Soforthilfe wegen des Coronavirus für kleine und mittlere Unternehmen: «Damit es keinen Kahlschlag gibt»

Das Bundesprogramm für Überbrückungskredite an Firmen steht vor dem Start. Auch Geldhäuser wie die St.Galler Kantonalbank rüsten sich: «Wir sind parat.»

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen
Wegen der Corona-Krise vorübergehend ungenutzt: Arbeitsutensilien in einem Coiffeursalon.

Wegen der Corona-Krise vorübergehend ungenutzt: Arbeitsutensilien in einem Coiffeursalon.

Bild: Imago Images

«Es wird enorme Liquiditätsengpässe geben.» Das sagt Roland Ledergerber, Chef der St.Galler Kantonalbank (SGKB), nachdem der Bund die Schliessung aller Restaurants, Läden ohne Lebensmittel, Coiffeursalons usw. angeordnet hat und auch viele andere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wegen der Corona-Krise keine oder weniger Aufträge und Ar­beit haben als normal.

Um diesen Firmen zu helfen, hat der Bund in Windeseile verbürgte Covid-Überbrückungskredite auf den Weg gebracht. Das Programm läuft am Donnerstag an und hat ein Volumen von bis zu 20 Milliarden Franken. Ledergerber sagt darüber: «Das Programm ist volkswirtschaftlich extrem wichtig und richtig.» Denn:

«Das Vertrauen bleibt im System und die Zahlungsfähigkeit bleibt erhalten.»

Ohne solche Sofort­hilfe hingegen gäbe es «viele Konkurse und Arbeitslose und in der Folge mehr Sozialhilfefälle, eventuell eine lange Rezession und schliesslich weniger Steuereinnahmen.»

In Zusammenarbeit mit dem Krisenstab

René Walser von der St.Galler Kantonalbank.

René Walser von der St.Galler Kantonalbank.

Bild: PD

René Walser ist designierter Leiter Privat- und Geschäftskunden bei der SGKB. Er sagt, die Bank sei gerüstet für die erwartete Flut an Kreditgesuchen, und er verspricht:

«Wir werden in der Lage sein, so rasch und kulant wie möglich zu entscheiden.»

In Zusammenarbeit mit dem hauseigenen permanenten Krisenstab unter Leitung von Felix Buschor von der Geschäftsleitung hat sich die Bank schon seit Tagen vorbereitet, um auch Kredite unabhängig vom Bundesprogramm speditiv vergeben zu können.

Walser skizziert die Schritte, die man unternommen hat: Erstens wurden die Dokumentationserfordernisse auf das nötige Minimum reduziert, zweitens wurden an der Front die Eigenkompetenzen zur Kreditvergabe erhöht, und drittens hat die SGKB für Bedürfnisse, die darüber hinaus gehen, eine schnelle Linie ins Credit Office installiert. Diese Vorbereitungen kommen der SGKB nun auch für das Bundesprogramm zugute: «Über das vergangene Wochenende haben wir nochmals mit Hochdruck gearbeitet. Wir sind parat», sagt Ledergerber.

Unternehmen ersuchen um Aufschub der Ratenzahlungen

Erste Finanzierungsanfragen sind bei der SGKB schon vergangene Woche eingetrudelt. Bis Freitagabend waren es rund 30, am Montag schon über 60. «Neun von zehn Anfragen sind Begehren um Amortisationsaufschübe», weiss Walser. Das heisst, Firmen bitten darum, die Rückzahlung fälliger Kredittranchen verschieben zu dürfen. «In der Regel haben wir Anfragen auf Aufschub um ein Jahr», sagt Walser. «Die meisten können rasch und unkompliziert bewilligt werden.»

Die Liquidität ist das Hauptthema. Aufträge brechen weg, Lieferketten sind unterbrochen, vielen Unternehmen geht das Geld aus. Während für betroffenen Arbeitskräfte das Instrument der Kurzarbeit ausgebaut wird, sollen die Covid-Kredite «die wirtschaftliche Substanz schützen, damit es keinen Kahlschlag gibt», wie Ledergerber sagt.

«Eine enorme Entlastung» für das Kleingewerbe

Das Programm sieht vor, dass Firmen Kredite bis zu 10 Prozent des Umsatzes oder maximal 20 Millionen Franken erhalten sollen. Am schnellsten geht es im ersten Gefäss: Beträge bis zu einer halben Million sollen von den Banken sofort ausbezahlt und vom Bund zu 100 Prozent garantiert werden. Der Bund rechnet damit, dass damit über 90 Prozent der von Covid betroffenen Firmen abgedeckt werden dürften, insbesondere viele kleine Unternehmen und Gewerbebetriebe. Ledergerber hält das für plausibel und sagt:

Roland Ledergerber, Chef der St.Galler Kantonalbank.

Roland Ledergerber, Chef der St.Galler Kantonalbank.

Bild: Ralph Ribi
«Gerade im Kleingewerbe ist das im Sinne einer Soforthilfe für Notfälle eine enorme Entlastung.»

Trotz des hohen Tempos und im Wissen, dass es «auch Trittbrettfahrer geben wird», sagt Ledergerber: «Lieber eine brauchbare Lösung in der Zeit als eine perfekte zu spät.» Und: «Wir haben auch eine Sorgfaltspflicht.»

Ausschlaggebend für Hilfe sind vier Kriterien

Was sind Voraussetzungen, um bis zu einer halben Million rasch und unbürokratisch zu erhalten? Der Entwurf der Covid-Verordnung listet vier Kriterien auf: Die Firma muss vor dem 1. März gegründet worden sein, sie darf sich nicht in einem Konkurs- oder Nachlassverfahren befinden, sie muss aufgrund der Covid-Pandemie «namentlich hinsichtlich ihres Umsatzes wirtschaftlich erheblich beeinträchtigt» sein, und sie darf nicht bereits Liquiditätssicherungen gestützt auf die notrechtlichen Regelungen in den Bereichen Sport und Kultur erhalten haben. Dank der vollumfänglichen Bürgschaft hat die Bank kein Risiko.

Anders sieht es aus im zweiten Gefäss für Beträge zwischen einer halben Million und 20 Millionen Franken. Hier garantiert der Bund für 85 Prozent der Summe. Das Risiko der übrigen 15 Prozent bleibt bei der Bank, die diesen Teil der Kredite mit Eigenmitteln unterlegen und Risikokosten mit einberechnen muss. Die Kredite sind denn auch nicht kostenlos, sondern werden mit einem Zins belegt, den der Bund in Absprache mit den Banken festlegen wird.

Zinssatz von maximal 1 Prozent?

Ledergerber hält maximal 1 Prozent für den vom Bund verbürgten Teil für realistisch. Der Zins wird auch auf Krediten aus Gefäss eins erhoben. Während diese sofort ausbezahlt werden, leitet die Bank Kreditgesuche aus Gefäss zwei nach einer kurzen Prüfung an eine zentrale Stelle weiter, nämlich die Wirtschaftsprüfgesellschaft PwC, und von dort geht er an die jeweils zuständige Bürgschaftsgenossenschaft (BG), im Fall der SGKB an die BG Ost-Süd, die grünes Licht erteilen muss. Da die Abwicklung elektronisch erfolgt, werde auch dieser Entscheid relativ rasch vorliegen.

Kreditgesuche über 20 Millionen Franken von Grossfirmen laufen separat und werden individuell beurteilt.

«Wir werden das meistern»

Die SGKB zählt zu ihren Kunden rund 13000 Geschäftskunden und viele Selbstständige. «Die Kreditgesuche werden sukzessive kommen», sagt Walser. Deren Bearbeitung «werde eine Herausforderung, aber gerade in Gefäss eins sei der administrative Aufwand vernünftig konzipiert:

«Mit Zusatzkräften von innerhalb der Bank werden wir das meistern.»