Corona beschleunigt die Digitalisierung im Gesundheitswesen

In der Coronakrise nutzen Tausende Ärzte Tools für Videokonsultationen. Auch etablierte Telemedizinanbieter verzeichnen Zuwachs. Was bleibt nach dem Virus?

Kaspar Enz
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Auch im Kantonsspital Freiburg beraten neuerdings Ärzte ihre Patienten per Videokonferenz.

Auch im Kantonsspital Freiburg beraten neuerdings Ärzte ihre Patienten per Videokonferenz.

Bild: KY/Alessandro del Valle

Das Coronavirus und die Massnahmen gegen seine Ausbreitung werden in vielen Branchen zu einem Treiber der Digitalisierung. Auch im Gesundheitswesen setzen sich dank des Virus Smartphones und Videoberatungen immer mehr durch.

So stellt der Ärzteverband FMH seinen Mitgliedern seit dem 24. März ein kostenloses Tool für die Durchführung von Konsultationen per Video zur Verfügung. Bis anhin hätten rund 10'000 Ärzte das Angebot genutzt, sagt Yvonne Gilly, die im Zentralvorstand des Verbands für Digitalisierung zuständig ist. Die Anzahl der Gespräche nehme stetig zu und lag zuletzt bei etwa 500.

Bis anhin war die Skepsis der Telemedizin gegenüber sowohl in der Ärzteschaft wie in der Bevölkerung noch weit verbreitet. Das habe eine entsprechenden Umfrage der FMH vom November letzten Jahres gezeigt. 47 Prozent der Bevölkerung wollten danach die direkte Konsultation nicht ersetzen. Zahlen, die einen Gegentrend zeigen, lägen keine vor, sagt Gilli. «Die jetzige Situation kann durchaus als Chance für die Digitalisierung betrachtet werden», sagt Gilli. Welche Anwendungen Zuspruch finden, werde sich aber noch zeigen.

Telemedizin legt um einen Fünftel zu

Steigendes Interesse an Telemedizin und digitalen Angeboten verzeichnen aber nicht nur Start-ups wie die Frauenfelder Misanto. Auch etablierte Anbieter wie Medgate haben deutlich mehr zu tun. Die Telemedizin sei in den letzten 20 Jahren gewachsen und in der Schweiz etabliert, betont Medgate-Sprecher Cédric Berset. Trotzdem verleiht ihr die Coronakrise einen weiteren Schub. Er sagt:

«Seit Beginn der Krise verzeichnen wir eine Zunahme der telemedizinischen Beratungen und Behandlungen von rund 20 Prozent.»

Auch die Downloads der Medgate-App hätten massiv zugenommen. Viele Patienten würden mit der Beratung zu Hause das Ansteckungsrisiko minimieren, sagt Berset. So würden aber mehr Leute die Vorteile der Telemedizin kennen lernen. Viele würden sie wohl auch nach der Krise weiter nutzen.

Die Coronakrise eröffne aber auch weitere Chancen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Kantone, Spitäler oder Firmen fragten derzeit vermehrt bei Medgate nach Möglichkeiten zur Zusammenarbeit an. «Wir hoffen, dass diese Offenheit zur Zusammenarbeit im Gesundheitswesen auch in einer Zeit nach dem Coronavirus anhalten wird», sagt Cédric Berset. 

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