Clariant steuert auf einen Showdown zu

Im Kampf um die Strategie kontert Clariant die oppositionellen US-Aktionäre mit einer Gegenoffensive.

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Die Fronten zwischen dem ­Muttenzer Spezialchemiekonzern Clariant und seinem grössten Aktionär White Tale verhärten sich weiter. Die Amerikaner hatten bereits den Fusionsplan zwischen Clariant mit dem US-Konkurrenten Huntsman zum Platzen gebracht, indem sie durch Aktienkäufe ihre Clariant-Beteiligung auf 20 Prozent erhöhten und weitere Aktionäre auf ihre Seite zogen. Das machte es unwahrscheinlich, dass Clariant die für die Fusion nötige Zustimmung von zwei Dritteln der ­Aktienstimmen erhalten hätte.

Clariant werde zu tief bewertet, begründete ein Sprecher der US-Investmentgesellschaft den Widerstand. Nach dem Scheitern des Fusionsplans stellte White Tale zudem Forderungen an ­Clariant: Verkauf der Plastik- und Beschichtungssparte, drei Sitze im Verwaltungsrat von Clariant sowie eine externe Prüfung der Strategie des Konzerns. Diesen Forderungen erteilt Clariant nun weitgehend eine Absage. Über ­einen Spartenverkauf sagte Konzernchef Hariolf Kottmann gestern: «Es ist fast unmöglich, die gesamte Sparte zu veräussern.» Diese mache 35 Prozent des Konzernumsatzes aus. «Wir müssten nach einem solchen Verkauf zwei Jahre und 500 Millionen Franken aufwenden, um die Kostenbasis wieder herunterzubringen.» Damit würde letztlich das Unternehmen zerschlagen, und die Vermögenswerte würden verkauft. Dies stünde im Gegensatz zur unternehmerischen Vision und Verantwortung, dem Verständnis sowie den Treuepflichten des Clariant-Verwaltungsrats und des Managements. Klipp und klar Nein sagt Clariant auch zu einer externen Überprüfung der Strategie. «Dies bedeutet nichts anderes, als Bieter für unsere einzelnen Geschäfte zu finden, mit der Konsequenz, die Firma aufzuspalten und die Teile zu verkaufen», kritisiert Kottmann. Punkto Einsitz im Aufsichtsgremium sagt der Clariant-Chef, der Verwaltungsrat habe entschieden, dass ein Nominierungsverfahren eröffnet werde. So könne White Tale der Generalversammlung im März 2018 ein Mitglied vorschlagen – eines, nicht drei wie gefordert.

Kottmann sprach auch über ein kürzliches Treffen mit White Tale. Die Amerikaner hätten keine eigene Strategie oder Pläne präsentiert, wie Clariant weiterentwickelt werden solle. Clariant geht nun in die Gegenoffensive und will laut Kottmann seine Strategie anpassen, um Wachstum und Wertgenerierung zu verbessern. Zu den Massnahmen zählen mögliche Übernahmen, Veränderungen des Geschäftsportfolios, mögliche Erträge für Anleger und Kostensenkungen. Die aktualisierte Strategie will Clariant Anfang 2018 vorstellen.

Ob diese Ankündigungen dem Grossaktionär genügen, ist offen. White Tale wollte sich gestern nicht dazu äussern.

Cornelia Jost (SDA)