Chinesen auf Einkaufstour

Der Kauf des Hollywood-Filmstudios Legendary Entertainment durch Wanda ist nur ein weiterer Schritt in der Einverleibung westlicher Marken durch chinesische Unternehmen.

Finn Mayer-Kuckuk
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Legendary Entertainment hat den Blockbuster «Batman» herausgebracht. Nun ist das US-Filmstudio in chinesischer Hand. (Bild: Warner Bros.)

Legendary Entertainment hat den Blockbuster «Batman» herausgebracht. Nun ist das US-Filmstudio in chinesischer Hand. (Bild: Warner Bros.)

PEKING. Immer mehr bekannte Marken landen in chinesischer Hand – jüngst auch das US-Filmstudio Legendary Entertainment (vgl. Ausgabe vom Mittwoch), das Streifen wie «Batman», «Jurassic Park» oder «Godzilla» herausgebracht hat. Käufer ist der nordchinesische Unterhaltungs- und Immobilienkonzern Wanda, der bereits der grösste Kinobetreiber weltweit ist. Firmenchef Wang Jianlin, einer der reichsten Männer des Landes, lässt 3,5 Mrd. $ springen. Kürzlich hat Wanda auch den Zuger Sportvermarkter Infront einverleibt. Wanda übernimmt damit nebenbei die Verwaltung der TV-Rechte an der Fussball-WM oder des deutschen Fussballcups.

Die Übernahme von Legendary Entertainment ist nur ein Beispiel einer grossangelegten Einkaufstour chinesischer Firmen weltweit. Vergangenes Jahr lagen die Auslandinvestitionen des Landes laut Handelsministerium bei umgerechnet 140 Mrd. Fr., ein Viertel mehr als 2014.

Teils greifen Privatfirmen wie Wanda zu, teils sind es Staatsbetriebe wie der Chemiekonzern Chem China, der Anfang Woche den Münchner Maschinenbauer Krauss Maffei übernommen hat. Chem China verhandelt auch mit dem Basler Agrochemiekonzern Syngenta und hat jüngst den italienischen Reifenhersteller Pirelli geschluckt.

Technik und Marken im Visier

Hinter der Häufung von Zukäufen steckt eine Strategie der staatlichen Wirtschaftsplaner in Peking. «Es ist offizielle Politik, dass Chinas Unternehmen sich internationalisieren sollen», sagt Klaus Meyer vom Centre for Globalization of Chinese Companies an der China Europe International Business School in Shanghai. Das Schwellenland könne so seinen Einfluss weltweit ausdehnen und erhalte Zugriff auf fortschrittliche Technik und etablierte Marken. Chinas Präsident Xi Jinping hat für die kommenden zehn Jahre Auslandinvestitionen in Höhe von 1300 Mrd. Fr. angekündigt.

Chinas zuletzt schwächeres Wirtschaftswachstum und die jüngsten Börsenturbulenzen beschleunigen den Trend noch: Den schwerreichen Grossunternehmen Chinas fehlen lohnende Investitionsmöglichkeiten im Inland. Die chinesische Wirtschaft leidet schon seit Jahren darunter, zu hohe Produktionskapazitäten aufgebaut zu haben. Die Rendite im Inland ist meist miserabel. Auslandsinvestitionen sind da eine lohnende Anwendung für die Überschüsse und die aufgeblähten Kapitalreserven.

Aus Misserfolgen gelernt

In der ersten Phase der Internationalisierung Anfang der 1980er-Jahre haben die Reformkräfte Chinas erste Ausländer ins Land gelassen. Jetzt folgt der folgerichtig zweite Teil der eigenen Globalisierung in die andere Richtung. Viele gute Namen sind bereits in chinesischer Hand: Der Handyhersteller Motorola, das US-Hotel Waldorf Astoria, die Elektromarke Medion, Saurer, Volvo, der Gabelstaplerhersteller Kion – es geht Schlag auf Schlag. In den letzten zehn Jahren haben chinesische Firmen bereits 900 Mrd. Fr. weltweit ausgegeben, einen Grossteil davon in den letzten fünf Jahren. Unter Abzug reiner Finanzinvestitionen sind es 430 Mrd. Franken.

Eine neue Generation chinesischer Firmenkäufer hat aus früheren Misserfolgen gelernt, dass europäische Firmen nicht nach Belieben fernsteuerbar sind. Erfolgreiche Beispiele zeigen: Die Käufer schiessen Kapital zu, öffnen den chinesischen Markt – und halten sich ansonsten zurück. Sie wollen eher lernen, wie europäische Firmen Technik entwickeln – statt plump die Patente abzusaugen.

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