Chinesen lieben unsere Milch

Unter dem Namen «Swissmooh» verkauft die Nordostmilch AG in China erfolgreich Milchprodukte aus Ostschweizer Milch. Die Vermarktungsorganisation hofft, die Milch in Asien als Luxusprodukt etablieren zu können.

Nina Ladina Kurz
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Der «Swissmooh»-Shop in Qindao – hinter der Verkaufstheke laufen Sendungen aus dem Schweizer Fernsehprogramm. (Bild: pd)

Der «Swissmooh»-Shop in Qindao – hinter der Verkaufstheke laufen Sendungen aus dem Schweizer Fernsehprogramm. (Bild: pd)

Fünf Franken kostet der Liter Ostschweizer Milch – und trotzdem findet sie in China guten Absatz. Seit Anfang Mai betreibt die Nordostmilch AG unter dem Namen «Swissmooh» in der chinesischen Stadt Qingdao einen Laden mit typischen Schweizer Milchprodukten. Dazu kommt ein in mehreren Sprachen geführter Online-Shop. Vollmilch, Schweizer Milchschokolade, Appenzeller Fondue und verschiedene Käsesorten – alles aus Ostschweizer Milch hergestellt – finden sich im Sortiment.

«Erstes Umsatzziel erreicht»

Chinas neue Mittelschicht hat sich ans Milchtrinken gewöhnt und dürstet nach Milchprodukten Made in Switzerland. Importprodukte wie diese von «Swissmooh» profitieren vor allem von den letzten Lebensmittelskandalen in China. Ende 2008 starben in China sechs Säuglinge, 300 000 Babies erkrankten teilweise schwer. Lokale Milchproduzenten hatten ihre Milch mit der Chemikalie Melamin verpanscht, um einen höheren Proteinwert vorzutäuschen. Wer es sich leisten kann, kauft deshalb importierte Produkten mit vertrauenswürdigen Qualitätssiegeln.

Bei der Nordostmilch AG ist man denn auch mit den Verkaufszahlen zufrieden. «Unser Umsatzziel während der ersten Projektphase haben wir bereits erreicht», sagt René Schwager, Geschäftsführer von Nordostmilch, der Vermarktungsorganisation der Ostschweizer Milchproduzenten. Die Konkurrenz in Form eines Einkaufszentrums auf der gegenüberliegenden Strassenseite scheut Schwager nicht. «Die Verkaufszahlen von Swissmooh-Milch können mit vergleichbaren Importmilchprodukten von Grossverteilern mithalten.» Dabei sind Importprodukte aus anderen Ländern meist zu einem günstigeren Preis zu haben. Zum Vergleich: Eine aus Deutschland importierte Milch kostet bei Chinesischen Grossverteilern umgerechnet etwa drei Franken.

Geschäftsführer Schwager denkt bereits über künftige Projekte nach. «Spruchreif ist noch nichts, aber aufgrund der positiven Erfahrungen prüfen wir zurzeit mehrere Optionen – diese könnten auch weitere Verkaufsstandorte beinhalten.» An der Produktepalette wolle man zunächst nichts ändern. «Am häufigsten geht die UHT-Milch sowie das Milchpulver über die Verkaufstheke.»

Umsatzfördernd sei auch gewesen, dass bei der Eröffnung im Mai der Schweizer Botschafter vor Ort war. «Dies verlieh unserem Geschäft die notwendige Glaubwürdigkeit. Denn auch die Chinesen sind sich unterdessen bewusst: Nicht überall wo Schweiz draufsteht, ist auch Schweiz drin.» «Swissmooh» ist hundert Prozent «Made in Switzerland»: Produziert werden die Produkte, allen voran das Milchpulver, im Werk der Hochdorf-Gruppe in Sulgen. Nach China verfrachtet werden die Produkte mit dem Schiff.

Vorteilhaft auch für Heimmarkt

Unterstützend wirke auch das im Juli abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China. «Das Abkommen ermöglicht uns in einigen Jahren eine Kostenreduktion um bis zu 15 Prozent.» Aufwendig und komplex werde der Export nach China aber weiterhin bleiben. «Die Importprüfungen durch chinesische Behörden gehören zu den kompliziertesten überhaupt. Fast jedesmal gelten wieder andere Bestimmungen.»

Trotzdem hofft Schwager, dass das Geschäft in Asien weiter floriert. «Wir haben die Chance, Milch als Luxusprodukt etablieren zu können. Das langfristige Ziel ist, die Einnahmen in Form von höheren Milchpreisen an die Milchbauern weiterzugeben. Das würde auch auf dem Heimmarkt eine Wende bringen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.»

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