Coop geht mit der Zeit

Der wachsende Markt für schnelle Verpflegung unterwegs ist heiss umkämpft. Mit einem neuen Ladenformat will Coop ein grösseres Kuchenstück ergattern. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Thomas Griesser Kym
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Früchte und abgepacktes Gemüse zum sofortigen Konsum im ersten Coop to go am Bahnhof Zürich-Stadelhofen. (Bild: ky/Anthony Anex)

Früchte und abgepacktes Gemüse zum sofortigen Konsum im ersten Coop to go am Bahnhof Zürich-Stadelhofen. (Bild: ky/Anthony Anex)

ZÜRICH. Für 22,7 Mrd. Fr. haben Schweizerinnen und Schweizer vergangenes Jahr ausser Haus gegessen und getrunken. Das zeigt der «Branchenspiegel» von Gastrosuisse. Und: In der herkömmlichen Gastronomie – also in Restaurants, Hotels, Bistros, Cafés usw. – wurde für 8 Mrd. Fr. gegessen, auf die Schnellverpflegung entfielen 2,7 Mrd. Franken.

Dieses Geschäft wächst, weil die Menschen immer mobiler werden, sich immer weniger Zeit nehmen, um selber zu kochen, und sich immer öfter unterwegs verpflegen, und dies möglichst «schnell, frisch und gesund», wie auch Coop weiss. Der Grossverteiler sieht sich mit seinem letztjährigen Umsatz von über 700 Mio. Fr. mit frischen Convenience-Produkten – Lebensmittel, die zum sofortigen, bequemen Verzehr geeignet sind – als Marktführer. Und nun will sich Coop ein noch grösseres Stück vom Kuchen abschneiden. Heute wurde am Bahnhof Zürich-Stadelhofen ein erster Lade namens Coop to go eröffnet. Müesli zum Frühstück, danach Salate, zudem Sandwichs, Smoothies, Säfte, frische Früchte, Pizza usw. – kurz: Lebensmittel, die sofort konsumierbar sind, ein Teil davon gekühlt, andere heiss.

Verschiedene Absatzkanäle

Dem ersten Coop to go sollen innert fünf Jahren 50 weitere Verkaufsstellen folgen, wie Konzernchef Joos Sutter sagt. Im Auge hat Coop stark frequentierte Lagen und Ladenflächen zwischen 80 und 200 m². In den grösseren Läden, wie dem zweiten, der am Zürcher Stauffacher zu stehen kommt, soll es auch 20 bis 40 Sitzplätze geben. Mit Coop to go ergänzt der Grossverteiler seine Convenience-Formate um einen dritten Absatzkanal, das bereits das Take-away-Angebot Coop Take it und – an Tankstellen, Bahnhöfen oder als Stand-alone-Geschäfte – Coop Pronto umfasst. Sutter meint, «auf diesem rasch wachsenden Markt hat es Platz für alle Formate». Dagegen sagte Detailhandelsexperte Gotthard F. Wangler, die Angebote würden sich gegenseitig konkurrenzieren.

Auch die Migros mischt mit

Vor allem bei Jungen steht Essen ohne viel Aufwand hoch im Kurs. Laut Gastrosuisse lassen die 15- bis 29-Jährigen fast 30% ihrer Ausgaben für die Ausser-Haus-Verpflegung in der Schnellverpflegung liegen, was ein deutlich grösserer Anteil ist als in allen anderen Altersgruppen. Und mit Convenience lässt sich gutes Geld verdienen. Deshalb mischen auch viele weitere Akteure auf diesem Markt mit, von Imbissständen über Tankstellenshops bis zu Bäckereien. Und auch die Migros. Deren Sprecherin Martina Bosshard sagt: «Convenience ist für uns ein sehr wichtiges Segment.»

Mit Migros Take-away, Gourmessa und in den Migrolino-Läden führt der Grossverteiler mehrere Angebote der Schnellverpflegung. Die Migros Aare testet in Bern seit einer Woche einen Laden namens My Way, der dem Konzept von Coop to go ähnelt. Délifit ist eine Gastronomie-Linie der Migros mit «Fast Food für eine ausgewogene Ernährung». Migros-Industriebetriebe entwickeln und produzieren ebenfalls Convenience-Artikel, etwa die Bischofszell Nahrungsmittel AG die Linie Anna's Best. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während 2014 der Umsatz der herkömmlichen Migros-Restaurants um 2,4% sank, stieg er bei Migros Take-away um 3%. Und während die Verkäufe der Migros-Supermärkte um 1,6% wuchsen, legte Migrolino um satte 15,1% zu.

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