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CLARIANT: Standort Schweiz hängt am saudischen Wort

Der Chemiekonzern liefert für 2017 ein solides Ergebnis. Schwammiger sind da die Absichten des neuen Grossinvestors Sabic. Nichtsdestotrotz gibt man sich in der Konzernspitze mit Zusagen zufrieden.
Daniel Zulauf

Die Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) war in Hariolf Kottmanns Strategieplan zwar nicht erste Wahl. Doch der Clariant-Chef gibt sich überzeugt davon, dass er mit dem saudischen Petrochemiehersteller einen verlässlichen «strategischen Ankeraktionär» gefunden hat.

Seit einer Woche halten die Saudis knapp 25 Prozent aller Aktien des Schweizer Spezialchemiekonzerns. Sie übernahmen die Beteiligung von einer US–amerikanischen Investorengruppe, die sich unter dem Namen White Tale bei Clariant breitgemacht hatte und drauf und dran war, die Kontrolle des Unternehmens an sich zu reissen.

Auf die Frage, ob Sabic für Clariant ein «Weisser Ritter» sei, wollte sich Clariant-Chef Kottmann nicht festlegen. «Sabic ist auf jeden Fall ein strategischer Ankeraktionär, der uns dabei hilft, unsere Ziele zu erreichen», erklärte der CEO gestern zuversichtlich auf der Jahresbilanzpressekonferenz in Zürich.

«Für die Leute im Nahen Osten zählt der Handschlag»

Über die Absichten des neuen Grossaktionärs ist allerdings kaum etwas bekannt. Gemäss Kottmann würden Gespräche über die Zusammenarbeit beginnen, sobald die Wettbewerbsbehörden grünes Licht gegeben haben. Ein Ergebnis sei bis im Juli zu erwarten. Ausgemachte Sache sei allerdings schon heute, dass Clariant ein selbstständiges Unternehmen mit Sitz in der Schweiz und mit möglichst vielen freien Aktionären bleiben werde. Dazu habe ihm Sabic-Chef Yousef Abdullah Al-Benyan persönlich das Wort gegeben. Auf die Frage, ob die Zusicherung auch in den Kooperationsvertrag aufgenommen werde, meinte Kottmann pragmatisch: «Papier ist geduldig». Der praktische Wert einer solchen Klausel sei gering. Für die Leute im Nahen Osten zähle ein Handschlag ohnehin mehr als ein Vertrag, darauf vertraue er. Für Unsicherheit sorgte Sabic allerdings selber, indem die Saudis in ihrer Kommunikation über den Einstieg bei Clariant lediglich versichert hatten, dass sie «zurzeit» keine Vollübernahme des Konzerns anstreben würden.

So oder so dürften gute Geschäftszahlen langfristig die ­beste Garantie zur Wahrung der Unabhängigkeit bleiben. Dies­bezüglich ist Clariant gestern ­einen guten Schritt vorangekommen. Der Konzern konnte aus einem 9 Prozent höheren Umsatz 15 Prozent mehr Gewinn erwirtschaften. Die Steigerung ist umso bemerkenswerter, als Clariant für die Vorbereitung des ursprünglich geplanten Mergers mit Huntsman und für die Abwehr der aufsässigen US-Aktionärsgruppe rund 50 Millionen Franken aufwenden musste. Der hohe finanzielle Einsatz erklärt mithin, weshalb Kottmann auch gestern zahlreiche Giftpfeile gegen die White-Tale-Investoren abschoss. Er habe stets den Eindruck gehabt diese Leute seien im Geschäft von Clariant völlig «ahnungslos» gewesen. Ihre ­Absichten hätten von Beginn weg darin bestanden, Clariant auf­zuspalten und in Einzelteilen zu verkaufen. Aber Clariant habe eine Existenzberechtigung. Das Unternehmen verfüge über viele gute Mitarbeiter, und es verfolge Geschäftspläne, die auch einen volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen hätten.

Den Aktionären winkt erstmals eine 11 Prozent höhere Divi­dende. Dass der Aktienkurs gestern dennoch 2,5 Prozent gefallen ist, dürfte weniger mit den operativen Leistungen als vielmehr mit der geschwundenen Übernahmefantasie zu erklären sein.

Daniel Zulauf

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