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Chinas Wachstum wirft Fragen auf

Im Reich der Mitte boomt die Wirtschaft, doch die Blase am Immobilienmarkt wirkt immer bedrohlicher.
Finn Mayer-Kuckuk/Peking

Die chinesische Wirtschaft ist auch im Sommer wieder kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandprodukt habe im 3. Quartal um 6,7% expandiert, teilte das Nationale Statistikamt in Peking mit. Damit liegt das Wachstum seit Jahresbeginn laut offiziellen Angaben konstant im Zielbereich zwischen 6,5% und 7%. «Viele Fundamentaldaten sehen gut aus, auch die Gewinne der Firmen steigen wieder», sagt Yu Fenghui, Ökonom der Agricultural Bank of China. «Doch hinter dem Zahlenwerk verbergen sich erhebliche Risiken im Immobiliensektor.»

Der Immobilienumsatz ist von Januar bis September um 43% gestiegen – ein extrem hoher Wert, der auch die chinesische Regierung beunruhigt. Ökonom Yu vermutet hinter der gestiegenen Nachfrage auch Spekulanten, die auf schnelle Gewinne hoffen. Allein im September lag der Anstieg bei 60%. Eine mittelgrosse Wohnung in der Industriestadt Shenzhen kostet bereits das 38Fache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens dort. In Frankfurt ist es das Achtfache – und das gilt bereits als teuer.

Wirtschaftsplaner im Dilemma

Experten sehen im aufgeblähten Immobilienmarkt ein erhebliches Problem. «Es häufen sich gewaltige Risiken an», sagt Ökonom Yu. Die Regierung stehe unter Zugzwang: Sie muss die Investitionsbereitschaft der Hauskäufer dämpfen. Seit diesem Monat erschweren neue Regeln bereits den Kauf und die Finanzierung zusätzlicher Wohnungen. «Das wird sich wiederum auf das Wachstum auswirken», erwartet Yu, doch erst in den kommenden Quartalen.

Die Wirtschaftsplaner in Peking stürzt die Überhitzung des Immobilienmarkts in ein Dilemma. Denn die Investitionen in weitere Häuser und Wohnungen regen die Bautätigkeit an – und am Bau entstehen Arbeitsplätze. Wenn Premier Li Keqiang den Markt zu sehr bremst, dann muss er sich von den hohen Wachstumsraten verabschieden. Die Kommunistische Partei will jedoch ihren Ruf der wirtschaftlichen Allmacht verteidigen.

Wachsender Schuldenberg

Im vergangenen Jahr hat Li bereits versucht, die Geldanlagen der Bürger in den Aktienmarkt umzulenken. Das war jedoch gründlich schiefgegangen. Die Regierung hatte an der Börse eine neue Blase ausgelöst, die im Sommer mit einem lauten Knall geplatzt ist. Die freigewordenen Mittel sind daraufhin in den Immobiliensektor zurückgeflossen. Jetzt ist es das Ziel des Premiers, die Immobilienpreise zu stabilisieren, ohne eine neue Panik auszulösen.

Der Boom am Häusermarkt wirft die Frage auf, ob sich das hohe Gesamtwachstum der chinesischen Wirtschaft solide selber trägt – oder ob es von übertriebenen Investitionen abhängt. «Die Zuwächse sind auf jeden Fall durch eine erhebliche Ausdehnung des Schuldenstands erkauft», warnt Michael Pettis, Finanzwissenschafter an der Peking-Universität. Die Kreditvergabe steige bereits deutlich schneller als die Wirtschaftsleistung. «Ein deutlicher Rückgang des Wachstums», prophezeit Pettis, «erscheint daher auf mittlere Sicht unvermeidlich.»

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