Corona-Effekt
Aktien auf Achterbahnfahrt: Warum macht den Börsen die Inflation so viel Angst?

In den USA stieg die Teuerung stärker als erwartet. Nachdem die Börsen zuerst in den Keller gefallen waren, erholten sie sich am Donnerstag wieder etwas. Vier Fragen und Antworten zu den Turbulenzen.

Patrik Müller
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Warum reden alle auf einmal wieder von Inflation, also Geldentwertung?

Weil in den USA am Mittwoch eine aufsehenerregende Zahl publiziert wurde: Der Konsumentenpreisindex, das Mass für die Inflation, stieg um 4,2 Prozent. So stark wurden Güter und Dienstleistungen innerhalb eines Jahres teurer.

Warum dieser Preisanstieg mitten in der Coronakrise?

Die Preise steigen nicht trotz, sondern wegen Corona. Viele Leute haben im Lockdown weniger ausgegeben – und konsumieren dafür jetzt umso mehr. Hinzu kommt, dass in den USA viele Menschen geimpft sind, sie verhalten und bewegen sich wieder wie vor der Krise. Mehr Nachfrage bedeutet höhere Preise. Die Teuerung bei Occasionsautos und Hotels beispielsweise beträgt enorme 10 Prozent. Zudem pumpt die US-Regierung von Joe Biden mit ihrem Ankurbelungsprogramm Abermilliarden von Dollar in die Märkte, und die Notenbank Fed hält die Zinsen tief, überschwemmt den Markt mit Geld. All das wirkt preistreibend.

Inflation zeigt doch, dass die Wirtschaft gut läuft. Warum dann die Nervosität an den Aktienmärkten?

Die Aktienmärkte sind generell sehr hoch bewertet. Vor allem Tech-Aktien. Da braucht es nicht viel, und die Kurse geraten ins Trudeln. Wie jetzt bei der aufkeimenden Inflationsangst. Drei Tage nacheinander fielen die Börsen, bevor sie sich am Donnerstag wieder erholten. Angst macht den Anlegern auch, dass in den USA die Löhne steigen. Denn die Arbeitgeber heuern Leute im grossen Stil an, Amazon vermeldete am Donnerstag ,75'000 zusätzliche Mitarbeiter anzustellen. In gewissen Branchen ist es in den USA bereits schwierig geworden, Personal zu finden. Das wirkt lohntreibend, sprich: Die Unternehmen haben höhere Kosten, ihre Profite könnten leiden.

Drei Tage gingen die US-Börsenindizes runter, am Donnerstag erholten sie sich wieder.

Drei Tage gingen die US-Börsenindizes runter, am Donnerstag erholten sie sich wieder.

Quelle: WSJ

Inflation, Löhne, Zinsen: Gelten diese US-Trends auch für die Schweiz?

Ja, aber in viel kleinerem Mass. Der Einbruch der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts war hier weniger ausgeprägt als in den USA. Die Arbeitslosigkeit nahm dank Kurzarbeit (gibt es in den USA nicht) vergleichsweise wenig zu. Die Börse fiel im März 2020 weniger und stieg auch weniger seither (der SMI legte seither um 30 Prozent zu, der Dow Jones verdoppelte sich fast). Die Zinsen sind in der Schweiz schon länger rekordtief, zuletzt zogen sie – etwa bei Hypotheken – aber leicht an.

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