Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Luxuriöse Textilien für ein Stück Lebensfreude: Seit 200 Jahren macht das St.Galler Unternehmen Christian Fischbacher Stoffe

Das ist ein reifes Alter. Seit 200 Jahren versorgt das St.Galler Unternehmen Christian Fischbacher die Welt mit luxuriösen Stoffen. Mit dabei sind auch Stoffe aus rezyklierten PET-Flaschen. Eine Pionierleistung, die Fahrt aufnimmt.
Stefan Borkert
Im Atelier der Firma Christian Fischbacher wird mit verschiedenen Materialien, Vorlagen und Farben experimentiert, bis schliesslich eine neue Kollektion entsteht. (Bilder: Urs Bucher)Im Atelier der Firma Christian Fischbacher wird mit verschiedenen Materialien, Vorlagen und Farben experimentiert, bis schliesslich eine neue Kollektion entsteht. (Bilder: Urs Bucher)
4 Bilder

Stoffe für ein Stück Lebensfreude

Architekten auf der ganzen Welt horchen auf, wenn von den neuen Kollektionen der Christian Fischbacher AG aus St. Gallen die Rede ist. Villen, Luxushotels und Firmengebäude werden im Innenbereich mit Stoffen des St. Galler Familienunternehmens ausgestattet. Etliche Stars schlafen in Bettwäsche von Christian Fischbacher. Wer genau, wird nicht verraten, Diskretion gehört seit jeher auch zum Geschäft.

Sicher ist, die Kundschaft beschränkt sich nicht nur auf die Schweiz, denn das Unternehmen ist längst weltweit tätig. 250 Angestellte arbeiten rund um den Erdball, 50 davon in St. Gallen. Sie entwerfen, verkaufen und entwickeln Stoffe für Teppiche, Tapeten, Bettwäsche und Wohnaccessoires, Stoffe für den Wohnbereich, für Objekte und auch den Aussenbereich. Und trotz aller Krisen, die ein so altes Unternehmen schon überlebt hat, floriert es noch immer. Das Geheimnis des Erfolges bezeichnet CEO Michael Fischbacher mit dem Drang nach immer neuen Innovationen, gepaart mit Expertenwissen, und einer grossen Leidenschaft für das Produkt selbst.

Gespür für den Geschmack in der Zukunft

Seine Frau Camilla Fischbacher nickt bestätigend. Als Art-Direktorin verantwortet sie den künstlerischen Bereich, die Designs und was in Zukunft in sein wird. Immer mit dabei ist ihre Hündin Lala, ein kleiner schwarzer Wirbelwind, der in der Firma stets ein Lächeln auf die Gesichter der Mitarbeitenden zaubert. Camilla Fischbacher kennt die Modewelt, die Strömungen und hat ein Gespür für den Geschmack der Zukunft. «Vor zehn Jahren wollte keiner mehr Veloursstoffe haben. Heute sind sie super gefragt», sagt sie. Farben und Materialien wechseln und kommen wieder. Dann ist sie in ihrem Reich, dem Atelier, angekommen. Schon bald beginnt ein lebhafter Austausch mit Chefdesignerin Claudia Kott und Designerin Martina Zünd. Man ist schon dabei, die Kollektionen für das kommende Jahr und darüber hinaus zu entwerfen.

Seit Jahrzehnten ist Christian Fischbacher bei internationalen Grössen der Designbranche ein fester Begriff. Die Zusammenarbeit sei wichtig und fruchtbar, sagt Michael Fischbacher und verrät immerhin, dass auch Stars wie Gianni Versace in den 1980er-Jahren auf die St. Galler setzten. «Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, Spitzenreiter in Sachen Designstandards für gehobene Textil-Interieurs zu sein», sagt er. «Wir sind fest davon überzeugt, dass ein schönes, stilvolles Zuhause Lebensfreude schafft. Dieses Gefühl des joie de vivre möchten wir durch unsere Produkte wecken.» Camilla Fischbacher ergänzt: «Die Inspiration kann aus der Natur, der Kunst- oder der Modewelt kommen. Es kann sich auch um traditionelles Kunsthandwerks oder eben auch den Einsatz innovativer Techniken handeln.» Wichtig ist der Firmenleitung aber immer, dass die Konzepte konsequent zu Ende gedacht werden.

Ein Berg ist erst dann wirklich bestiegen, wenn man wieder im Tal angekommen ist, und ein Fallschirmsprung ist erst dann beendet, wenn man sicher am Boden landet. Sport, Extremsport gehört nämlich auch zur Familientradition. Weltmeister im Fallschirmspringen, supersteile Skiabfahrten, Expeditionen in unbekannte Winkel der Welt – die Familiengeschichte ist voll von Abenteuern. Michael Fischbacher winkt unterdessen ab. «Das überlasse ich lieber meinem Bruder Christian.» Dieser führt unter anderem die Abenteuer- und Fallschirmspringertradition fort und verantwortet das Osteuropageschäft.

Mit 16 Jahren schon Firmengründer

Der Start des Unternehmens vor 200 Jahren zeigte, dass sich in dieser Familie Geschäftssinn, Risikobereitschaft, Mut zur Veränderung und Weltoffenheit feste Grössen sind. «Wir erfinden uns in jeder Generation neu», sagt denn auch Michael Fischbacher. Im Alter von 16 Jahren gründet der erste Christian Fischbacher 1819 das Unternehmen. Er sammelt Webwaren von Bauersfrauen ein und bringt sie zu Fuss auf den Markt in St. Gallen. Später führt er das stetig wachsende Geschäft mit seinem Sohn gemeinschaftlich und legt damit den Grundstein des Familienunternehmens. Mit Otto Christian Fischbacher tritt in den 1930er-Jahren in dritter Generation der kosmopolitische Geist in das Unternehmen. Otto gilt als Weltenbummler, bereist Afrika, Asien, den Mittleren Osten sowie zahlreiche exotische Destinationen. Sein Sohn Christian Fischbacher steigt schon im Alter von 21 Jahren in die Firma ein, wandert 1939 in die USA aus und etabliert in New York die erste Tochtergesellschaft.

Gegen Ende der 1950er-Jahre kommt er mit neuen modischen Eindrücken und Ideen zurück nach St. Gallen. Während seiner Jahre im Ausland knüpft er Beziehungen zur Pariser Couture und erweitert nach seiner Rückkehr die Designabteilung in St. Gallen um ein Bekleidungssegment. Christian Fischbacher ist nun weiter auf Expansionskurs. Ab 1961 gründet die Firma weitere Tochtergesellschaften in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Holland, England und Japan. Damals leitet in fünfter Generation wiederum ein Christian Fischbacher die Firma. Der Fokus verschiebt sich von Mode zu Heimtextilien. «Der Austausch mit angrenzenden Designdisziplinen wird bis heute fortgesetzt», sagt sein Sohn Michael Fischbacher. Um die Umstrukturierungen weiter voranzutreiben, werden die verschiedenen Lager in einem Zentrallager zusammengefasst. 1998 zügeln die Büros des Hauptsitzes in den Gebäudekomplex in St. Gallen-Winkeln.

Stoffe aus Plastik aus dem Meer

Camilla Fischbacher nimmt die Philosophie ihres Schwiegervaters ernst, leistet Pionierarbeit und setzt auch auf Nachhaltigkeit. Bereits vor zehn Jahren brachte das Unternehmen Deko- und Möbelstoffe aus rezykliertem PET-Flaschen auf den Markt. Die Kollektion «Benu» ist weltweit die erste ihrer Art und wird mit zahlreichen Designpreisen ausgezeichnet. Der Durchbruch liess aber auf sich warten. Erst jetzt, im Zuge der aktuellen Diskussion, boomt die Nachfrage. Angesichts der weltweiten Plastikflut treibt sie diese Idee weiter voran. Neu sollen Stoffe aus rezykliertem Plastik aus dem Meer entstehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.