Corona-Virus setzt Ostschweizer Brauereien zu: Die Schliessung aller Beizen hat auch dort die Zapfhahnen versiegen lassen

Keine Veranstaltungen und geschlossene Restaurants: Bierbrauern wie Locher, Schützengarten und Sonnenbräu ist mehr als die Hälfte ihres Geschäfts einfach weggebrochen.

Thomas Griesser Kym
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Keine offenen Beizen bedeutet kein Bierkonsum in Restaurants. Das verdirbt Brauern das Geschäft.

Keine offenen Beizen bedeutet kein Bierkonsum in Restaurants. Das verdirbt Brauern das Geschäft.

Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 18. März 2020)

Sonnenbräu-Chefin Claudia Graf findet deutliche Worte:

«Das ist dramatisch und trifft uns sehr hart.»

In der Summe verliert die Rebsteiner Brauerei rund 60 Prozent ihres Umsatzes, solange die Restriktionen des Bundesrats wegen der Corona-Krise andauern. Allein fast 40 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Sonnenbräu normalerweise im Direktvertrieb an die Gastronomie. Zählt man jene Sonnenbräu-Biere hinzu, die von Getränkehändlern an Restaurants, Bars usw. verkauft werden, kommt Graf auf einen Gastronomieanteil an ihrem Gesamtumsatz von «mindestens 50 Prozent».

Weitere 8 Prozent steuert normalerweise der Festservice bei, doch auch dieser hat derzeit nichts zu tun. Graf:

«Ganze Abteilungen stehen bei uns still.»

Begonnen hat die Misere mit dem Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Personen, das der Bundesrat Ende Februar verhängt hatte. «Damals hätten noch ein paar Fasnachtsveranstaltungen stattfinden sollen, die dann plötzlich wegfielen.»

Detailhandel kann die Verluste in der Gastronomie bei weitem nicht wettmachen 

Graf arbeitet mit Hochdruck daran, den Betrieb auf die neue Lage einzustellen. «Wir melden so rasch als möglich Kurzarbeit an», sagt die Sonnenbräu-Chefin. Darüber hinaus propagiert sie ihren Heimlieferservice und hofft auf etwas mehr Absatz im Detailhandel. Aber: «Allfällige Zuwächse in diesen Kanälen können die Ausfälle in der Gastronomie in keiner Weise auch nur annähernd kompensieren.»

Keine Sorgen macht sich Graf auf der Rohstoffseite. Die Lager seien gut gefüllt mit Hopfen und Braugerste, und diese seien lange haltbar.

Wo das Bier in Strömen fliessen sollte, läuft gar nichts mehr

Schützengarten erarbeitet «den grössten Teil der Absätze» in der Gastronomie und an Veranstaltungen und sei deshalb von der aktuellen Lage «besonders betroffen». Zum einen steigt der Bierabsatz für gewöhnlich in den Beizen in den ersten Frühlingswochen saisonbedingt stark an. Doch:

«Unsere Abverkäufe in den Gastronomiekanal haben in den letzten beiden Wochen markant nachgegeben und stehen seit drei Tagen gar komplett still».

Das schreibt Reto Preisig, Chef der St.Galler Brauerei, in einer Stellungnahme. Zudem sei das Segment der Veranstaltungen und Messen, von denen Schützengarten normalerweise monatlich 300 bis 400 bedient, «gänzlich weggebrochen».

Lob für die Mitarbeitenden

Nach der Absage der Fussball-EM mit ihren vielen absatzfördernden Public Viewings kalkuliert Preisig auch mit einem Szenario, wonach noch viele andere im Sommer anstehende Grossevents wegfallen könnten.

Zwei gute Nachrichten hat Preisig: Die Mitarbeitenden gingen «ausgesprochen ruhig und professionell» mit der Krise um und seien zuversichtlich, diese zu meistern. Und die Schützengarten-Verkäufe im Detailhandel, in den zehn eigenen Getränkeabholmärkten und im Heimlieferservice haben zugelegt.

Der Umsatzeinbruch ist «massiv»

Insgesamt aber sei der Umsatzeinbruch «massiv», schreibt Preisig. Mitarbeitende bauten deshalb Überstunden ab und bezögen Ferien. Anders als in der wärmeren Zeit üblich werde Schützengarten in den kommenden Wochen auf die Anstellung von Temporärkräften verzichten müssen. Im Zentrum stehe, die bestehenden Stellen zu erhalten, «wobei wir hier auf Unterstützungshilfe des Bundes angewiesen sein werden».

Weh tut Preisig sodann auch der Unterbruch der Super League. Im Stadion des FC St.Gallen wird Schützengarten ausgeschenkt, und im Schnitt werde pro Besucher ein Becher Bier getrunken. Bei vollem Haus mit 19'000 Zuschauern schenkt das ganz schön ein.

Kulant mit den Wirten

«Alle Arbeitsplätze erhalten ist das oberste Ziel», sagt auch Karl Locher, Mitinhaber der Appenzeller Brauerei Locher. Dass man Kurzarbeit anmelden werde, sei «sehr wahrscheinlich», da einzelne Abteilungen praktisch stillstehen. Auch Karl Locher sagt, die Gastronomie sei für ihn ein zentraler Absatzkanal, in dem er «einen grossen Teil des Umsatzes» erarbeite, und das bricht nun einfach weg, genauso wie die Belieferung von Veranstaltungen.

Die Schliessung der Beizen betreffe auch die Depositäre, also jene Händler, die für Locher Hotels und Restaurants beliefern. Karl Locher geht davon aus, dass Beizen einen Teil des bereits bezogenen Biers zurückgäben. Dieses werde dann bei Locher gelagert und nach und nach über den Detailhandel verkauft – was die Produktion neben der Schliessung der Gastronomieszene zusätzlich drossle. Karl Locher:

«Es ist für alle eine angespannte Lage.»

Und er verspricht, mit Kunden kulant zu sein.