Corona-Tests
Der Frust vor dem Abflug: Teure Corona-Tests bleiben am Flughafen unkontrolliert

Obwohl sich alle Beteiligten einig sind, wer für die Kontrolle von Corona-Tests am Flughafen zuständig ist, mehren sich Berichte von ungenügenden Kontrollen. Technische Verbesserungen könnten Abhilfe leisten.

Thaddäus Braun
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Passagiere am Flughafen Zürich: Die Kontrolle von Coronatests bleibt lückenhaft.

Passagiere am Flughafen Zürich: Die Kontrolle von Coronatests bleibt lückenhaft.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Sommerzeit ist Ferienzeit, so auch in der Schweiz. So haben seit Samstag die Schülerinnen und Schüler aus allen Kantonen Sommerferien. Und in vielen Büros herrscht trotz Rückkehr aus dem Home Office zunehmend Leere, da viele Arbeitende den Weg in Richtung Süden in Angriff nehmen. Der Weg in die Ferien wird nun auch wieder vermehrt mit dem Flugzeug absolviert. Dieser Strom an Reiselustigen wird wegen der Anerkennung des Schweizer Covid-Zertifikats durch die EU noch mehr befeuert.

Und dennoch herrscht weiterhin grosse Unsicherheit, welche Bestimmungen für welche Destination gelten. Während sich Geimpfte mittlerweile, zumindest in Europa, wieder relativ frei bewegen können, erwarten Personen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind, grössere Hürden. Immerhin dürfen diese Menschen in die meisten Länder einreisen, wenn sie am Flughafen einen negativen Antigen-Schnelltest oder einen negativen PCR-Test vorweisen können.

Lasches Kontrollsystem

Wer per Flugzeug verreisen will, muss entweder sein Covid-Zertifikat oder seinen negativen Test vor der Abreise vorzeigen. So ist es auf jeden Fall vorgeschrieben. Wie der «Blick» kürzlich berichtete, wurden alleine im Juni 700 Personen an Schweizer Flughäfen abgewiesen, weil sie die Einreiseregeln nicht erfüllten. Trotzdem funktioniert diese Kontrolle im Falle der negativen Coronatests nicht einwandfrei. Es häufen sich die Berichte, dass Personen viel Geld für einen teuren Corona-Test ausgeben, diesen aber am Flughafen nicht einmal vorzeigen müssen.

Auch CH Media-Leser Stefan Meier (Name von der Red. geändert) hat dies erlebt. Der Berner liess vor der Abreise nach Portugal für 160 Franken einen PCR-Speicheltest machen, am Flughafen Zürich wurde er aber kein einziges Mal danach gefragt. «Ich komme mir für blöd verkauft vor», sagt Meier. «Ich war sogar ziemlich nervös vor dem Flug und hoffte, alle Regeln ordnungsgemäss erfüllt zu haben.» Er kritisiert die laschen Kontrollen und befürchtet, dass sie Folgen haben könnten:

«Sprechen sich solche Vorfälle herum, dürften viele Passagiere auf den teuren Test verzichten.»

Dies würde wiederum die Gesundheit aller anderen Reisenden gefährden.

Grundsätzlich klare Zuständigkeiten

Doch wer ist überhaupt zuständig für das ordnungsgemässe Kontrollieren der Corona-Tests? Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weist auf Anfrage die Verantwortlichkeit von sich und schiebt sie den Fluggesellschaften zu. Ausserdem sieht das BAG keine Notwendigkeit, die Kontrollen aufgrund der aggressiveren Delta-Variante zu verschärfen.

Die Fluggesellschaften wie die Swiss übergeben ihrerseits die Kontrollaufgabe an Swissport, der weltgrössten Servicegesellschaft für Fluggesellschaften, die unter anderem das Check-in übernimmt. Jedoch bekräftigt Swissport, dass sie nur für die Überprüfung des Vorhandenseins der Dokumente, nicht aber die Kontrolle der Echtheit zuständig ist. Dafür seien «hoheitliche Organe» zuständig. Gemeint ist in Kloten die Kantonspolizei Zürich.

Einheitlich Testzertifikate

Obwohl also grundsätzlich klar ist, wer für die Kontrolle zuständig ist, werden nicht alle Passagiere nach ihrem Corona-Test gefragt. Was die Überprüfung auf jeden Fall sicherer und effizienter mache würde, wäre laut Swissport-Sprecherin Nathalie Berchtold die Einführung von einheitlichen Testzertifikaten, welche mittels QR-Code kontrolliert werden könnten.

Dass die Einführung solcher Zertifikate nicht unmöglich ist, zeigt das Covid-Impfzertifikat. Bleibt zu hoffen, dass das BAG auch bei den Testzertifikaten nachzieht. Es wäre ein wichtiger Schritt, damit eine Kontrolle aller Tests und damit die Gesundheit aller Passagiere gewährleistet ist. «Ich werde auf jeden Fall auch bei meinem nächsten Flug ein Test machen, sofern es vorgeschrieben ist», sagt Leser Stefan Meier. «Nur hoffe ich, dass er dann auch wirklich kontrolliert wird.»

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