Chinesen staunen über Genossenschaft

Vertreter des chinesischen Landwirtschaftsministeriums besuchten am Montag die Migros Ostschweiz. Ihr Interesse galt der Struktur einer erfolgreichen Genossenschaft sowie Standards bei Obst und Gemüse.

Livia Caluori
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Die chinesische Delegation bei der Besichtigung der Jowa-Bäckerei der Migros. (Bild: Urs Bucher)

Die chinesische Delegation bei der Besichtigung der Jowa-Bäckerei der Migros. (Bild: Urs Bucher)

Gossau. «Oh» oder «okay» – etwa so viel verstanden die anwesenden Schweizer. Doch wurden die Vertreter des chinesischen Landwirtschaftsministeriums und dessen Ämter auf Provinzebene von einer Dolmetscherin begleitet. Im Rahmen eines Projektes der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) besuchte die chinesische Gruppe die Genossenschaft Migros Ostschweiz in Gossau. Dabei sollte den Chinesen die Struktur einer erfolgreichen Genossenschaft erklärt und Standards aufgezeigt werden, welche das Unternehmen bei Obst und Gemüse voraussetzt.

Migros Genossenschaft

Peter Diethelm, Leiter des Bereichs Supermarkt der Migros Ostschweiz, erklärte der Runde zur Eröffnung die von Gottlieb Duttweiler eingeführten Prinzipien der Konsumenten-Genossenschaft Migros. Schnell wurde er von Fragen der Delegation unterbrochen. Für die chinesischen Landwirtschaftsbeamten war es äusserst schwer zu verstehen, wie ein Unternehmen, das nicht in erster Linie gewinnorientiert ist, keine Gewinnausschüttung an die Mitglieder der Genossenschaft auszahlt und Anteilscheine gratis zur Verfügung stellt, trotzdem erfolgreich sein kann.

Das Thema wurde unter den Chinesen heftig diskutiert. Zum Glück fand sich die Dolmetscherin in dem Sprachendurcheinander zurecht.

Der berüchtigte Dialekt

Später gestand die Chinesin, dass sie vor dem Besuch in der Schweiz ein wenig Angst gehabt habe. Sie befürchtete, aufgrund des «berüchtigten Schweizer Dialektes» nicht viel verstehen zu können.

Die GIZ unterstützt China im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Deutschland (BMZ). Mit dem Besuch der chinesischen Delegation in der Schweiz sollen Inputs vermittelt werden, die helfen, zwei längerfristige Ziele zu erreichen: Erstens muss die Diskrepanz zwischen Arm und Reich zwingend vermindert werden.

Für die Bauern, gegen das Gift

«Die chinesische Regierung hat Angst, dass ihr das Ganze um die Ohren fliegt», sagt Bengt Bohnstedt, Begleiter der Delegation. Darum hat sich in den letzten Jahren schon einiges getan. In gewissen Provinzen müssen Bauern keine Steuern mehr bezahlen und werden auch subventioniert. «Zudem sind in China dank eines neuen Genossenschaftsgesetzes seit 2007 Bauerngenossenschaften erlaubt», so Bonstedt. Sie dienen der Selbsthilfe von Bauern.

Zweitens hat die Regierung eingesehen, dass sich China selbst vergiftet, und will deshalb etwas für die Umwelt tun. So wird durch diverse Projekte und professionelle Beratung versucht, weniger Wasser, Dünger und Pestizide im Landwirtschaftsbereich einzusetzen. Das Morgenprogramm endete mit einem Rundgang durch die Migros-Bäckerei Jowa.

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