Corona-Krise: Jedem zweiten Hotel geht schon bald das Geld aus

Die Hälfte aller Hotels wird bereits Ende April nicht mehr alle Rechnungen zahlen können. Das zeigt eine Blitzumfrage des Verbands Hotelleriesuisse, an der über 380 Betriebe teilnahmen.

Niklaus Vontobel
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Schweizer Hotels in der Corona-Krise.

Schweizer Hotels in der Corona-Krise.

Bild: Karl Mathis / KEYSTONE

Die Branche wird also durch das Corona-Virus in eine akute Liquiditätskrise gestürzt. Laut Umfrage wurden für März und April bereits 45 Prozent aller Buchungen storniert. Die befragten Hoteliers erwarten im Schnitt für den März einen Umsatzverlust von 47 Prozent.

Die Auslastung bricht ein. Im März werden nur 35 Prozent aller Zimmer belegt sein. Normalerweise wären es 64 Prozent. Im April werden es bloss 31 Prozent sein, wobei 55 Prozent üblich wären.

Schweizer Hotellerie steht nicht viel besser da als die italienische

Damit ist die Schweiz nicht weit weg von italienischen Verhältnissen. In Mailand kam die Hotellerie im Februar auf eine Auslastung von 93 Prozent. Am 1.  März waren es noch 8,5 Prozent. Venedig kam auf 6 Prozent. Das zeigen Zahlen von STR, einem internationalen Tourismusberater.

«Etwas Vergleichbares hat unsere Hotellerie noch nie erlebt», sagt Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse. In den bisherigen Krisen seien die Buchungen nicht derart schnell weggebrochen, nicht in diesem Ausmass. So hatte sich dies noch nicht abgezeichnet, als Züllig am Krisengipfel letzte Woche den Wirtschaftsminister Guy Parmelin traf. Züllig ging von einer viel geringeren Unterstützung aus, die zur Bewältigung der Krise nötig sei. Immerhin habe man ja Erfahrung: Sars, Vogelgrippe, Anschläge am 11.9.2001, Finanzkrise und zuletzt der Frankenschock.

Doch die Corona-Virus-Krise habe eine andere Wucht, sagt Züllig heute. Die Umfrage sowie direkte Rückmeldungen von Mitgliedern seien beunruhigend. Gut laufende Betriebe seien von einem Tag auf den anderen in existenzielle Not geraten. Ein Zürcher Hotel etwa habe im März letzten Jahres eine Auslastung von 90 Prozent gehabt. Nach zahlreichen Absagen sind es diesen März 20 Prozent.

Mit einer derart tiefen Auslastung überlebe ein Betrieb nicht lange, so Züllig. Zumeist dürften die Reserven nach drei Monaten aufgebraucht sein. Oftmals deutlich früher.

Es wird «brutal eng»

Von Konkursen will in der Branche niemand offen sprechen. Hinter vorgehaltener Hand heisst es aber: Die Zahl der Konkurse, die bislang über alle Krisen hinweg erstaunlich stabil war, werde unweigerlich zunehmen. Für alle jene Hotels, die selbst in guten Zeiten knapp über die Runden kamen, werde es nun «brutal eng».

Der Bund wird der gesamten Wirtschaft unter die Arme greifen müssen. Davon geht Züllig heute schon aus. «Gratis ist das nicht zu haben, das wird uns etwas kosten.»

Diesen Schluss zieht der oberste Hotelier zum einen aus der eigenen Umfrage. Sie liefert ein erstes Bild von den Schäden an einer stark exponierten Branche. Zum anderen zeige sich das Ausmass der Krise an den historisch einmaligen Schritten von Italiens Regierung, die das Land unter Quarantäne stellt. Und an Meldungen wie jene von der Swiss, welche die Hälfte aller Flugkapazitäten strich.

Nichts tun kommt teuer, als der Wirtschaft zu helfen

Der Zugang zur Kurzarbeit muss laut Züllig massiv erleichtert werden. Der Entscheid des Staatssekretariats für Wirtschaft gehe in die richtige Richtung. «Eine grosse Zahl von Betrieben wird vielleicht bis Anfang Sommer auf Kurzarbeit umstellen müssen.» Damit nicht weit verbreitet die Liquidität ausgehe, brauche es zinslose Darlehen. Die Zahlungen von Steuern müssten ausgesetzt werden.

Danach sei ein Impulsprogramm nötig, sagt Züllig. Man werde KMU helfen müssen, um so Arbeitsplätze zu retten. Dass dies nötig sei, wüssten «die in Bern» heute schon. Der Abbau von Schulden werde bis auf weiteres nicht möglich sein. Züllig: «Es gibt Schlimmeres. Die Schäden wären viel grösser, wenn man nichts tut.»

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