Coop verkürzt Lieferzeiten bei Onlinebestellungen – dank Zusammenarbeit mit Luzerner Firma Galliker

Um der stark ansteigenden Nachfrage nachzukommen, spannt Coop@home mit dem Altishofer Logistikkonzern Galliker zusammen. Dieser kann deswegen 120 Angestellte aus der Kurzarbeit zurückholen. 

Gregory Remez
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Seit Mittwoch in Betrieb: Provisorisches Lager für Coop@home-Produkte am Galliker-Standort Altishofen.

Seit Mittwoch in Betrieb: Provisorisches Lager für Coop@home-Produkte am Galliker-Standort Altishofen.

Nadia Schärli (8. April 2020)

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer weichen bei ihren Einkäufen auf Angebote im Internet aus – auch bei Lebensmitteln. Das bringt selbst die grossen Detailhändler an ihre Kapazitätsgrenzen. Während Coop und Migros ihre Kunden aktuell nur gestaffelt in die Filialen lassen können, werden deren Onlineshops förmlich überrannt. Die Nachfrage habe sich über die letzten Wochen mehr als verdoppelt, sagt Philippe Huwyler, Leiter von Coop@home.

Zuletzt war deshalb immer öfter von Kunden zu hören, die keinen freien Liefertermin mehr erhielten oder mehrere Tage auf ihre Bestellung warten mussten. Eine missliche Lage für all jene, die nicht in die Supermärkte sollten. Coop-Chef Joos Sutter erklärte die Corona-bedingten Lieferverzögerungen jüngst mit einem Gleichnis: «Stellen Sie sich eine Garage für zehn Velos vor, in der man plötzlich Tausende Räder unterbringen will. Das ist unmöglich, denn die Garage ist zu klein», sagte er gegenüber der «Sonntagszeitung». Das Problem seien folglich nicht Lieferengpässe oder fehlende Ware, sondern schlicht die Tatsache, dass man zu wenig Platz habe, um die Produkte zu lagern.

Vorbereitungen liefen bis zur letzten Sekunde

Seit neuestem bietet Coop deshalb in seinem Onlineshop zusätzlich zum regulären Angebot, das über 11000 Artikel umfasst, ein spezielles Onlinesortiment mit hundert Artikeln für den täglichen Bedarf an. «Damit können wir unsere Kapazitäten steigern und unseren Kunden mehr Lieferfenster anbieten», sagt Huwyler. Wer nun die Webseite von Coop@home besucht, kann neben dem normalen Sortiment auch die Top-100-Kategorie anwählen, die deutlich kürzere Lieferfristen verspricht.

«Im Regelfall dauert die Zustellung wenige Tage», sagt Huwyler. Um ausserdem das von Coop-Chef Sutter angesprochene Platzproblem zu lösen, hat der Detailhändler kürzlich bei einem seiner langjährigen Partner angeklopft: dem Altishofer Logistikkonzern Galliker. Dieser erklärte sich daraufhin bereit, Coop@home nicht nur eine «grössere Garage», sondern gleich eine ganze Lagerhalle zur Verfügung zu stellen.

«Neben einem unserer eigenen Standorte in Langenthal, der seit Anfang April ebenfalls für das Top-100-Projekt eingesetzt wird, haben wir in den letzten Wochen intensiv nach einer zusätzlichen Lagerfläche gesucht und mit Altishofen schliesslich einen idealen Standort gefunden», sagt Huwyler. Das Arrangement gestaltet sich dabei wie folgt: Coop liefert die Produkte an, Galliker übernimmt die Zwischenlagerung sowie die Zusammenstellung der Pakete, und die Post beliefert schliesslich den Endkonsumenten.

Seit gestern Mittwoch läuft die gemeinsame Unternehmung. Just gestern wurde auch bekannt, dass die Post gemeinsam mit den grossen Detailhändlern und den Sozialpartnern ein Massnahmenprogramm ausgearbeitet hat, um der aktuellen Paketflut Herr zu werden, ohne dabei die Grundversorgung zu vernachlässigen. Die Zusammenarbeit zwischen Coop, Galliker und der Post kann als Teil dieses Massnahmenprogramms verstanden werden. «Wir haben das Projekt innert kürzester Zeit geschaffen und sind überzeugt, damit den veränderten Bedürfnissen unserer Kunden entsprechen zu können. Mit dem zusätzlichen Standort Altishofen sind wir auch für eine noch höhere Nachfrage gewappnet.»

120 Angestellte aus der Kurzarbeit zurückgeholt

Bei Galliker liefen gestern bis zur letzten Sekunde die Vorbereitungen für den erwarteten Bestellansturm. Bei einem Augenschein in der rund 6000 Quadratmeter grossen Lagerhalle in Altishofen wurden noch am frühen Vormittag die letzten Schulungen für die rund 120 Galliker-Mitarbeitenden durchgeführt, die kurz darauf die ersten Pakete mit Produkten aus dem Top-100-Sortiment von Coop@home schnürten und auf die Lastwagen der Post verteilten.

Das gemeinsame Projekt erweist sich dabei sowohl für Coop als auch für Galliker als Glücksgriff. Während der Detailhändler seinen Kunden wieder mehr Lieferfenster und kürzere Lieferzeiten anbieten kann, war es dem Logistiker möglich, einen Teil seiner Belegschaft aus der Kurzarbeit zurückzuholen.

Von den 120 Mitarbeitenden, die gestern beim Projektstart im Einsatz standen, seien zuletzt alle in Kurzarbeit gewesen, sagt Peter Galliker, CEO der Galliker Transport AG. «Es ist natürlich eine tolle Sache, dass wir diese Leute nun wieder voll beschäftigen können.» Diese hätten sehr positiv auf die Nachricht reagiert und seien froh, dass sie einen Beitrag leisten können, sagt Galliker. Und bald könnten noch weitere Kollegen hinzukommen: «Wir rechnen mit einem Anstieg der Bestellungen und sind darauf bestens vorbereitet.»

Migros lanciert Lieferservice für Risikogruppen

Der steigende Ansturm auf Onlineshops machte zuletzt auch LeShop, dem Lieferdienst der Migros, zu schaffen. Die begehrten Liefertermine sind momentan auf mehrere Wochen hinaus ausgebucht. Das hat den Detailhändler dazu bewogen, gemeinsam mit Pro Senectute einen neuen, bevorzugten Lieferservice für die Angehörigen einer Risikogruppen auf die Beine zu stellen. Dazu müssen sich die Betroffenen auf amigos.ch registrieren und dort ihre Lebensmittelbestellung aufgeben. Diese wird dann in der Regel noch am selben Tag nach Hause geliefert — freiwilliger Helfer sei dank. In den vergangenen Tagen habe man so bereits rund 10'000 Haushalte beliefern können, liess Migros-Sprecher Marcel Schlatter verlauten. Das Angebot richte sich dabei explizit an ältere Personen mit Vorerkrankungen oder Personen, die momentan in Quarantäne oder Selbstisolation seien. (gr)