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CLEANTECH: Wie man Treibhausgas einfängt

Klimagase aus der Atmosphäre holen – dieses Prinzip verfolgt ein Zürcher Unternehmen. Jetzt sorgt Schweizer Technologie auch im Ausland dafür, dass weniger CO2 in der Luft ist. Die Pläne für die Zukunft sind ehrgeizig.
Andreas Lorenz-Meyer
Das isländische Geothermiekraftwerk Hellisheidi: Hier wird CO2 aus der Luft in Stein verwandelt. (Bild: Arni Saeberg)

Das isländische Geothermiekraftwerk Hellisheidi: Hier wird CO2 aus der Luft in Stein verwandelt. (Bild: Arni Saeberg)

Andreas Lorenz-Meyer

Am besten fürs Erdklima wäre es, wenn viele CO2-Emissionen vermieden würden. Das schafft die Staatengemeinschaft bisher leider nicht. Es gibt jedoch die Möglichkeit, das Treibhausgas nachträglich aus der Luft abzusaugen. Direct Air Capture (DAC) nennt sich das Verfahren. Das Zürcher Unternehmen Climeworks ist darauf spezialisiert und exportiert nun auch ins Ausland.

Hoch im Norden, am isländischen Geothermie-Kraftwerk Hellisheidi, steht seit Oktober eine Filteranlage, die CO2 auf ganz neue Weise aus dem Verkehr zieht. Das geht so: Umgebungsluft strömt in einen Kollektor, an dessen Filteroberfläche sich Kohlendioxid sammelt. Der Filter wird mit der Restwärme des Kraftwerks auf 100 Grad Celsius erhitzt – dadurch entsteht Kohlendioxid als reines Gas. Das Gas wird mit Wasser gebunden, welches man 700 Meter tief in den Untergrund pumpt. Dort, im porösen Basaltgestein, folgt die «Versteinerung»: Das CO2 verwandelt sich nach einiger Zeit in Carbonat und ist so dauerhaft der Atmosphäre entzogen.

CO2 als Dünger oder für die Getränkeindustrie

Als Nächstes plant Climeworks die Skalierung am Standort Hellisheidi. Dann könnte sich auch der CO2-Ertrag vergrössern. «Jeder unserer Kollektoren entzieht der Atmosphäre etwa 50 Tonnen CO2 pro Jahr», erklärt CEO und Mitgründer Christoph Gebald. Das sind rund 165 Kilogramm pro Tag. Gebald sieht weltweit ein sehr grosses Potenzial für die Kombination DAC/Versteinerung. Denn die Technik ist prinzipiell überall da einsetzbar, wo es ähnliche Gesteinsformationen wie in Hellisheidi gibt. Ausgenommen die Schweiz, die keine nennenswerten Basaltvorkommen hat. CO2 wird hierzulande trotzdem eingefangen. Im Sommer ging in der Kehrichtverwertungsanlage Hinwil die allererste kommerzielle Anlage in Betrieb. Technisch gesehen handelt es sich um denselben Prozess wie in Island. Nur dass in Hinwil gleich 18 Kollektoren arbeiten und knapp 2500 Kilogramm Treibhausgas am Tag aus der Atmosphäre holen. Man verwendet es als Dünger: Über Rohre gelangt es ins 400 Meter entfernte Gewächshaus der Gebrüder Meier AG, um dort das Wachstum von Nüsslisalat, Radieschen, Gurken und Auberginen zu verstärken. Ein tragfähiges Modell für die ­gesamte Landwirtschaft, findet Gebald. «Unsere Technik lässt sich ab einer Anlagengrösse wie in Hinwil wirtschaftlich betreiben. CO2 als Dünger zu nutzen, ist ja keine neue Erfindung, das machen andere auch. Jedoch nicht mit CO2, das vor Ort aus der Luft gefiltert wurde.» Das Prinzip der Zürcher dürfte bald auch andernorts zum Einsatz kommen. Clime­works tauscht sich mit Schweizer Bauern aus, die Gewächshäuser betreiben. Auch mit der Schweizer Getränkeindustrie werden Gespräche geführt. «Dort nutzt man das CO2, um den Sprudeleffekt zu bekommen», erklärt Christoph Gebald. Es gebe Abfüllstationen in entlegenen Regionen, die eigens Diesel verbrennen, um genug Kohlendioxid zu haben. CO2 aus der Umgebungsluft zu filtern, sei da die weitaus umweltfreundlichere Variante. Nicht zuletzt auch die billigere.

Grundsätzlich handelt es sich bei den Filtern um ziemliche Allrounder, entsprechend beteiligt sich Climeworks an mehreren Projekten. Etwa an dem des deutschen Autobauers Audi, der mit Hilfe von CO2 aus der Luft synthetischen Treibstoff herstellen will. Auch bei einem Power-to-Gas-Projekt in Italien kommen die CO2-Kollektoren der Zürcher zum Einsatz. Hier geht es um die Umwandlung von Strom aus erneuerbaren Quellen zu flüssigem Erdgas. Anwendungsmöglichkeiten gibt es also einige. Zudem könnte das «Einfangen» von CO2 den Klimawandel zumindest etwas verlangsamen. Jedenfalls hat man sich bei Climeworks vorgenommen, bis zum Jahr 2025 ein Prozent des globalen CO2-Ausstosses aus der Luft zu filtern. «Es ist ein sehr ambitioniertes Ziel, aber möglich», sagt Gebald. «Wir bräuchten dafür 250 000 Filteranlagen in der Grössenordnung Hinwil.» An Interessenten dürfte es kaum mangeln. Die unter dem Begriff Cleantech zusammengefassten Technologien, die schonender mit Ressourcen umgehen, sind ein sicherer Wachstumsmarkt, weil mit fortschreitendem Klimawandel nachhaltige Lösungen immer dringlicher werden. Gute Aussichten also für die vielseitigen Filter aus Zürich.

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