Chinesen wollen keine teuren Teslas kaufen

PALO ALTO. Der amerikanische Elektroauto-Hersteller Tesla fährt in China nur durch Schlaglöcher. Während zu Hause in den USA die Erwartungen hoch sind und Stromtankstellen wie Pilze aus dem Boden schiessen, muss Tesla-Chef Elon Musk die Spitzenmanager in China entlassen, weil zu wenig Autos verkauft werden.

John Dyer
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Tesla kämpft um den chinesischen Markt. (Bild: epa)

Tesla kämpft um den chinesischen Markt. (Bild: epa)

PALO ALTO. Der amerikanische Elektroauto-Hersteller Tesla fährt in China nur durch Schlaglöcher. Während zu Hause in den USA die Erwartungen hoch sind und Stromtankstellen wie Pilze aus dem Boden schiessen, muss Tesla-Chef Elon Musk die Spitzenmanager in China entlassen, weil zu wenig Autos verkauft werden.

Nur 120 Autos verkauft

«Wir haben keine andere Wahl», rechtfertigt Musk sich in einem Schreiben an seine Manager in China. Das E-Mail wurde am Dienstag von Reuters veröffentlicht. «Wir können es uns nicht leisten, eine Region, egal welcher Grösse, langfristig zu subventionieren, ohne der Firma Schaden zuzufügen.» Nur 120 Tesla-Autos sind im vergangenen Monat in ganz China verkauft worden. Das Verkaufsziel für dieses Jahr sind dort 20 000 Autos. Angeboten wird immer noch nur das zur Oberklasse gehörende Model S. Bisher fahren in China nur 3500 Tesla-Autos.

Insgesamt hofft Tesla-Chef Musk in diesem Jahr auf einen Absatz von 50 000 seiner E-Autos. Die südkalifornische Firma baut derzeit eine Batteriefabrik, damit Tesla in den nächsten 15 Jahren eine halbe Million E-Autos bestücken kann. Vergangenen Monat drückte Musk seine Hoffnung aus, ab 2025 mehrere Millionen seiner Autos jährlich verkaufen zu können. Chinas Konsumenten kauften 80 000 Elektroautos im vergangenen Jahr, aber keine Teslas. Nach Ansicht von Yale Zhang, Geschäftsführer der Beraterfirma Automotive Foresight in Shanghai, sind die Chinesen an Fahrzeugen mit Elektromotoren durchaus interessiert.

Spielzeug für Reiche

Und auch die Regierung in Peking will in den nächsten fünf Jahren eine halbe Million Elektroautos fahren sehen. Doch Tesla profitiert nicht davon. Sein Model S werde als Spielzeug für Reiche angesehen, sagte Zhang. In den USA wird dieses einzige Modell von Tesla für 70 000 $ verkauft. In China kostet das batteriebetriebene Auto 120 000 $. Aus der chinesischen Förderung für E-Autos erhält der Käufer allerdings 19 000 $. Erschwerend kommt auf dem chinesischen Markt hinzu, dass der Tesla nicht einfach an der Steckdose aufgeladen werden kann. Er braucht eine spezielle Ladestation. Als Musk von den schleppenden Verkäufen in China berichtete, ging der Aktienkurs um 7% zurück. Inzwischen hat er sich wieder auf 216 $ erholt. Im vergangenen Jahr stand die Tesla-Aktie noch bei 291 $.

Ladestationen in Kalifornien

In Teslas Heimat Kalifornien setzt man dagegen weiter auf dieses Modell. Drei neue Firmen haben Pläne angekündigt, um das Angebot an Elektro-Ladestationen im gesamten Bundesstaat auszuweiten. Das soll wiederum die Verkäufe ankurbeln. Der Stromversorger Pacific Gas & Amp hat bei den Behörden die Genehmigung zum Bau von 25 000 Ladestation in Kalifornien in den nächsten fünf Jahren beantragt. Die Kosten sollen mit einem geringen Aufschlag auf die allgemeinen Stromrechnungen gedeckt werden.

VW America hat bekanntgegeben, dass man 10 Mio. $ für den Bau von Ladestationen in den USA investieren will. Schon im vergangenen Monat haben BMW North America, Volkswagen America und Charge-Point einen Plan vorgelegt, um von San Diego an der mexikanischen Grenze bis Portland im Norden und von der Hauptstadt Washington bis Boston an der Ostküste eine Kette von Ladestationen zu erstellen.

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