Corona dämpfte den Gründergeist der Jungunternehmer - doch im Herbst könnte ein Gründungsboom kommen

Im April lag die Zahl der neugegründeten Unternehmen ein Viertel tiefer als im Vorjahr. Doch bereits im Juni boomten die Neugründungen wieder. Trotz Rezession dürften die Neugründungen im Herbst zunehmen.

Kaspar Enz
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Gesundheitsdienstleistungen wie Physiotherapie waren während des Lockdowns nicht möglich. So gingen auch die Neugründungen in dieser Branche zurück.

Gesundheitsdienstleistungen wie Physiotherapie waren während des Lockdowns nicht möglich. So gingen auch die Neugründungen in dieser Branche zurück.

Bild: Christin Klose

Die Coronakrise legte grosse Teile der Wirtschaft für einige Zeit lahm. Und auch die Unternehmensgründer waren in dieser Zeit zurückhaltend. Das zeigen Auswertungen der Schweizer Handelsregister des Instituts für Jungunternehmen (IFJ). Im Januar und Februar blieb die Zahl der Neugründungen im Vergleich zum Vorjahr noch stabil. Im März sank sie dann deutlich, im April brachen die Gründungen um über einen Viertel ein.

«Viele Gründer verschoben ihre Pläne, was wir auch in unserem Gründungsservice feststellten», sagt Pascal Hollenstein vom IFJ-Startup Support. Das IFJ selber habe aber einen regelrechten Boom an Gründungen erlebt, da diese hier nur mit einem Gang zum Briefkasten online abgewickelt werden könnten.

Auch Boombranchen zögerten

Das sei wohl auch ein Grund für den Rückgang in Branchen wie der Informatik, auch wenn diese in der Krise profitierte. Auch im Gesundheitswesen gab es weniger Gründungen. «Dazu gehören auch beispielsweise Physiotherapeuten und andere medizinische Dienstleister, die sich selbständig machen wollten. Während des Lockdowns waren viele in ihren Tätigkeiten eingeschränkt», sagt Hollenstein.

Am deutlichsten war der Rückgang im ersten Halbjahr aber bei Land- und Forstwirtschaft mit einem Rückang um über 18 Prozent. Auch im Grosshandel (- 14,4 Prozent) und im Bereich Kultur (-16,4) nahmen die Neugründungen stark ab. Um 5,6 Prozent gingen die Neugründungen in der Gastronomie zurück.

Bereits im Juni zeigte sich aber ein gewisser Nachholeffekt. 4445 Firmen wurde in diesem Monat schweizweit gegründet, 3595 waren es im Juni 2019. Damit sank die Zahl der Neugründungen schweizweit im ersten Halbjahr nur um 3,8 Prozent.

Thurgauer gründen trotz Corona

In der Ostschweiz lag dieser Wert gar nur bei 2,3 Prozent. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Kantonen gross: Im Thurgau nahmen die Gründungen im ersten Halbjahr von 606 im letzten Jahr auf 661 um fast zehn Prozent zu. Einen Einbruch verzeichnete der Thurgau tatsächlich nur im April. Bereits im Mai waren die Zahlen wieder höher als im Mai des Vorjahres.Im Kanton St.Gallen sank diese Zahl der Neugründungen im ersten Semester hingegen von 1175 auf noch 1088 in diesem Jahr. Hier war der Rückgang schon im März deutlicher als im schweizerischen Schnitt.

Trotz der scheinbar unausweichlichen Rezession ist Pascal Hollenstein für das zweite Halbjahr optimistisch. Dafür spreche auch das Interesse an den Gründungsberatungen des IFJ. «Auch haben während des Lockdowns viele Leute Ideen gehabt, die sie umsetzen wollen, oder sie wollen ein Hobby zu einem zweiten Standbein ausbauen», sagt er. Aus Erfahrung der letzten Jahren erwartet er zwar noch keinen Gründungsboom im Hochsommer. «Aber im Herbst dürften die Zahlen wieder hoch sein.»

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