie von 38 auf 25 zurück.

Gründungsboom setzt sich fort

Deutlich gestiegen sind in den ersten Monaten dieses Jahres aber auch die Firmengründungen. Schweizweit wurden dieses Jahr bereits 21440 neue Firmen ins Handelsregister eingetragen, das sind rund 4000 mehr als in derselben Periode 2020. Die kantonalen Unterschiede sind hier geringer. Der Zuwachs von 24 Prozent in der Ostschweiz liegt leicht über dem Durchschnitt. «Offenbar gibt es viele Unternehmer*innen, die auch in der Coronazeit gute Geschäftsideen haben und davon überzeugt sind, dass diese funktionieren», schreibt Dun & Bradstreet.