CHRISTIAN SEWING: Und wieder ein Mann für «harte Entscheidungen»

An der Spitze der Deutschen Bank kommt es zum Generationen-, aber nicht zum Kulturwechsel.

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In den letzten Wochen kursierten einige Namen, die auf den Briten John Cryan an der Spitze von Deutschlands grösstem Geldhaus folgen könnten – Christian Sewing hatten die wenigsten auf dem Radar. Dabei war der 47-jährige als Co-Vizechef in der Pole-Position, um nach oben zu klettern. Doch der umstrittene Aufsichtsratschef Paul Achleitner suchte offenbar eine externe Lösung. Vergeblich. Der vierfache Familienvater Sewing ist mit seinen 47 Jahren für den Chefposten zwar jung, entscheidender als sein Alter ist aber der Werdegang. Sewing hat das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt. Vor allem ist Sewing der erste Vorstandschef der Deutschen Bank seit 16 Jahren, der nicht aus dem Investmentbanking, sondern aus dem Kreditgeschäft und der Risikokontrolle kommt.

Sewing hat keine leichte Aufgabe. Die Deutsche Bank schreibt seit drei Jahren rote Zahlen, hat in dieser Zeit fast 9 Milliarden Euro Verluste eingefahren, der Aktienkurs ist abgestürzt. Auch der Start ins 2018 ist missglückt. Vor allem mit dem riskanten Investmentbanking verdient die Bank kaum Geld. Der neue Konzernchef kündigte in einem Brief an die Bank-Mitarbeiter daher «harte Entscheidungen» an, die er treffen wolle. Gewohnte Töne also aus der obersten Führungsetage. Mit Blick auf die Erträge müsse die Deutsche Bank ihre «Jägermentalität» zurückgewinnen.

Dieter Hein, Analyst beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch, ist skeptisch, «ob sich Sewing gegen Aufsichtsratschef Achleitner durchsetzen kann.» Grundsätzlich sei die Wahl Sewings zu begrüssen. Der 47-Jährige habe gegenüber seinen Vorgängern Vorteile. «Er kennt die Deutsche Bank.» Als Vorteil herausstellen könnte sich laut Hein auch, dass Sewing deutscher Bürger ist. Seine Vorgänger (u. a. der Schweizer Joe Ackermann) «verfügten über keinerlei Erfahrung im deutschen Bankgeschäft».

Hein ortet das grösste Problem aber beim Aufsichtsratschef. «Aus meiner Sicht wurde er 2012 eingesetzt, um über das Investmentbanking seine schützende Hand zu legen.» Die Gefahr sei, dass Achleitner die notwendige Verschlankung des Investmentbankings zu verhindern versuche. Dabei steht für Hein ausser Frage: «Das kostenintensive und riskante Investmentbanking muss zurechtgestutzt werden.» Er sei daher skeptisch, ob Sewing unter Achleitner einen Strategiewechsel hinbekomme.

Christoph Reichmuth, Berlin